Stevie Nicks / 24 Karat Gold - Songs From The Vault
24 Karat Gold - Songs From The Vault Spielzeit: 63:51
Medium: CD
Label: Reprise Records (Warner), 2014
Stil: Rock

Review vom 17.10.2014


Markus Kerren
Warum eigentlich immer damit warten bis man selbst unter der Erde liegt, um dann andere einen genaueren Blick darauf werfen zu lassen, was über die Jahre so alles an Songs aus dem einen oder anderen Grund liegengeblieben bzw. nicht veröffentlicht worden ist? Genau das hatte sich wohl auch Stevie Nicks, neben ihrer Solokarriere bereits seit knapp vierzig Jahren bei Fleetwood Mac beschäftigt, gedacht. Klar, attackiert das Bewusstsein des Fans da ganz spontan der Gedanke »Fällt ihr denn nichts mehr ein?«. Eine Frage, die aber sehr bald von einer unglaublichen Vielfalt an möglicherweise hier zu findenden Schätzchen abgelöst wird. Und wer es riskiert, ein paar Kröten zu investieren, der wird im Falle von "24 Karat Gold..." fürstlich belohnt werden.
Die gute Stevie hat also ein bisschen in der Vergangenheit gekramt, sich 14 fast vergessene, bisher auf keinem Tonträger erschienene eigene Songperlen zur Brust genommen, eine Top-Studioband zusammengestellt und sich obendrauf mit Dave Stewart (Ex-Eurythmics) sowie Waddy Wachtel (u. a. Ex-Warren Zevon, Ex-Keith Richards & The X-Pensive Winos) zwei Spitzenmusiker und -produzenten ins Studio beordert. Außer zwei Tracks von Mitte der Neunziger stammen sämtliche andere Kompositionen aus den Jahren 1969 bis 1987. Dass die Stücke neu eingespielt und -gesungen wurden, macht die Liste der beteiligten Musiker klar, die zwar lang ist, aber über lediglich einen Bassisten sowie Schlagzeuger verfügt.
Womit wir bei den Songs angekommen wären, die tatsächlich vom sprichwörtlichen Hocker hauen. Das Songwriting ist oberste Güteklasse, die Melodien sind richtig stark und haben Hitcharakter. Und vor allem kommt Stevie Nicks hier vollkommen ohne überproduzierten Pop-Ballast aus, der ihr in den letzten Jahrzehnten eher im Wege stand, statt neue Türen für sie zu öffnen. Dominant sind die Gitarren und das Piano, dahinter die sowohl tighte wie auch federleichte und groovende Rhythmusabteilung. Dieser erfrischend ungeschminkte, deutlich rauere Sound erinnert vor allem an die Zeiten der Protagonistin in den Siebzigern und frühen Achtzigern.
Dazu kommt, dass die Texte größtenteils sehr persönlich wirken. In den Liner Notes vermerkte die Sängerin, dass es dabei vor allem um die Seiten ihres Gefühlslebens geht, die die Öffentlichkeit in der Vergangenheit nicht zu sehen oder hören bekam. Und wie bereits geschrieben, so hört es sich auch tatsächlich an. Stimmlich ist Miss Nicks übrigens nach wie vor voll auf der Höhe. Klar dürfte sein, dass sich eine 66-Jährige nicht mehr wie mit 36 oder 46 anhört, aber der Gesang ist nach wie vor sehr eindrucksvoll und prägnant. Wenn eine Stevie Nicks singt, dann erkennt man sie. Genauso, wie man beispielsweise einen Ozzy Osbourne immer an seiner Stimme erkennen wird. Einzigartig.
Selbstverständlich hört sich hier auch vieles nach Fleetwood Mac an, aber alles andere wäre auch unnatürlich gewesen. Nummern wie der flotte Rocker "Starshine", das gefühlvoll reminiszierende "She Loves Him Still" oder der Piano-(bzw. Keyboard-) Track "Blue Water" hätten auch hervorragend auf die Mac-Alben der Mitt- bzw. Spätsiebziger gepasst. Sehr geil auch der "Cathouse Blues", der mit ungewöhnlich kratziger Stimme vorgetragen wird. Sehr nah ans Herz gelegt seien euch auch noch Nummern wie "Hard Advice", das schön nach vorne gehende "I Don't Care" sowie ein weiteres gefühlvolles Piano-Stück namens "Lady".
Wohl dem, der immer solche starken Songs in der Hinterhand hat(te), sie aber aus unterschiedlichen Gründen nie veröffentlichen musste bzw. wollte. "24 Karat Gold - Songs From The Vault" ist bei Weitem keine Ausschussware, kein Wegwerf-Material. Jeder einzelne Song ist ein Gewinner und das Gesamtpaket ist vielmehr die beste Soloscheibe der Amerikanerin seit "Bella Donna". Mindestens! Richtig starker Pop, richtig starker Rock, gute Balladen sowie gute Uptempo-Stücke... hier ist alles enthalten. Was will man mehr? Klasse Album!
Line-up:
Stevie Nicks (lead & background vocals)
Waddy Wachtel (guitars, background vocals)
Tom Bukovac (guitars)
Dan Dugmore (guitars, steel guitar, banjo, mandolin)
Dave Stewart (guitars)
Mike Campbell (guitars)
Davey Johnstone (guitars)
Michael Rhodes (bass)
Chad Cromwell (drums)
Benmont Tench (piano, organ, keyboards)
Michael Rojas (piano, organ, keyboards)
Zach Rae (keyboards)
Lenny Castro (percussion)
Kieran Kiely (whistles, accordion)
Jim Hoke (clarinet)
Vinnie Ciesielski (trumpet)
John Hinchey (trombone)
Irina Chirkova (cello)
Ann Marie Calhoun (violin)
Tracklist
01:Starshine
02:The Dealer
03:Mabel Normand
04:Blue Water
05:Cathouse Blues
06:24 Karat Gold
07:Hard Advice
08:Lady
09:I Don't Care
10:All The Beautiful Worlds
11:Belle Fleur
12:If You Were My Love
13:Carousel
14:She Loves Him Still
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