Mumble Rumble / Tredici
Tredici Medium: CD
Spielzeit: 54:02
Label: Latlantide, 2009
Stil: Alternative

Review vom 24.02.2009


Ulli Heiser
"Tredici", also Dreizehn - dafür reicht mein ansonsten auf Kulinarien und Vino beschränktes Italienisch. Dreizehn Songs finden sich auf dem dritten Output der Italienerinnen. Ja, Mumble Rumble ist eine reine Frauen-Band. Laut Aussage der Donnas ist ihre Musik auf dem geduldigen und großen Fundament Rock gebaut. Von dieser Basis ausgehend, geht es querbeet durch die Indie-, Alternative- und Grunge- und was weiß-ich-welche-Ecken. Pre, Post, aktuell - alle Strömungen sind vorhanden und das in erstaunlicher Qualität. Die vier Ladies beherrschen ihr Metier und werden ihrem Grundatz, keine Grenzen haben zu wollen, gerecht.
Stellenweise metallisches Riffing ("(On My) Skin") mischt sich mit Indianergetrommel und intelligenten Eskapaden, die zu keiner Zeit nerven, sondern (mich) fast nach einer neuen Schublade suchen lassen und das wäre keine von Ikea!
Neben der Intstrumentbeherrschung und der gekonnten Präsentation dieser Fähigkeiten sticht Simona durch eine große Palette an Ausduck hervor. Eine Rockröhre hat die Dame und versteht es einmal wie Patti Smith zu klingen, um im nächsten Moment eine Spur Deter oder Humpe in die Stimmbänderfrequenz zu legen. Und als ob das noch nicht genug beweist, zeigt sie, dass sich auch zu Ausbrüchen fähig ist, wie das weiland eine Lene Lovich oder Sandra Nasic (Ex-Guano Apes) taten. Und da wir gerade in dieser Ecke sind, auch die Nina spitzelt schon mal durch.
"Don't Cry" zeigt, wie enorm die Bandbreite ist ganz besonders. Fast psychedelisch zu nennende Gitarrenlicks, dynamische Songstruktur und starkes Songwriting, verleihen diesem Track das Hammer-Attribut. Überhaupt, ich lobte sie bereits, wie Simona durch die Nummern haucht, stöhnt und schreit... dazu das heiße Saitenspiel von Tiziana, die harten Stahlzerrer Giulias. Dass an der Schießbude kein muskelbepackter Uomo sitzt, fällt zu keiner Sekunde auf, so werden die Felle von Christina verdroschen.
Wie Sommergewitter ziehen die tredici Tracks durch die knappe Stunde. Mal donnernd, hart und wild, dann schwach blitzend, um Zeit für das Wolkenspiel bzw. das Genießen des tollen Songwritings zu haben. "Ora" etwa - das erotisch-psychedelische Stück mit dem zeitlupenhaften Verlauf und der ins Idyll kotzenden Gitarre. Das ist Kino. Besonders wenn plötzlich die Drumsticks zu wirbeln beginnen und für ein oder zwei Lidschläge Black Sabbath-Riffing hörbar wird. Schade, dass gerade diese Nummer auf italienisch gesungen wird. Wie auch stilistisch, geht es mit der Sprache der Stücke abwechslungsreich zu.
Nicht nur mir scheint das zuzusagen: Mumble Rumble sind live sehr präsent, u.a. als Supoorter für Moving Targets, F.F.F., Lunachicks, NoFx, Fugazi sowie Motörhead. Kann ein Lemmy Lügen?
Sie waren die Gewinner des ArezzoWave Festival 1992 (als Frauenband wohlgemerkt), standen auf dem Billing von nationalen Festivals, sind in TV und Radio präsent...
Riskiert ein Ohr und lasst es euch am besten gleich ordentlich durchpusten, damit ihr auch die Feinheiten der Songs hört. Die sind nämlich durchaus in den explosiven Krachen versteckt und wollen entdeckt werden.
Was gibt es Schöneres, als versteckte, weibliche Feinheiten zu entdecken?
Line-up:
Simona De Sanctis (vocals)
Tiziana Govoni (guitar)
Giulia Bottazzi (bass)
Cristina Atzori (drums)
Tracklist
01:Saved
02:Clematis
03:The Right Choice
04:Precious Faces
05:(On My) Skin
06:Rock Waltz
07:Playtime
08:Dedicata
09:Don't Cry
10:Global War
11:Respiro
12:Ora
13:Specie
Externe Links: