Nektar / Remember The Future
inkl. 7" Single
Remember The Future Spielzeit: 16:34 (A), 18:55 (B), 6:06 (Single)
Medium: LP
Label: Sireena Records, 2011 (1973)
Stil: Prog / Kraut


Review vom 10.07.2011


Ulli Heiser
Rod Taylor fällt mir gerade ein. Als Wissenschaftler George entwickelte er im Film "Die Zeitmaschine" (Regie George Pal, 1960) eine solche und 'fuhr' damit in die Zukunft. Diesen Film hatte ich damals als Jugendlicher im Kopf, als ich vorliegendes Werk von Nektar das erste Mal hörte: "Remember The Future".
Zu jener Zeit war es auch den mit allergrößter Fantasie (Phantasie, schrieb man damals) gesegneten Köpfen wohl unmöglich, sich vorzustellen, dass man in der Zukunft Musik aus der Steckdose, über Telefonleitungen (ich glaube, Telefon gab es 1973 auch noch nicht so lange in jedem Privathaushalt) oder per Satellit auf daumendicke Plastikteile speichern kann. Nein, das wieder verstärkt Liebhaber findende Vinyl war state of the art und seien wir mal ehrlich: Manches LP-Cover unter Glas und in einen Rahmen gepackt, ergäbe kunstvollen Wandschmuck. Das trifft auch unbedingt auf dieses Nektar-Cover zu. Ja, mir liegt mal wieder eine Perle aus dem Hause Sireena vor. 180 Gramm schwer und beim Lesen des Titels "Remember the Future" 'remembere' ich erst mal the past.
Ob in 40 Jahren die Spätgeborenen auch darüber sinieren, ihre USB-Sticks oder Festplatten an die Wand zu hängen? Ich werd's nicht wissen, da ich keine Zeitmaschine habe und ehrlich gesagt, ist es mir auch wurscht, denn man sollte nicht allzuviele Gedanken an die Zukunft verschwenden (die kommt von ganz alleine) und schon gar nicht sollte man der Vergangenheit über Gebühr nachtrauern. Die Gegenwart gilt es zu leben und die macht musikalisch Spaß. Besonders macht sie das, wenn man sieht, dass immer wieder Schätze aus der Vergangenheit das Heute erreichen und das Album in meinen Händen gehört unzweifelhaft zu diesen Schätzen.
Über Band und Musik will ich aber nicht viele Worte verlieren. Ein Gros der RockTimes-Leser wird diese Scheibe kennen. Außerdem hat Kollege Markus vor kurzem eine andere Ausgabe so besprochen, dass dem Review aus meiner Sicht wenig hinzuzufügen ist. Apropos Kollegen, ich sehe mindestens eine Handvoll RockTimer sabbernd vor meinem geistigen Auge und freue mich zu den Auserwälten zu zählen, die ein Exemplar dieser mechanischen Abspielgeräte ihr Eigen nennen können. Mein Fossil ist ein 1984er Thorens TD 320, dem ich alle 10 Jahre einen neuen Riemen spendiere. Und dieser Riemen muss nun arbeiten
Auch nach vielen Jahren ist diese Mischung aus Prog, Psychedelic und Kraut immer wieder ein Genuss beim Hören. Markus' Lieblingspassage ist "Wheel Of Time". Ja, ein herrliches Stück Musik, gerade in Verbindung mit dem folgenden Titeltrack. Ein Duo der Glückseligkeit. Allerdings sind das meine beiden 1er Crus. Die restlichen Numemrn sind allesamt Deuxièmes, also nicht minder stark.

»Das Fazit kann nur sein, dass jeder, der diese Scheibe noch nicht im Schrank stehen hat, zuschlagen sollte.« So das Zitat von Markus bei 'seiner' Version. Gleiches gilt für die Sireena-Ausgabe. 180er Vinyl ist bereits Grund genug, aber der Langspielplatte liegt als Bonus eine reproduzierte Vinyl-Single bei, die damals für die Promotion benutzt wurde und nie im Handel erschienen ist. Leute, Sammler, Jäger, da gilt es zuzuschlagen und glaubt mir, selten hat es soviel Laune gemacht, den Geschwindigkeitsschalter von 33 auf 45 UpM zu bewegen. Und was man anno 1973 als 'Radio-Edit' bezeichnete, lässt nun am Ende des Reviews doch etwas wehmütig zurückblicken. Entweder war damals Radio anders, oder aber die Zuhörer waren es.
Line-up:
Roye Albrighton (guitars, lead vocals)
Allan 'Taff' Freeman (keyboards, vocals)
Derek 'Mo' Moore (bass, vocals)
Ron Howden (drums, percussion, vocals)
Mick Brockett (lights)
Tracklist
Seite A:
Remember The Future Part I
 a) Images Of The Past
 b) Wheel Of Time
 c) Remember The Future
 d) Confusion
Seite B:
 e) Remember The Future Part II
 f) Returning Light
 g) Questions And Answers
 h) Tomorrow Never Comes
 i) Path Of Light
 j) Recognition
 k) Confusion
Bonus-Single:
Seite 1 - Let It Grow (Radio Edit)
Seite 2 - Lonely Roads (Radio Edit)
 
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