Private Angel / Nailed!
Nailed! Spielzeit: 47:24
Medium: CD
Label: Cargo Records, 2011
Stil: Hard Rock

Review vom 06.08.2011


Jürgen B. Volkmar
Hard Rock aus deutschen Landen? Private Angel? Selbst eingefleischte Fans kommen hier wahrscheinlich an die Grenzen ihrer Erinnerungsfähigkeit. Das ist allerdings angesichts der großen Zeitabstände zwischen ihren Veröffentlichungen nicht weiter verwunderlich, denn die letzte CD
Selling Off Time In Wonderland ist aus dem Jahre 2006 und das Debütalbum stammt von 1999. Also höchste Zeit für einen Nachfolger, der mit "Nailed!" jetzt in den Regalen steht. Andererseits kann man dann wirklich unterstellen, dass drei Alben in elf Jahren nicht gerade auf den schnellen Charterfolg abzielen. Ob sich das allerdings positiv in den Umsatzzahlen niederschlägt, darf bezweifelt werden. Aber das zeigt auch klar und deutlich, dass Private Angel nicht von schnelllebigen Trends abhängig sind oder sein wollen.
Vom Härtegrad her, haben sich die Franken nicht verändert. Sänger und Stimmbandzerrer Robbo Stoeltzel hat sein Organ eindeutig dem Rock-Sektor der 70er oder frühen 80er Jahre zugeordnet. Knalliger Hard Rock, urwüchsig und ehrlich, das ist das Credo, das einem entgegenschallt. Großartige Melodien, die einen schon mit dem Opener "Human Wreck" komplett niederbügeln. Eigentlich stimmt alles, von den Hooklines bis zu den Riffs, die in Midtempo-Gangart jede Menge Spaß vermitteln. Hammond-Intros mit scharfkantigen Gitarrenattacken lassen den Titelsong "Nailed" in leichter Uriah Heep-Manier in schleppende Geschwindigkeitsregionen galoppieren. Man merkt sofort: Hier wird wirklich das Beste aus den Siebzigern und Achtzigern verarbeitet.
"Tomorrow Is Today's Yesterday" und "Last Chance" funktionieren tadellos und nichts wirkt bewusst auf Retro produziert. Vieles ist glasklar auf Rock der vergangenen Tage ausgerichtet und lässt auch dann und wann viele Blues-Verwurzelungen erkennen, die aber in puncto Emotionalität voll überzeugen können. Alles passt und die Gitarren klingen satt und stilvoll. Einziger Aussetzer und vielleicht bewusst gewählter Fremdkörper ist "Kush", das mit integrierten experimentellen Klängen einige Anpassungsprobleme bei den Hörgewohnheiten des durchschnittlichen Hard Rock-Fans verursachen könnte. Bei "Shine On" glaubt man sogar für einige Sekunden Phil Mogg von UFO zu erkennen, aber der Eindruck verflüchtigt sich schnell wieder und man erkennt, dass dieses Studiowerk in der Lage ist, Assoziationen zu wecken und seine ganz eigene Atmosphäre entfalten kann.
Einzig und alleine der Saitendehnerballade "My Haunt" ist nicht viel abzugewinnen, da sie inmitten all der kraftvollen Tracks etwas schwach und verloren wirkt und nicht gerade melodisch vor sich hin dudelt. Aber abgesehen von diesem Aussetzer haben Private Angel nur Klänge gezaubert, die wirklich rocken. Der Sound klingt erwachsen und die Arrangements haben diese spezielle Art von Extras, die das Ganze leidenschaftlich und kraftvoll klingen lässt. Ein Album, das man sowohl mit großer Lautstärke genießen kann, als auch mit zurückgedrehten Reglern, denn hier sind exakt die Hard Rock-Faktoren enthalten, die Gitarrenbretter und spielerische Finesse in eherne Klangwälle mit unwiderstehlichen Melodien verwandeln. 8 von 10 RockTimes-Uhren
Line-up:
Robbo Stoeltzel (vocals)
Dazz Shepherd (guitar)
Peter Tobolla (bass)
Jochen Schmidt (drums)
Tracklist
01:Human Wreck
02:Nailed!
03:Tomorrow Is Today's Yesterday
04:Last Chance
05:Kush
06:Shine On
07:Tramp Stamp Boogie
08:My Haunt
09:Valiant Song
10:Private Shelter
11:Upside Right
12:With A Little Help From My Friends
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