Art Pepper / One September Afternoon
One September Afternoon Spielzeit: 58:00
Medium: CD
Label: Galaxy / Original Jazz Classics, 2010 (1980)
Stil: Jazz


Review vom 04.06.2010


Wolfgang Giese
Als Arthur Edward 'Art' Pepper wurde er am 1. September 1925 in Kalifornien geboren, bevor er diese Welt am 1. Juni 1982 wieder verließ.
Sein Hauptinstrument war das Altsaxophon - naheliegend, dass er als 'Nachfolger' Charlie Parkers gehandelt wurde. Doch hatte er eigene Vorstellungen von dem, was er spielen wollte und so höre ich eher Einflüsse von Lester Young in seinem Spiel. Da war nicht die hitzige Ausdrucksweise von Parker, Pepper ging mit mehr Ruhe ans Werk, der Westcoast-Ausdruck war klar, modale Anklänge kamen später hinzu, also eine Atmosphäre, wie sie von Miles Davis oder John Coltrane geprägt wurde. Auf jeden Fall war Art einer jener Musiker, die sich durch sehr starken emotionalen Ausdruck auszeichneten.
Art Pepper hatte die Aufnahmen zu seinem Album "Winter Moon" in zwei Studiotagen abgeschlossen und die Band traf sich anschließend am dritten Tag noch einmal im Studio und jammte. Das war ganz genau am 5. September 1980. Daher wohl auch der Titel der Platte: "One September Afternoon".
So entstand Musik ohne den Druck der Erfüllung einer Aufgabe, Jazz, wie er in der Regel am besten sein kann, wenn Lockerheit und Ungezwungenheit die Atmosphäre bestimmen. Niemand musste niemandem etwas beweisen und er konnte das, was er beherrschte, 'aus dem Ärmel schütteln'. Sozusagen 'Partystimmung' , bei der sich die hochkarätigen Musiker austoben konnten.
Gleich das erste Stück, "Mr.Big Falls His J.G.Hand" (was immer das bedeuten soll), ist von diesem Geist erfüllt. Howard Roberts an der Gitarre swingt zusammen mit dem Bassisten Cecil McBee antreibend, Art Pepper wird auch so richtig locker und geht über seine sonst eher 'gezügelte' Spielweise hinaus. Verträumt kommt dann die wunderschöne Ballade, die von Stanley Cowell am Piano mit herrlich melodischen und romantischen Tönen ausgefüllt wird, und Pepper kann darüber hinaus die ganze Bandbreite von zarten Gefühlen entfachen. Der leicht schnarrende Bass bringt mit elastischem Klang und den zarten Schlagzeugtupfern die Einheit zur Vollendung, ein Paradebeispiel einer Ballade mit diesem entspannten 'Late Night-Feeling'!
Hart swingend, in bester Hard Bop-Manier, dann der Klassiker "There Will Never Be Another You", bei der Stanley Cowell mir wieder einmal zeigt, warum ich ihn für einen der besten Pianisten im Jazz halte. Nicht nüchtern, nicht sachlich, sondern ganz einfach mit viel Leidenschaft und Gefühl entfacht er ein grooviges Feuer auf den 88 Tasten, das mitreißend ist, sein Solo könnte meinetwegen noch ganz lange weitergehen
"Goodbye Again", das ist ein Song des Pianisten, bei dem er dieses Fingerspitzengefühl für Komposition und Interpretation gezielt darlegen kann. Das ist ein Stück, das sehr viel Gefühl und Wärme ausstrahlt, das käme sofort auf einen von mir zusammengestellten Balladensampler. Die Melancholie eines Abschieds ist hier sehr gut getroffen, aber nicht, ohne die Option auf die Freude eines Wiedersehens zu verschließen. Ein wunderschöner Titel, auf dem sich auch Pepper so richtig gut austoben kann. Aber die Gestaltung durch das Piano ist das für mich eigentlich Wesentliche dabei, und so ist auch Cowells Solo sehr intensiv im Ausdruck, doch leider auch so kurz.
Das sehr elastische Bassspiel von McBee ist es, das auch "Melolev" entscheidend mitträgt. Seine Spielweise erinnert stark an jene von Ron Carter. Die beiden waren mit Sicherheit zwei der zuverlässigsten und beliebtesten Sessionpartner für alle Jazzer, denke ich.
Immer wieder begeistern die Musiker durch ihre Soli, die getrieben sind von Kreativität und Einfallsreichtum. Dieses kann dann im besonderen unter Beweis gestellt werden durch den absoluten Klassiker "Brazil", den wohl jeder, auch Nichtjazzkenner, schon gehört haben wird. Roberts ist hier mit zwei Gitarren im Einsatz und bringt dadurch mehr Druck in das ohnehin schon furios abgehende Stück. Der Drummer Burnett gibt sich nun auch etwas 'mehr Leine'.
Drei der bereits vorgestellten Titel sind noch als Alternativversionen beigefügt und unterscheiden sich nicht wesentlich.
Alles in allem - feinster entspannter West Coast Jazz, schön, dass diese Musik wieder zugänglich ist!
Line-up:
Art Pepper (alto saxophone)
Stanley Cowell (piano- all tracks except - #6)
Howard Roberts (guitar - #1, 6, on - #6 are two guitar parts)
Cecil McBee (bass)
Carl Burnett (drums)
Tracklist
01:Mr.Big Falls His J.G.Hand (Pepper) 6:08
02:Close To You Alone (McBee) 6:43
03:There Will Never Be Another You (Gordon-Warren) 6:09
04:Melolev (Pepper) 5:26
05:Goodbye, Again! (Cowell) 6:23
06:Brazil (Barroso) 8:25
07:There Will Never Be Another You (Gordon-Warren)(alternate) 6:13
08:Melolev (Pepper) (alternate) 5:52
09:Goodbye, Again! (Cowell) (alternate) 6:23
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