Nine Pound Hammer / Sex, Drugs & Bill Monroe
Sex, Drugs & Bill Monroe Spielzeit: 33:38
Medium: CD
Label: Buzzville Records, 2008
Stil: Heavy Rock

Review vom 05.07.2008


Markus Kerren
Der durchschnittliche Mittelstands-Nachbar im Bundesstaat New York antwortet einem auf die Frage, wo die Grenze zu den Südstaaten, und damit dem berühmt-berüchtigten Redneck-Country, denn eigentlich beginnt, gerne mal mit einem schelmischen Grinsen und dem Hinweis auf das direkt angrenzende Pennsylvania. Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner würde diesen Punkt wohl (um mal an der Ostküste zu bleiben) auf die Grenze zu Virginia festlegen. Mein Schwager, der mittlerweile im noch etwas südlicheren Ohio ansässig ist, schwört dagegen, dass die Südstaaten direkt an der Ohio-Grenze zu Kentucky anfangen.
Wie dem auch sei, niemand scheint es ganz genau zu wissen, keiner will dazugehören und jeder hat da so seine eigene Meinung. Fakt ist jedoch, dass die vier Rabauken von Nine Pound Hammer aus Kentucky stammen und sich nicht nur verdammt Redneck-mäßig aufführen, sondern sogar sehr stolz darauf zu sein scheinen. Politische Korrektheit? Kaum! Ästhetik? Was zur Hölle ist das denn??? Rock'n'Roll? Doch, hat uns unsere Mama in die Milchflasche gemixt! Prollige Texte? HELL YEAH!!!!!
Aber lass' sich bloß niemand durch diese, das Eigenverständnis vielleicht nicht ganz spiegelnde, Einleitung in die Irre führen. Nine Pound Hammer rocken nämlich wie die Hölle!! Lange Zeit zum Fackeln lassen sie sich dabei nicht unbedingt (der ausdauerndste Song kommt gerade mal auf magere 3:06 Minuten), aber diese Jungs machen auch in ihren relativ kurzen Tracks definitiv klar, um was es geht.
Und das mit einem unverschämt geilen Mix aus Punk-Attitüde, Chuck Berry-Riffs und dazu einer kräftigen Prise Country. Zu guter letzt setzt das sehr coole und eingängige Songwriting dem Ganzen die Krone auf. Bereits der Opener "I'm Yer Huckleberry" macht null-komma-keine Gefangenen und zaubert dem Freund des dreckigen Rock'n'Rolls erstmal ein kräftiges, siegesgewisses Grinsen ins Gesicht, und "Hookers & Hot Sauce" lässt sich diesbezüglich genauso wenig lumpen.
So einfache wie eingängige Riffs, der explosive Unterbau, was den Bass und die Drums betrifft und dann auch noch Scott Luallens Gesang, dem man abnimmt, dass er die Geschichten erlebt hat, von denen er singt. Theoretisch könnte ich hier jeden einzelnen Song sezieren, was aber keinen großen Sinn macht, da die 14 Tracks auf "Sex, Drugs & Bill Monroe" relativ gleich gestrickt sind, dennoch allesamt ihren ganz eigenen Charme versprühen. Außerdem sind diese Jungs mit einer dermaßen bemerkenswerten Gabe für's Songwriting gesegnet, dass diese (zugegebenermaßen sowieso unverschämt kurzen) 34 Minuten wie im Fluge vergehen und immer wieder gehört werden wollen.
Ganz fett in den Country, mit shuffelnden Drums und Akustik-Gitarre sowie einer sehr schönen Pedal Steel greift man mit "Mama's Doin' Meth Again", wobei nicht so ganz klar wird, ob hier wirklich auf die neue Seuche (Meth, Methadone) Nordamerikas hingewiesen werden soll, oder das Ganze doch eher als Witz gemeint ist (ein Rülpser und Gelächter am Schluss).
Ansonsten geht es munter mit diesem geilen Rock'n'Roll-Overkill weiter. Im Prinzip von der Attitüde her vergleichbar mit frühen Motörhead oder Rose Tattoo, nur dass hier die Texte wesentlich primitiver gehalten sind, als bei den gerade genannten Kapellen. Trotzdem sehr geiler, dreckiger wie auch enthusiastischer Rock, der sowohl Country- wie auch Punk-Einflüsse vorzuweisen hat. Redneckige 7,5 von 10 RockTimes-Uhren, deren Zeiger dieses mal noch wohlwollend, aber dennoch bestimmt in die Richtung deuten, in der die Weisheit liegt, dass vollwertige Alben gerne auch die 40-Minuten-Grenze erreichen dürfen.
Line-up:
Scott Luallen (vocals)
Blaine Cartwright (guitars, vocals)
Mark Hendricks (bass, guitars)
Brian Pulito (drums, vocals, acoustic guitar #13)
Earl Crim (additional lead guitars)

With special guests:
Rick Ballard (harmony vocals #9, 10)
Little Miss Tammy Smith (harmony vocals #6)
Mike Marcelle (pedal steel #6)
Mark Borders (percussions #13)
Tracklist
01:I'm Yer Huckleberry
02:Hookers & Hot Sauce
03:Black Sheep
04:Everybody's Drunk
05:Fightin' Words
06:Mama's Doin' Meth Again
07:I Got The Right
08:Rode Hard
09:Too Sorry
10:Hell In My Hand
11:Wheels Flew Off Last Night
12:Ain't Worth Killin'
13:Cookin' The Corn
14:The Way It Is
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