Morrissey
15.12.2006 Philipshalle, Düsseldorf
Philipshalle Morrissey
Philipshalle, Düsseldorf
15. Dezember 2006
Stil: Britpop
Konzertbericht
Fotos: Natalie Kreuter

Artikel vom 25.12.2006


Udo Gröbbels
MorrisseyDas Leben ist ein Schweinestall- Welcome back Moz !!
Das Wort 'Legende' wird in der heutigen Zeit schnell vergeben, aber im Falle des ehemaligen Sängers der britischen Gitarrenband The Smiths ist dies sicher nicht übertrieben. Steven Patrick Morrissey, der von seinen treuen Fans nur Moz genannt wird, hatte es doch tatsächlich nach über sieben Jahren endlich wieder mal nach NRW verschlagen. Das letzte Mal in der altehrwürdigen Philipshalle hat er sogar vor fast genau 14 Jahren gespielt. Dieses Konzert am 23.12.1992 habe ich leider nicht miterleben dürfen, um so mehr hatte ich dann diesen 15. Dezember 2006 herbeigesehnt.
Außergewöhnliches Vorprogramm - Teil 1
Bevor sich Moz jedoch von seinen Fans wie ein Gott abfeiern lassen konnte, kam zunächst Kristeen Young auf die Bühne und durfte eine halbe Stunde ihre Songs vorstellen. Die junge Sängerin, die in einem sehr extravaganten Kleid auftrat, spielte dazu Keyboard und wurde von einem Drummer begleitet. Stilistisch irgendwo zwischen Anne Clark, Tori Amos und Björk gelegen, überzeugte die hübsche Dame mit toller Stimme. Die Musik dagegen war etwas gewöhnungsbedürftig und sicher nicht jedermanns Sache, aber insgesamt wurde Frau Young doch mehr als wohlwollend vom Düsseldorfer Publikum aufgenommen.
Außergewöhnliches Vorprogramm - Teil 2
MorrisseyLangsam hatte sich der Saal gefüllt, aber so richtig knallvoll wurde es leider nicht mehr. Die Zuschauer in der gut dreiviertel gefüllten Halle bekamen dann während der kommenden 30-minütigen Umbaupause auf einer Leinwand einige sehr skurrile Musikvideos aus den 60ern und 70ern zu sehen. Das alternative Musikclipprogramm setzte sich u.a. zusammen aus den New York Dolls, Brigitte Bardot und einigen sehr beknackten Grand-Prix-Beiträgen. Definitiv mal was anderes und sehr kurzweilig.
Der 'Messias' ist da
MorrisseyDie »Morrissey, Morrissey«-Sprechchöre aus den ersten Reihen wurden immer lauter. Dann endlich um Punkt 21.00 Uhr fiel der Vorhang, das Saallicht erlosch, und der sehnlichst erwartete Hauptdarsteller des Abends betrat mitsamt Band die Bühne. Allein sein Erscheinen wurde wie das des lang erwarteten Messias gefeiert und lauter Jubel brandete auf.
Der für seinen etwas schrulligen Humor bekannte Morrissey begrüßte das Publikum mit den Worten »I must warn you - I sing in a foreign language«. Erneuter Jubel und mit dem 20 Jahre alten Smiths-Klassiker "Panic" ging es direkt los. Der als sehr launisch verschriene Künstler bewies zumindest an diesem Abend das Gegenteil und agierte für seine Verhältnisse extrem extrovertiert auf der Bühne. Zu der Refrainzeile »Hang the DJ« hielt er seine Krawatte wie einen Galgen hoch, um sich anschließend von selbiger zu entledigen.
MorrisseyMoz ist auch einer der wenigen Künstler, die heute noch ein Mikrofon mit Kabel benutzen und genau wie Udo Lindenberg (Die-Hard Moz-Fans mögen mir bitte diesen Vergleich verzeihen) schwingt er es zwischendurch wie ein Lasso durch die Luft. Dies hat, wie so ziemlich alles bei diesem Konzert, absolut Stil. Es folgte ein bunter Mix aus aktuelleren Liedern wie "First Of The Gang To Die" und älteren, wie dem umjubelten "Everyday Is Like Sunday".
Höhepunkte waren aber ohne Zweifel die alten Smiths-Lieder, die auch nach teilweise über 20 Jahren nichts von ihrem Charme verloren haben. Die hervorragende fünfköpfige Band spielte Klassiker wie "How Soon Is Now" oder "Girlfriend In A Coma" sehr gefühlvoll und Morrissey brachte mit seiner glasklaren Stimme den alten Zauber zurück. Absolutes Highlight war sicherlich das von mir und vielen Fans herbeiersehnte "William It Was Really Nothing". Magie pur.
Unerkannt auf der Kö
MorrisseyEtwas ungewöhnlich war sein an diesem Abend relativ großes Mitteilungsbedürfnis. Zwischendurch erzählte der charismatische Moz z.B., dass er tagsüber durch die belebten Straßen von Düsseldorf spaziert ist und keiner »Hello« gesagt hat. Er kommentierte dies selber damit, dass dies wohl ein Zeichen sei, das man ihn erkannt habe. Zynisch waren auch seine Kommentare zu den Damen, die auf der KÖ ihre teueren Pelze zur Schau stellten. Morrissey, der sich bei der Organisation PETA engagiert, ist auch bekennender Veganer und hatte sogar veranlasst, das im gesamten Gastro-Bereich der Philipshalle kein Fleisch verkauft werden durfte.
Passend dazu auch der Titel seiner letzten Nummer im regulären Set "Life Is A Pigsty" (Das Leben ist ein Schweinestall). Das knapp siebenminütige Stück von seinem aktuellen Album "Ringleader Of The Tormentors", bildete mit seinem dramatischen Regen-Intro und den schweren Pianopassagen einen wunderbaren, dramaturgischen Abschluss nach 90 Minuten Konzert. Die Musiker verließen nacheinander die Bühne bis nur noch der Keyboarder auf der großen Bühne alleine war und zum Ende noch die Melodie des Weihnachtslieds "Auld Long Syne" spielte.
Als Zugabe griff Moz dann zunächst mit "Please, Please, Please Let Me Get What I Want" nochmals in die Smiths-Klassiker-Kiste. Was bei 99% aller Künstler undenkbar wäre, kann sich Morrissey ohne Probleme erlauben und gab als letztes Lied des Abends mit "Don't Make Fun Of Daddy's Voice" eine B-Seite (!!!) zum Besten.
Wahrscheinlich hätte er auch "Coco Jambo" singen können - seine Fangemeinde feierte einfach jedes Lied ab.
Nach über 100 Minuten war dann leider Schluss und Morrissey samt Band verabschiedeten sich unter dem Beifall der Fans. Definitiv kein Konzert wie jedes andere, sondern ein Abend, den ganz sicher keiner der Anwesenden so schnell vergessen wird.
Grandios.
Setlist:
MorrisseyPanic
First Of The Gang To Die
The Youngest Was The Most Loved
You Have Killed Me / Disappointed
Ganglord
I'll Never Be Anybody's Hero Now
William, It Was Really Nothing
Irish Blood, English Heart
I Will See You In Far-off Places
Girlfriend In A Coma
Everyday Is Like Sunday
In The Future When All's Well
I've Changed My Plea To Guilty
Let Me Kiss You
The National Front Disco
Dear God, Please Help Me
How Soon Is Now?
I Just Want To See The Boy Happy
Life Is A Pigsty

Encore
Please, Please, Please Let Me Get What I Want
Don't Make Fun Of Daddy's Voice


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