NOFX / So Long And Thanks For All The Shoes
So Long And Thanks For All The Shoes Spielzeit: 33:07
Medium: CD
Label: Epitaph, 1997
Stil: Punk


Review vom 03.12.2012

  
Moritz Alves
Dass NOFX zu den weltbesten und wichtigsten Punk-Bands zählen, muss man wohl niemandem mehr erklären. 1983 gegründet, hat die Band somit im selben Jahr wie der Verfasser dieser Zeilen das Licht der Welt erblickt und seither zwölf reguläre Studioalben veröffentlicht, von denen anstelle von "So Long And Thanks For All The Shoes" einige andere hier ebenso gewürdigt werden könnten. Warum die Wahl nun auf das 1997er Machwerk von Fat Mike und Konsorten gefallen ist, liegt natürlich insbesondere an der intensiven, persönlichen Verbindung zwischen Album und Autor.
NOFX hatten auf mich als Teenager eine ganz besondere Wirkung. Mitte der Neunziger hörte ich erstmals von ihnen, als mein Cousin mir ihr Durchbruch-Album "Punk In Drublic" (1994) in ohrenbetäubender Lautstärke und mit einem dicken Grinsen im Gesicht vorspielte. Die ausgeklügelten, packenden Kompositionen, gespickt mit unvergleichlichen Melodielinien und gerne in halsbrecherischer Geschwindigkeit dargeboten, zogen mich sofort in den Bann. Das hier war rotzige Musik mit Underground-Charakter, wie ich sie bis dato so nicht kannte. In einer Zeit lange vor dem Internet nämlich hatten NOFX einen ganz besonderen, kultigen Status inne und waren im Vergleich zu Mainstream-Kapellen wie Green Day oder The Offspring ("Dookie" oder "Smash" kannte ja eh jederů) die einfach viel geilere Truppe.
"So Long And Thanks For All The Shoes" ist nach dem recht ruhigen Vorgänger "Heavy Petting Zoo" (1996) das zweite NOFX-Album, das ich mir vom eigenen Geld gekauft habe. Diese Investition habe ich bis heute nicht bereut - der Silberling ist ein immer gern gesehener Gast in CD-Player und Autoradio, hat mich durch sämtliche Lebenslagen treu begleitet. Die genialen Melodien der stilistisch so abwechslungsreichen wie extrem kurzen 16 Songs in dieser dreckigen, druckvollen, rohen Produktion, das Ganze dann (den Hidden Track schon mit eingerechnet) in circa 30 Minuten in die Ohrmuscheln gerotzt - das alles hat bis heute nichts von seinem ganz eigenen Charme verloren.
Leichtfüßigkeit und Spontaneität (immerhin sind hier größtenteils erste Takes zu hören!) sowie das nötige Quäntchen Aggression zeichnen die Musik aus, und Songtitel wie "It's My Job To Keep Punk Rock Elite", "Murder The Government" oder "Kill Rock Stars" zeugen von großem Selbstbewusstsein und einer Menge Attitüde. Unter den Liedern ist kein einziger Ausfall zu verzeichnen, die Scheibe knallt von vorn bis hinten enorm und ist in jeder Lebenslage (immer in hoher Lautstärke) zu empfehlen.
Eröffnet wird das Album (»arguably their third best record«) vom vollmundigen wie genialen Statement "It's My Job To Keep Punk Rock Elite", das einen sogleich aus dem Sessel reißt, in den Arsch tritt und zudem mit »this music ain't your fuckin' industry« ein dicken Stinkefinger in Richtung des damaligen kommerziellen Melodycore-Booms entsendet. Dieser Song ist zweifelsohne einer der besten im umfangreichen NOFX-Backkatalog und führt die Reihe druckvoller Album-Opener ("Linoleum", "Soul Doubt" etc.) locker fort.
