Peaches And Crime / Do Bad Things
Do Bad Things Spielzeit: 49:25
Medium: CD
Label: Peaches And Crime Records, 2014
Stil: Neo Vaudeville

Review vom 24.11.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Auf der Verpackungsrückseite steht als eine Konzertankündigung in großen Buchstaben: »Vaudeville Variety Show [...]«. Vaudeville in vielen Facetten ist hier viel eher gemeint, als die unter dem Begriff Vaudeville auch existierende Theater-Variante.
Peaches And Crime heißt die Kapelle, deren drittes Album den Titel "Do Bad Things" trägt. Vorläufer waren "The Great Display" und "Vaude-Villans!". Daneben gibt es noch diverse Singles und eine EP namens "Dinner Date With Death".
Wie es sich für eine authentische Vaudeville-Band gehört, hat sie einen »Master of Ceremonies«, wie es auf der Facebook-Seite heißt. Danny Black verkörpert diese Rolle sehr überzeugend und seine Worte sind die Überleitung von einem zum anderen Track. Wobei es dann nicht nur Musik der ganz besonderen Art gibt.
So regiert in "The Match Maker" das gesprochene Wort in einer Konversation zwischen Angie Diamond und dem Schlagzeuger Ross. Da muss man schon über gute Englischkenntnisse verfügen, um dem Gesagten zu folgen. "Ventriloquism Skit" erklärt sich wohl von ganz alleine ... eine Bauchredner-Parodie, ebenfalls regiert durch das auch gesprochene Wort aus dem Bauch.
Zwei von vierzehn Nummern sind folglich nicht mit Musik gefüllt. Gefühlt ist diese Bilanz wohl nicht weiter ausschlaggebend für die Qualität der gesamten Platte. Dennoch: Das, was Peaches And Crime an musikalischen Exkursen aufbietet, hat mit Blues genauso wenig zu tun, wie Baumwolle mit Schafen.
Jazz, Folk, Polka, Klezmer, Country, Tango, Marsch oder Walzer sind viel eher die eingeschlagenen klanglichen Richtungen. Ganz davon Abgesehen hat "Do Bad Things" Live-Charakter. In den WHRW Studios in Binghamton aufgenommen ist zwischen allen Liedern der Applaus deutlich hörbar.
Die Lead-Sängerin Angie Diamond hat sprichwörtlich Diamanten auf den Stimmbändern, die sich auch als Expander der Gefühle und Stimmungen charakterisieren lassen. Diese Frau kann singen! Mit einem Chor hier oder da kommt schon Stimmung auf.
Wie geschrieben, bei Peaches And Crime und "Do Bad Things" muss man vorurteilsfrei und besonders aufgeschlossen sein, sonst ist die vorliegende Platte eine einzige Enttäuschung.
Statt zum Beispiel einer Gitarre machen hier Posaune, Akkordeon oder Klarinette die Runde. Das Piano ist fast überall mit von der Partie und der "Death Row Swing" ist mit seinen vielen Stimmen und wenigen instrumentalen Mitteln eine Aussage, die man besser als Geständnis einsortieren kann, damit es Hafterleichterungen gibt. Man hört Ketten rasseln, Angie Diamond singt den letzten Soul-Psalm der Salbung, die anderen klingen nach Gospelchor zum Gebet und Mickey The Fist spielt den Jazz auf den schwarzen und weißen Tasten seines Pianos.
Die Piano-Läufe von "Self Made Man" führen uns am Ehesten zum Blues. Oh Mann, die Angie Diamond kann beeindruckend singen. Danny Black erzählt Witze. Der mit dem Mann und dem Polizisten. Wo der Polizist fragt, was in den im Auto befindlichen Krügen ist. 'Wasser' kommt als Antwort und nach dem Probieren stellt der Polizist fest, dass es Wein ist. Der Mann darauf: 'Siehste, er hat es wieder gemacht.' Zwischendrin spielen sie die "Very Happy Polka" mit klasse Chorgesang.
Mit einfachsten Mitteln wird karibische Stimmung kreiert. Dazu marschiert die Kapelle in "Cuando Yo Escapo" durch die Straßen von New Orleans und die Ladies singen wie die Damen vom Kirchenchor.
Der Teufel hat seine Finger im Spiel, wenn es um "Bringing Hell To Brooklyn" geht. Dieses Stück wurde klasse inszeniert, hat eine tolle Atmosphäre.
Man kann sich fast sicher sein, dass einem so etwas wie "Do Bad Things" noch nicht vor die Flinte gekommen ist. Peaches And Crime ist ungewöhnlich, außergewöhnlich, gewöhnungsbedürftig, witzig, irrsinnig und diese CD hat beim Hörer definitiv zwei Seiten. Entweder, man mag die Musik, kann sich mit den Liedern anfreunden oder hier geht nichts.
Wie dem auch sei, es ist zumindest höchst interessant festzustellen, was es auf dem blauen Planeten so alles an Musik gibt.
Line-up:
Angie Diamond (lead vocals)
Abigail Pins (trombone, vocals)
Young Catherine (clarinet, vocals)
Honest Stephen Longfield (bass)
Mikey The Fist (piano)
Ross (drums)
Danny Black (master of ceremonies)
Tracklist
01:Welcome (1:29)
02:Alibi Dancer (2:36)
03:Death Row Swing (3:52)
04:Herschel Ganev (4:31)
05:The Match Maker (2:52)
06:Self Made Man (3:43)
07:Very Happy Polka (3:09)
08:Greatest Love Story Never Told (3:54)
09:Cuando Yo Escapo (4:08)
10:You Can't Keep A Good Woman Down (2:35)
11:Ventriloquism Skit (4:13)
12:Bringing Hell To Brooklyn (4:07)
13:Kick Around Kick Back (5:49)
14:It's A Good Thing (2:27)
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