Nosound / Lightdark
Lightdark Spielzeit: 53:74
Medium: CD
Label: Burning Shed, 2008
Stil: Progressive

Review vom 12.06.2008


Tom Machoy
Und gleich zu Beginn schließe ich mich Steven Wilsons Statement an! »This is very good material, and I think you are going in the right direction for sure«. Es ist einfach klasse Stoff, den es zum Hören gibt. Zunächst dachte ich an ein Seitenprojekt des Porcupine Tree-Mannes. Neben Blackfield und No-Man nun Nosound, hätte ja gepasst. Knapp daneben!
Als Ein-Mann-Studio-Projekt von Giancarlo Erra, startete Nosound, was mir wieder mal beweist, dass die Italiener durchaus starke Musik zum Leben erwecken können. Seither entwickelte sich daraus eine ganze Band, die auch durch ihre Live-Auftritte zu überzeugen wusste. "Lightdark" entstand in den Jahren 2006/2007 in verschiedenen Studios in Italien, England und den USA.
Mit ihrem Debüt "Sol29" aus 2005 (remastert und erweitert 2008) zeigten Nosound bereits deutlich, aus welcher Charge sie kommen: 70er-Jahre Psychedelic- und Progressive Rock, der mit "Lightdark" noch konzentrierter und kraftvoller umgesetzt wird. Man könnte es als eine Weiterentwicklung sehen, eine weitere Identitätsfindung der einzelnen Musiker als Gruppe. Und das ist beim Hören deutlich zu erkennen, diese feinen, stimmungsvollen Details auf der einen und die Walls-of-Sounds, mit ihren Klangintensitäten auf der anderen Seite.
Außerdem gibt es von Nosound eine Live-DVD ("The World Is Outside" - 2006), mit bis dato unveröffentlichtem Material, ein weiteres Live-Album (2007) mit dem Titel "Slow It Goes" und im Vorfeld von "Lightdark" erschien die EP "Clouds" mit drei Titeln, sozusagen als Vorgeschmack.
Vorgeschmeckt hatte ich schon die remasterte "Sol29" und das ist eine echt starke CD. Also aufgehorcht, was "Lightdark" in sieben Titeln so zu bieten hat.
Beginnend mit dem kürzesten Track, gibt die Gruppe gleich das Leitmotiv der CD vor: Ruhe, Entspannung, Hörgenuss! Und wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen: Der erste Titel ("About Butterflies And Children"), ganz klar Brian Eno. Elektronischer Sound mit Tasten kombiniert, eben gerade so, dass sich daraus ein Fantasiegeflecht entwickelt, schwebend leicht, minimalistisch…, Musik, um in den Himmel zu schauen. Der Rest spielt sich woanders ab. Manch Einer mag vielleicht auch meinen, in Shine On You Crazy Diamond einzusteigen, Recht hat er!
Also, man merkt schon, wohin die Reise geht.
Akzentuiert geschlagene Trommeln neben Keyboardklangteppichen, gesangliche Präsenz mit Wiederhall, nicht zu Unrecht fiel bereits der Name Porcupine Tree, wobei ich hier die 'frühen' Porcupine Tree meine, weit vor "Lazarus". Die Titel haben solche Tragkraft und nehmen mich so gefangen, dass die Zeit verfließt, ohne dass es mir so richtig bewusst wird, dass ich mich in "The Misplay" befinde. Die Nummer erinnert musikalisch wieder an Eno, gesanglich aufgebaut wie "P.Tree" und mit einer brillanten Cello-Untermalung (wohl besser noch Cello-Bemalung) Räume schafft, die weite Landschaften auch hinter geschlossenen Augen erkennen lässt. Landschaften, in denen man schweben oder auch fliegen kann, da reicht einfach nur diese Musik. An dieser Stelle an Marianne De Chastelaine die allergrößten Komplimente für ihr hervorragendes Cellospiel (wovon es noch mehr zu Hören geben wird).
Das Monumentalstück der CD (15:29 Minuten) beginnt mit sphärischen Klängen, die sich intensiver werdend aufbauen ("From Silence…"), die von Gitarre und leicht bespielten Becken übernommen werden, in die sich der Gesang einpasst. Aus Klängen wird ein Lied, aus dem Zusammenspiel ein Werk. Die Abrundung erfährt das Stück für mich durch ein filigranes Gitarrensolo, das sich einem abgeschlossenen Gesangsteil anschließt, welches sich ebenfalls ganz langsam aufbaut, auftürmt, um dann nach 8 1/2 Minuten loszubrechen. Genau, wenn ich glaube, ein nächster Teil begänne. Die Italiener, dass sei hier nochmals betont, leisten ganze Arbeit. David Gilmour hätte sicher seine Freude am Spiel und am Sound. Am Refrain wird nicht gespart, sozusagen als Überleitung zum Abschlussteil, in dem die Sphärenklänge erneut mit Gitarre und Becken diese schwebende Einheit bilden, aus der ich mich nicht so schnell entziehen will. Die Musik lässt Termine vergessen und bringt Ruhe ins Wirrwarr. Mit Kinderstimmen ("…To Noise") in freier Natur und leiser werdenden Klängen endet dieses, 'die-Zeit-vergessen-machende' Stück.
Noch balladenhafter geht es weiter. Fast nur von Klavier und Mellotron getragen, singt Gast Tim Bowness von No-Man. Mittendrin ein eingepflanztes Solo der Gitarre (Vergleiche bringe ich hier nicht mehr an - einfach herrlich!), das sich fast bis zum Schluss des Titels zieht, der wieder lange und ganz langsam ausklingt, damit niemand beim Träumen gestört wird.
In den letzten beiden Stücken spielt nochmals diese phantastische Cellistin (man merke sich: Marianne De Chastelaine) und gibt der Musik diesen leicht mystischen, märchenhaften Klang. Sie füllt den Platz des Gitarrensolos mit dem Cello - sehr einprägsame Kunst, weswegen die letzten Töne in "Kites" auch dem Cello gehören (so ähnlich, wie Marianne Faithful in Metallicas "The Unforgiven II").
Mit dem Titelsong schließt die CD. Eine gelungene Abrundung. Eine gelungene CD!!
Anspieltipps? Nach dem Aufstehen einlegen, danach seid Ihr eh zu spät. Macht Euch einen schönen Tag!
Line-up:
Giancarlo Erra (Gesang, Gitarren, Tasteninstrumente)
Paolo Martellacci (Tasteninstrumente, Gesang)
Gabriele Savini (akustische Gitarren)
Alessandro Luci (Bass)
Gigi Zito (Schlagzeug, Gesang)
Tracklist
01:About Butterflies And Children
02:Places Remained
03:The Misplay
04:From Silence To Noise
05:Someone Starts To Fade Away
06:Kites
07:Lightdark
Externe Links: