Overhead / And We're Not Here After All
And We're Not Here After All Spielzeit: 49:29
Medium: CD
Label: Musea Records, 2008
Stil: New Art Rock


Review vom 05.10.2008


Michelle Karayilan
Seit September ist der dritte Longplayer "And We're Not Here After All" von Overhead erhältlich und dieses Werk ist ein wenig anders als die vorherigen Alben.
Inwiefern anders? Nun, lasst mich mit ihrem ersten Album "Zumanthum" (2001, Mellow Records) anfangen. Mit diesem Output konnte man die Truppe klar dem Retro Prog zuordnen. Die Instrumentalisten lieferten eine vorzügliche Leistung ab, wobei Tarmo Simonen an den Tasten und Jaakko Kettunen an den dünnen Seiten besonders herausstachen, lediglich der Gesang ist als Schwachstelle zu bezeichnen. Unter den Einfluss gebenden Bands heben sich besonders
Pink Floyd stark hervor.
Mit "Metaepitome", das über das Label Musea das Licht der Welt erblickte, erreichten sie vollends die Prog-Herzen der Fans. Auch hier ist die Musik sehr Retro, hat man z.B. im Titeltrack eine Passage von Deep Purples "Child In Time" eingebaut, eines meiner Lieblingssongs von dieser Band. War auf dem Debüt der Gesang eher schwach, so hat er sich auf diesem Output deutlich gesteigert, und für mich zählt "Metaepitome" zu den Highlights des Jahres 2005.
Live waren Overhead bereits in 6 verschiedenen europäischen Ländern zu bewundern und spielten sich in die obere Liga der Prog-Welt, wie z.B. auf dem 9. Eclipsed Festival in Aschaffenburg, bei dem ich persönlich dabei war und heute noch von den famosen Erinnerungen des Abends zehre.
So, nun komme ich endlich zu "And We're Not Here After All" und zu der Erklärung, weshalb dieses Werk anders ist. Es sind hier weniger Elemente aus dem Retro zu hören und der New Art Rock herrscht vor. Auffällig wird dies schon bei dem zweigeteilten Track "A Method …" und "… To The Madness". Fängt es im ersten Part in gewohnter Manier und ohne besondere Vorkommnisse an, so erinnert mich der zweite Teil stark an Sylvan mit ihrem Song "Chains" vom Posthumous Silence-Album, was wohl am ähnlichen Sprechgesang liegt. Klasse ist hier auch die Arbeit der Rhythmusfraktion, und am Schluss hört man gesprochene Worte, die an eine Ansage im Zirkus erinnern.
Spätestens bei "Time Can Stay" wird einem bewusst, dass hier nach einem bestimmten Thema vorgegangen wird und zwar reflektieren die Songs die Basis eines jeden Menschen - den Willen zu Leben - mit all seinen Höhen und Tiefen, wie auch auf der MySpace-Seite der Band nachzulesen ist. Auf meine Frage nach einem Konzept gab man mir folgende Antwort:
»I see it as a think piece about contemplating your place in life, finding your path, feeling lost and alone, yet finding that things tend to work out and kind of arriving where you belong. Of course this is just my way of seeing it and everyone can interpret it in their own way.«
Das Album soll also nachdenklich stimmen und Auskunft über das Leben geben, während man sich verloren und einsam fühlt und dann doch feststellt, dass es für alle Probleme eine Lösung gibt. Diese Aussage trifft es genau und erklärt auch die melancholische Stimmung der Songs.
Die Keyboard-Läufe sind sehr zart und ab und an gibt es leicht aggressive Gitarren zu zartem Rhythmus. Auch der Sänger Alex Keskitalo klingt sehr facettenreich, wenngleich er nicht gerade ein begnadeter Shouter ist. Dafür können seine Texte aber durchaus überzeugen.
Tasten und akustische Gitarren leiten bei "The Sun" sanft zum nächsten Track "Lost Inside" über. Wieder fühle ich mich stark an Sylvan erinnert, denn auch dieser Song beginnt mit hypnotisierenden Klängen von Keyboard und Flöte und mündet in einen bombastischen Sound, der so typisch für den New Art Rock ist. Trotz aller Vergleiche zu dieser Band, handelt es sich bei "And We're Not Alone After All" allerdings auf gar keinen Fall um einen reinen Klon, denn Overhead legen durchaus eine musikalische Eigenständigkeit an den Tag und ziehen ihr eigenes Ding durch.
Mit "Entropy" geben die Finnen richtig Gas, rocken ordentlich drauf los und wirbeln dem Hörer fette Tasten- und Gitarrensounds um die Ohren. Jedoch wird diese Stimmung nicht lange gehalten, denn mit dem nächsten Longtrack "A Captain On The Shore" begibt man sich wieder in ruhigere Gefilde. Hier klingt die Melodie irgendwie hoffnungsvoll. Übrigens steuert die Gastsängerin Petra Oksa den Background-Gesang bei und sorgt so für einen gelungenen Abschluss des Albums.
Overhead haben mit "Metaepitome" die Meßlatte sehr hoch gesteckt und können mit "And We're Not Here After All" dieses überragende Werk nicht toppen. Jedoch ist es als fast gleichwertig zu betrachten. Daher kann ich guten Gewissens eine Tipp-Grafik vergeben und eine Kaufempfehlung aussprechen!
Line-up:
Alex Keskitalo (vocals, flute)
Jaakko Kettunen (guitars)
Janne Pylkkönen (bass)
Tarmo Simonen (piano, polysix, etc.)
Ville Sjöblom (drums)

Guestmusician:
Petra Oksa (vocals on 'A Captain on the Shore')
Tracklist
01:A Method… (04:13)
02:… To The Madness (07:44)
03:Time Can Stay (08:08)
04:The Sun (01:09)
05:Lost Inside (11:47)
06:Entropy (06:41)
07:A Captain On The Shore (09:47)
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