Mr. Irish Bastard / Bastard Brotherhood
Bastard Brotherhood Spielzeit: 49:24
Medium: CD
Label: Reedo Records/Rough Trade, 2008
Stil: Irish Punk Folk

Review vom 11.04.2008


Norbert Neugebauer
Wenn die Tin Whistle ein Album eröffnet und die melancholische Melodie dann nach wenigen Takten von einer wilden Rock-Mucke überrollt wird, dann überkommt so manchen Fan der Pavlov'sche Reflex nach teurem Stout und Gesellschaft von ebenso trinkfreudigen wie rotgesichtigen Gesellen.
Die älteren unter den zur überdrehten Rock-Folklore der Arthrose trotzend wild kopfnickenden Kollegen murmeln selig was von den "Boys back in Town", die jüngeren im Pogo-Nahkampf-Getümmel erinnern sich mit leicht schmerzverzerrtem Piratengesicht an den hartnäckigen Tripper vom "Summer in Siam".
Die glorreichen Zeiten von Phil und Shane samt ihren musizierenden Brothers in Booze & Dope sind zwar schon länger vorbei, aber nicht nur auf der Grünen Insel und ihren Emigranten-Niederlassungen ist diese Mucke nach wie vor angesagt. Auch in Germanien gibt es viele Anhänger und neben altgedienten Epigonen wie Fiddler's Green finden neue Bands den Weg auf die Bühnen.
Mr. Irish Bastard haben gleich gut eingeschlagen. 2006 um den singenden Iren Chris Lennon gegründet, ist die siebenköpfige Band aus Münster ganz klar in der Spur der Pogues, von Stiff Little Fingers, den Levellers, Flogging Molly & Co. Keineswegs die billige deutsche Kopie, wie auch die Leser diverser Polls meinten, die die Band bei einer bis Dezember 2007 dauernden Wertung auf den ersten Platz in den Kategorien Folk Rock und Punk wählten.
Ihr erstes offizielles Album "Bastard Brotherhood" schlingert mit 150 Sachen volle Kanne aus den Lautsprechern, kaum dass mal Luft bleibt, die nächste Runde zu ordern. Es gibt all die beliebten Zutaten - Banjo, Flöte, Dudelsack und Quetsche zu den anderen Instrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug. Markenzeichen ist jedoch die schön versoffen klingende Röhre von Mr. Lennon alias Mr. Irish Bastard, der in bester Tradition der berühmten Landsleute seine Texte mit landläufig bekannten Genre-Themen grölt. Das macht das Ganze natürlich noch etwas authentischer, als manche fremdzüngigen Whiskeydrosseln.
Das Intro ist ein Celtic Instrumental mit richtig Rumms. Ohne Tempoverlust und einen Tropfen verschüttetes Schwarzbier geht es so in den nächsten Songs weiter. Die Rhythmusabteilung heizt bis zum Anschlag, ein halbes gälisches Wunder, dass sich der Frontman nicht schon nach 10 Minuten heißer geröhrt hat. Aber die Jungs (samt dem Mädel) vertragen ja auch was! Im Gegenteil, spätestens ab "Galway Bay" ist die Nadel im tiefroten Bereich. Dass bei dem Highspeed-Geschrammel das Finetuning keine Rolle mehr spielt, fällt höchstens stocknüchternen Zeitgenossen auf. Aber wer ist das schon am Wochenende?
Die Scheibe eignet sich bestens für die wilde Grillparty (sicher auch, um die großen schwarzen Vögel zu verjagen), weniger für den gemütlichen Abend vor der anschlusslosen Designer-Brennpasten-Feuerstelle. Wer der Mucke allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit widmet, wird nicht allzu viel Unterschiede in den 15 Songs finden. Meist gleiches Strickmuster, gleiche Machart, die Rüpel-Attitüde, hinlänglich von den Vorbildern bekannt. "Everything Must Die" bietet willkommene Abwechslung im Rock-A-Billy-Sound, auch das gelungen rausgerotzte Cover von "La Vida Loca" kommt gut. Erwähnenswert ist noch der trotzige Schlusssong "Killeybegs"; das Rumgerülpse am Schluss als 'hidden track' ist jedoch wirklich nur mit drei Promille lustig.
Mr. Irish Bastard sind derzeit auf Tour in Deutschland. Wer nicht ewig auf ein neuerliches Gastspiel der Pogues warten will und Flogging Molly nicht auf die Reihe kriegt, der bekommt mit dieser Band sicher den gleichen irischen Bölk-Stoff, aber wahrscheinlich doch um einiges günstiger. Die Nachwirkungen sind aber wohl die gleichen...
Line-up:
Mr. Irish Bastard (vocals, guitar)
Gran E. Smith (banjo)
Boeuf Strongenuff (bass)
Lady Lily (tin whistle)
Herb "Herb Random" Random (accordion)
Mitch Mackes (guitar)
Ron Calli (drums)
Tracklist
01:Triocha Piosa d Airgead Geal - Intro
02:Let Go
03:Fortune & Glory
04:This World
05:Galway Bay
06:Walk With Me
07:One Second
08:Why Can't I Be You
09:Last Pint
10:Christmas In Hell
11:Everything Must Die
12:La Vida Loca
13:In Gods Hands
14:Blood On The Flag
15:Killeybegs
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