Richard Marx / 09.11.2010, Köln, Theater am Tanzbrunnen
Tanzbrunnen, Köln
Richard Marx
Theater am Tanzbrunnen, Köln
09. November 2010
Stil: Melodic Rock
Konzertbericht


Artikel vom 18.11.2010


Udo Gröbbels
Kitschgefahr?
Richard MarxRichard Marx kam nach 18 Jahren endlich mal wieder als Headliner nach Deutschland. Die große Frage war jetzt natürlich: Erinnert sich überhaupt noch jemand an den Kerl oder hat Germany ihn schon vergessen? Vergessen haben wir ihn nicht, aber da er sich hier sehr rar gemacht hat und seine bekannten Songs alle schon einige Jahre auf dem Buckel haben, fand seine diesjährige Tour auch in kleinerem Rahmen statt, was sich im Nachhinein als richtig rausstellen sollt. Außerdem wurde den Zuschauern unter dem Motto 'Stories To Tell' eine Akustik-Show versprochen. Wer die Musik von Richard Marx kennt und dann den Zusatz Akustik hört, der konnte schnell glauben, dass es sich hier um einen kitschigen Balladenabend handeln würde. Aber dem war zum Glück nicht so. Es sollte ein grandioser Abend werden und zwischendurch wurde es nur einmal ganz kitschig, aber dazu später mehr.
Highway to Köln
Richard Marx'Dank' eines Megastaus auf der A57 kam ich leider zu spät und habe das Vorprogramm verpasst. Die Wahlhamburgerin EVA plus Begleitmusiker sollen aber laut Zuschaueraussagen nicht schlecht gewesen sein, aber so richtig verpasst hätte ich nichts. Na schön, dann noch schnell den Platz gesucht, denn der Tanzbrunnen in Köln-Deutz ist ein Theater, das komplett bestuhlt ist. Um 21.00 Uhr war dann endlich der Moment gekommen, worauf die Fans seit 1992 gewartet haben und schon als Richard Marx die Bühne betrat, tobte der Tanzbrunnen. Mit "Endless Summer Nights" vom Debüt aus dem Jahre 1987 startet dann das Konzert schon mal sehr schön und sofort fielen zwei Dinge auf: Die tolle Akustik und die unglaublich saubere Stimme. Beeindruckend!
Die folgenden knapp 100 Minuten entwickelten sich dann wie in der VH1-Konzertreihe "Storyteller" und somit war das Tourmotto gut gewählt. Zwischen den Songs plauderte der sympathische Chicagoer Musiker sprichwörtlich aus dem Nähkästchen und zu allen Songs gab es Anekdoten z.B. über die Entstehung des Textes oder die Umstände, unter denen der jeweilige Song komponiert wurde. Das Ganze wurde nicht in der klischeehaften, lässigen Art eines 'ach so coolen' US-Musikers erzählt, sondern mit viel Charme, Witz und einer gehöriger Portion Selbstironie. Zwischendurch kam sein guter Freund Steve Hornbreak, um ihn dezent am Keyboard zu begleiten.
Neue Arrangements
Richard MarxBedingt durch die Tatsache, dass größtenteils alles nur auf einer Gitarre dargeboten wurde, musste Marx die Songs alle komplett umarrangieren. So wurde beim erwähnten " Endless Summer Nights", das im Original mit einer prägnanten Saxophonmelodie ausgestattet ist, alles reduziert und der Song kam so in einem ganz neuen Gewand rüber. Auch "Satisfied", das letzte Lied im offiziellen Teil, erkannte man erst beim Einsetzen des Gesangs, da hier das Gitarrenriff fehlte. Bei den Balladen dagegen wurde alles relativ originalgetreu performt; aber über allem schwebte Richards tolle Stimme. Auch klasse war seine 'Total Unplugged'-Aktion, als er das Gitarrenkabel ausstöpselte, um sich mitten ins Publikum zu stellen und einen Song zu singen. Coole Aktion, wenn man wie wir das Glück hatten und den Künstler aus einem Meter Entfernung beim Musizieren zuzusehen.
Der Antrag
Richard MarxZwischen den Lieder erzählte, wie bereits erwähnt, Richard immer wieder Anekdoten wie z.B. vor dem Song "When You're Gone" aus dem Jahre 2004. Schon lange habe er keines seiner aktuellen Lieder mehr im Radio gehört, aber diese Single wurde von den Radio-DJs gut aufgenommen und als er dieses Lied auf einem Rocksender hörte, war er total von den Socken. »Ich saß im Auto, hörte mein Lied und das zwischen Coldplay und Nickelback. Wow, was für ein Gefühl wenn man nicht auf einem Oldie-Sender gespielt wird und nach seinem Lied laufen dann die Carpenters«. Als er dann mal wieder mit herrlich selbstironischer Art direkt zwei seiner »whimpy ballads« ankündigte, stoppte er nach der ersten abrupt und bat einens gewissen Andreas auf die Bühne. Der wusste Bescheid und bat dann seine Freundin ebenfalls hoch, um ihr vor dem Publikum einen Heiratsantrag zu machen. Sie sagte »Ja« und passend dazu gab es "Now And Forever" für das neue Eheglück. Richards Kommentar dazu: »Good choice Andreas. She is definitly hot!« Recht hatte er.
Richard MarxNach knapp 90 Minuten verlies Richard Marx die Bühne, aber die Leute schrien ihn förmlich zurück. Man merkte ihm jetzt einfach an, dass dieser erste Abend in Deutschland als Headliner ihm unglaublich gut gefallen hat und seine Unsicherheit im Vorfeld, über die er auch zwischendurch erzählte, zum Glück völlig unbegründet war. Als er nämlich vor fünf Jahren im Vorprogramm von Joe Cocker auf dessen Deutschlandtour unterwegs war, kam er überhaupt nicht an und die Leute konnten mit seinen Hits gar nichts anfangen. An diesem Abend war es aber zum Glück ganz anders und nach der allerletzten Zugabe "Right Here Waiting" gab es stehende Ovationen für Richard Marx.
Musikalisch absolut überzeugend und extrem unterhaltsam war der Abend mit einem sehr sympathischen Künstler, der für seine Fans nach schier endloser Wartezeit alle großen Hits spielte. So soll es sein. Gerne bald wieder Richard. Am Ende versprach er, dass es nicht wieder 18 Jahre dauert, bis er nach Deutschland zurückkehrt. Hoffentlich.
Wir danke ganz herzlich Viktoria Kuszpa von Handwerker Promotion für die Akkreditierung.
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