Im Folgenden brettert die Gruppe immer schön hektisch und chaotisch durch die Songs, nimmt nur dann und wann mal etwas das Tempo raus. Hammerknüppel folgt hier auf Hammerknüppel, man kommt aus diesem wunderbaren Schwindelgefühl, das die ersten paar Songs verursachen, gar nicht mehr raus. Punk, Ska und melodischer Hardcore gehen hier Hand in Hand, sodass "Kids Of The K-Hole", "I'm Telling Tim", "Kill Rock Stars" oder "The Desperation's Gone" mit "180 Degrees", "All Outta Angst" sowie der Reggae-Perle "Eat The Meek" zusammenspielen. Zwischendrin 'verpunken' NOFX dann plötzlich den ollen Joe Dassin-Gassenhauer "Champs Elysées" und verpassen diesem französischen Kulturgut eine ganz eigene Duftnote.
Die Kalifornier schafften es mit diesem Album jedenfalls mit Leichtigkeit, mir eine musikalische Identität zu geben und meine Jugend zu prägen. Nach einer kleinen Durststrecke ist es gerade heute wieder genau diese Musik, bei der ich mich zu Hause fühle. "So Long And Thanks For All The Shoes", dessen Titel sowohl auf Douglas Adams als auch auf die Punk-Sitte, Bands auf Konzerten mit Schuhen zu bewerfen zurückgeht, ist ein Muss für jede Plattensammlung und besticht von der ersten bis zur letzten Sekunde durch absolute Genialität.
Der schmissige wie pointierte Einsatz der Bläser muss hier nämlich genauso hervorgehoben werden wie die melodiös-aggressive Gitarrenarbeit - alles zusammen ergibt dann diesen bestechend genialen, schnellen Skate-Punkrock (damals ja gerne auch mal als Melodycore tituliert), wie er gerade Mitte der neunziger Jahre im Zuge des Punk Revivals auf den Labels Fat Wreck, Epitaph und Burning Heart große Erfolge feiern sollte.
Bis heute ist dieses Album mein absolute Lieblingswerk von NOFX, eben weil es alle typischen Elemente des Bandsounds mit Leichtigkeit und Selbstverständnis auf geniale Art und Weise verbindet. Wer sich von dieser unbändigen Energie und den unsterblichen Melodien nicht mitreißen lässt, muss wohl tot oder taub seinů Also: Alle Regler nach rechts und tanzen, bis die Wände Risse kriegen!
Anmerkungen: Typisch für NOFX ist auch hier wieder die (Selbst-) Ironie, die sich durch das ganze Album zieht. So nimmt die Band die gängige Praktik auf die Schippe, jeden Musiker mit Foto im Booklet zu zeigen: Anstelle der wahren NOFX-Mitglieder ist zu jedem Namen nämlich ein ganz anderer, befreundeter Musiker abgebildet. Außerdem ist sich die Band nicht zu schade, im Hidden Track einen Auszug aus der Howard Stern-Radioshow bereitzuhalten, wo der Moderator ihren Song "Drugs Are Good" nach kürzester Zeit stoppt, daraufhin über NOFX herzieht und sie u. a. als talentlos bezeichnet.
Line-up:
Fat Mike (vocals, bass)
Eric Melvin (guitar, backup vocals)
El Hefe (guitar, trumpet, backup vocals)
Eric Sandin (drums, percussion)

Serge Slovnik (tuba, trombone)
Nate Albert ('chanky' guitar)
Ryan Greene (tambourine)
Spike Slawson (backup vocals)
Adam Crystal Boy (backup vocals)
Tracklist
01:It's My Job To Keep Punk Rock Elite (1:20)
02:Kids Of The K-Hole (2:17)
03:Murder The Government (0:46)
04:Monosyllabic Girl (0:54)
05:180 Degrees (2:10)
06:All His Suits Are Torn (2:18)
07:All Outta Angst (1:52)
08:I'm Telling Tim (1:17)
09:Champs Elysées (2:02)
10:Dad's Bad News (2:02)
11:Kill Rock Stars (1:32)
12:Eat The Meek (3:30)
13:The Desperation's Gone (2:24)
14:Flossing A Dead Horse (1:45)
15:Quart In Session (1:36)
16:Falling In Love (5:14)
Externe Links: