Manuel Normal / De Wöd Steht Nimma Laung
De Wöd Steht Nimma Laung Spielzeit: 54:13
Medium: CD
Label: manuelnormalrecords, 2010
Stil: Austropop


Review vom 07.03.2010


Sabine Feickert
Österreich ist ja nun nicht unbedingt die Hochburg international erfolgreicher, moderner Musik. Gut, es gab Falco, der die Charts auch jenseits des großen Teichs stürmte. Soll nun, mehr als 10 Jahre nach dem Tod des Großmeisters, ein würdiger Nachfolger die Showbühne betreten?
Manuel Normal versucht dieses schwere Erbe anzutreten. "De Wöd Steht Nimma Laung" liefert fast eine Stunde Musik in breitestem Österreichischem Dialekt.
Das Album beginnt mit einem monotonen A-Capella Gesang, der sogar noch recht interessant daher kommt, auch wenn es sich um ziemlich sinnlose Wortaufreihungen handelt. In der Abfolge »sovü käs seifnblasn baseballschläga gumminosn michael jackson riesenradl hundeleinen frisches bratl autopickal schnops bier austrofred und fanta vier « beziehen sie sich direkt auf die Fantastischen Vier, die das als Stilmittel bekannt gemacht haben und damit durchaus kommerziellen Erfolg erreichten.
Ob der Manuel Normal auch vergönnt wird? Nun ist ja im Mainstream nichts unmöglich und was da oben schwimmt, bewegt sich normalerweise eher unter der Gürtellinie. Von daher wage ich es nicht, an dieser Stelle eine Prognose über die Verkaufszahlen abzugeben.
Doch weiter im Album - das zweite Lied, ich muss es gestehen, habe ich versäumt, weil der Paketbote geklingelt hat und bis ich das Paket entgegengenommen hatte, war die Nummer schon vorbei und es erklangen die ersten Missklänge der dritten Nummer. Punkig angehauchter Hintergrundkrach mit krampfhaft gereimtem Geschrei, das war mein Eindruck davon, der mich nicht dazu nötigte, das verpasste zweite Lied jetzt sofort nachhören zu müssen. Bei "Dreck" schlägt der Gesang um in ein weinerlich-mitleidheischendes Genöle und die Textstelle »se nehman wos brauchn und pflückn wos rauchen« könnte eigentlich schon den ganzen Rest der Misere erklären: Zu viel vom falschen Kraut geraucht?
Ein paar gute Ansätze stecken in dem Album durchaus, schade nur, dass sie nicht ausgearbeitet wurden, sondern durch nerviges, schrilles Geplärre und dumpf-dusselige Beats überdeckt werden. "Dumm" oder auch "Soiche Leit" tragen in ihren Texten schon ganz interessante Gedankengänge, die aber durch die dargebotene Präsentation nicht zur Geltung kommen.
Musikalisch reißt mich das Werk auch nicht vom Hocker, man nehme Pop, Reggae, Jazz, Funk, Rap und Elektronik, mixe ein paar kreischende Gitarren dazu, sammle des Weiteren alle irgendwo verfügbaren Instrumente und produziere damit einen kräftig pürierten Mix.
Ist es Undergroundkunst? Dafür ist für meinen Geschmack das Schielen auf den kommerziellen Erfolg zu offensichtlich.
Obwohl ich tapfer war und wirklich das ganze Album durchgehört habe, möchte ich Euch jetzt nicht mit weiteren Liedbeschreibungen langweilen - nur so viel: es wurde nicht besser.
Vielleicht spendiert jemand dem Manuel mal ein bekömmlicheres Kraut und lässt ihn einen neuen Versuch starten.
Tracklist
01:Doima
02:Marionettn
03:Tua i ned
04:Dreck
05:Dumm
06:Soiche Leit
07:Zug
08:Rosnkraunz
09:Linz
10:Wöd
11:Nochfrogn
12:Niki lauta
13:Robota
14:Yes US
15:99 Voitrottl
16:Lochn
17:Doima (Zanshin Imado-Wiedamisch)
18:Pornogeneration
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