Place Vendome / Place Vendome
Place Vendome
Sätze wie 'Metal ist tot, und wer ihn hört, dumm', haben wir schon in den 90ern von Herren wie Rob Halford oder Bruce Dickinson nach ihren Ausstiegen bei Judas Priest / Iron Maiden und den anschließenden Soloversuchen gehört - nur, um nach deren Scheitern eine Rückkehr mit wehenden Fahnen zu den alten Wirkungsstätten zu erleben. Keine Rede mehr von der Kritik von damals, dafür wird ordentlich Geld eingestrichen und man selbst gefeiert.
Mein persönliches Gefühl sagt mir, dass wir solche Einschnitte in der Glaubwürdigkeit der Metalszene von Michael Kiske nicht erleben werden; auch wenn wir uns bei Helloween in einer geringfügig kleineren Preisklasse bewegen. Auch nicht ganz, aber schon eher erinnert sein Absprung an den weniger bekannten Jeff Fenholt, der anno '85 einige Demos mit Tony Iommi aufnahm, dann ausstieg und heute als eine Art Show-Priester unterwegs ist und überall lauthals verkündet: "Ich habe einst für eine Band namens Black Sabbath gesungen, aber dann habe ich das Licht gesehen." Auch Kiske betont, dass nicht der Metal, sondern Jesus sein Glauben ist.
O-Ton:"Hardrock ist nicht mehr meine Musik. Ich komme mit seiner Mentalität, seinen Idealen und seiner musikalischen Sprache nicht klar. Ich habe viel bessere künstlerische Argumente und eine viel höhere Moral gefunden, als die Metal-Szene zu bieten hat. Ihr werdet für den Rest meines Lebens nie wieder etwas Metallisches von mir hören." Relativ starker Tobak, der aber nichts Verwerfliches hat, solange Michael Wort hält und es sich nicht nur als Bockreaktion ob der unterirdischen Verkaufszahlen seines letzten Hard-Rock-Versuchs herausstellt.
Ein Projekt, zusammengerufen von Melodic-Label Frontiers' Boss Serafino Perugino, hat sich nun seine Stimme geliehen, und enthält auch Mitglieder von Pink Cream 69 oder Vanden Plas - muss sich also einer grundlegenden Kritik stellen, da es genau so gewollt und ins Leben gerufen war und es Kiske nicht etwa zu einer bereits bestehenden Melodic-Band verschlagen hat.
Melodic-Rock-Fans sollten allerorten aufhorchen, denn viel besser kann man dieses Genre nicht meistern. Das ganze Album präsentiert sich als homogenes Ganzes mit astreiner Instrumentalisierung, immer noch erstklassigem, wenn auch nicht mehr ganz so hoch angesiedelten, Gesang von Seiten Kiskes, und einem großartigen Sound.
Jedoch wird diese Scheibe Helloween-Fans sicherlich enttäuschen, die Kreativität, Vielfältigkeit und ein mehr als leichtes Augenzwinkern gewohnt waren. Auch wenn Kiske selbst das anders sieht - musikalisch hat er einen Schritt nach hinten gemacht; und diese Ebene ist alles, was ihm noch übrig bleibt. Mehr als die rockigen Stücke Place Vendomes hat er sich selbst verboten; und seine Stimme klingt nun wie im Käfig, ab und zu an der Kette ziehend und darauf wartend, eine Oktave höher zu wüten.
Gerechterweise muss man aber erwähnen, dass nur der Headbanger sich fragt, ob das nun Kiskes Erfüllung sein soll und er ewig so weitermachen will. Fans der leichteren Musik werden hier das purste und solideste Melodic-Album seit Langem vorfinden.
ůMeinen Segen hat er.


Spielzeit: 45:44, Medium: CD, Frontiers Records, 2005
1:Cross The Line (4:56) 2:I Will Be Waiting (4:56) 3:Too Late (4:17) 4:I Will Be Gone (5:12) 5:The Setting Sun (4:48) 6:Place Vendome (3:59) 7:Heavens Door (4:06) 8:Right Here (4:13) 9:Magic Carpet (4:01) 10:Sign Of The Times (5:16)
Christoph Segebard, 08.10.2005