Normahl / Punk ist keine Religion (Best Of)
Punk ist keine Religion Spielzeit: 79:59
Medium: CD
Label: Zounds, 2011
Stil: Punk

Review vom 31.01.2012


Nadja Feickert
Es war einmal vor langer, langer Zeit, genau genommen 1978, da beschloss genau eine Hand voll widerständiger 14-jähriger Jungs, eine Band zu gründen. Bald kam der erste Gig im Karls-Gymnasium in Stuttgart. Dieser scheint zwar seeehr unprofessionell gewesen zu sein, aber das ist beim ersten Auftritt ja ganz Normahl und genau von denen ist hier die Rede, denn 2011 wurde von Zounds ein Best of-Album der Band veröffentlicht.
Auf dem CD-Cover sind sie zu sehen, noch richtig jung und knackig, wie man so schön sagt. Schlägt man das lustige Heftchen auf, steht da "Vom Polit- zum Fun-Punk und wieder zurück", was das Liedersortiment von Normahl mehr als treffend beschreibt. Eine Star-Biografie ist ebenfalls mit inbegriffen, ebenso Bilder. Darauf sieht man sie in ihrer Jugend, sofort erkennbar was sie wollen: Provokation, Spaß, Kritik, einfach mal die Gesellschaft aufmischen. Und genau das verkörperten sie in ihren Songs, wodurch sie sich eine inzwischen noch immer sehr große Fangemeinschaft aneigneten. Die Zeit verging, man schrieb mehr und mehr Lieder, mal löste sich die Band auf, fand dann wieder zusammen, Lars Besa, Sänger der Band, startete zwischenzeitlich ein paar Solokarrieren, doch inzwischen, im Jahr 2012 sind sie wieder vereint.
Zu Beginn klären wir eine wichtige Frage: Was ist Punk? Laut Normahl zumindest keine Religion, sondern »seinen eignen Weg zu gehen« (aus "Punk ist keine Religion"). Damit wäre diese Punkt schonmal beantwortet. Doch was macht man denn als Punk? Man tanzt den berühmt berüchtigten "Trümmertango", trinkt »tonnenweise Dosenbier« ("Fraggles"), manchmal auch "Whiskey Pur", man geht auf "Diplomatenjagd", kämpft für "Freiheit und Recht" und versucht im Großen und Ganzen, sich bei all dem nicht festnehmen zu lassen. So weit, so gut, klingt nach Spaß, der wäre auf der CD dann schonmal vorhanden.
Aber halt:
Leider gibt es ja nicht nur lustige Sachen auf der Welt, man muss ja auch mal Kritik ausüben und das ist meiner Meinung nach mit "Deutsche Waffen" am besten gelungen. Musikalisch ein sehr starker Ska-Einschlag, im Hintergrund sind Trompeten und die für Ska üblichen Gitarrenriffs zu hören. Etwas über drei Minuten begleiten diese einen sehr ironischen Text, wodurch starke Kritik an der Wirtschaft, deren Wachstum und den Methoden des Wachstums ausgesprochen wird. Das Lied endet mit dem Satz »Deutsche Waffen, Deutsches Geld morden mit in aller Welt«. Leider kann man den Song immer noch als aktuell ansehen. Für die Wirtschaft wird ein Haufen Geld aus dem Fenster rausgeschmissen und die Bewohner eines Landes haben nichts davon außer höhere Ausgaben. Scheinbar wurde dies nie von den Leuten gehört, die am meisten darüber nachdenken sollten
Die zwei, wie ich behaupten würde, bekanntesten Lieder auf der CD sind "Punk ist keine Religion", ein gesellschaftskritischer Song, der einen dazu bewegt, sein eigenes Ding durchzuziehen, und "Fraggles", das absolute Feierlied, ein paar Zeilen Stimmung, Spaß und gute Laune, die sich immer und immer wiederholen und trotzdem Freude bereiten. Weitere Klassiker wie "Der Biervampir" , "Freiheit und Recht" und "Exhibitionist" dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ebenfalls erwähnenswert und meiner Meinung nach eher untypisch für ein Best Of-Album ist "Ca Plane Pour Moi", ein Cover von Plastic Bertrand, ebenfalls "Get Insane",in welchem Besas Schwester Silke mitsingt (irgendwie passt das Lied nicht zum Rest ) und "Schneestürme", ein Lied aus den Solozeiten des Sängers.
An der Zusammenstellung der Lieder gibt es nicht viel auszusetzen. Ich persönlich hätte mir nicht ganz so viel aus dem Fun- sondern eher aus dem Polit-Punk-Sortiment gewünscht und welches Lied mir definitiv fehlt ist "Fahneneid", das im CD-Heftchen sogar als einer der ersten Normahl-Songs angegeben ist und gerade deshalb nicht fehlen sollte!
Dennoch ist das Album gelungen zusammengestellt und mit einer Spielzeit von 80 Minuten hat man beim Anhören sogar genug Zeit um gaaanz viel Bier zu trinken, denn »sieben Bier sind auch ein Schnitzel« ("Durst") und ersetzen somit eine Mahlzeit :-)
Tracklist
01:Nach all den Jahren
02:Mann aus Eis
03:Punk ist keine Religion
04:Drecksau
05:Hans im Glück
06:Geh wie ein Tiger
07:Fraggles
08:Der Biervampir
09:Trümmertango
10:Deutsche Waffen
11:L.A.R.S.: Schneestürme
12:Blumen im Müll
13:Ca plane pour moi
14:Whiskey Pur
15:Diplomatenjagd
16:Durst
17:Exhibitionist
18:Wein Weiber und Gesang
19:Komm erzähl mir über Punk
20:Gradestehn
21:Freiheit und Recht
22:Sacco und Vanzetti
23:Get Insane
24:Niemals Vergessen
Externe Links: