Querfälltein / Rap'n'Roll
Rap'n'Roll Spielzeit: 37:46
Medium: CD
Label: Soulplex Records, 2012
Stil: Rap'n'Roll


Review vom 05.05.2012


Moritz Alves
Dass Rock und Rap trotz augenscheinlicher Gegensätzlichkeit durchaus zusammenpassen, haben Aerosmith und Run DMC mit ihrer Version von "Walk This Way" schon in den Achtzigern bewiesen, ebenso Die Toten Hosen mit "Hip Hop Bommi Bop". In den neunziger Jahren ist das Ganze dann u.a. in diversen neumodischen Metal-Spielarten kommerzialisiert worden, und seit 2007 schließlich machen Querfälltein ihr eigenes Rap'n'Roll-Ding.
Das neue, dritte Album der Kölner Formation trägt eben diesen Titel, der bei den 14 Songs absolut Programm ist. Im Gegensatz zu Aerosmith, den Hosen oder Limp Bizkit und Konsorten haben die fünf Querfälltein-Jungs aber ein subtileres Verständnis von ihrer Musikstil-Melange und sind stark im deutschen Hip Hop verwurzelt. Sie mischen gezielt den Rap ihrer Jugend mit dem Blues und Rock'n'Roll ihrer Väter - dies wird gleich im ersten Song deutlich, der die Entstehung der Band ganz wunderbar beschreibt: »Es dreht sich alles um den Blues, um den Mojo-Zauber und die Worn-out Shoes. Es dreht sich alles um Rap, um die Rhymes und die Beats [] Wir machen Rap in 'ner Blues-Band«, heißt es da wie selbstverständlich - und das macht richtig viel Spaß und man nimmt den Jungs ihre Beweggründe zu jeder Sekunde ab.
Insgesamt besticht "Rap'n'Roll" mit seiner reduzierten Instrumentierung: Hier gibt's typischerweise wirklich nur Gitarre, Bass, Drums und Bluesharp zu hören, die das groovende, oft extrem songdienliche Fundament für die beiden Sänger liefern, die darauf ihre humorvollen bis nachdenklich-kritischen Texte rappen. Generell bekommt man hier also handgemachten Hip Hop mit Rock-Instrumentierung geboten - herrlich bodenständig, kulturell wertvoll, extrem tanzbar und damit meilenweit entfernt von 'phatten Beats', schnellen Frauen, sexy Autos, Goldketten mit Brillis und dicken Sonnenbrillen. Quasi Poetry Slam mit Gitarren statt homophobem Gangsta Rap.
Anstatt nämlich irgendwelche aggressiven Rhymes und Beats zu bauen, beleuchten Querfälltein lieber Themen aus der Alltagswelt, ausgestattet mit eingängigen Hooks und eingebettet ins Soundgewand aus klassischem Zwölftakt-Blues, Chanson, Rock'n'Roll, Jazz, Funk, Ska und Reggae. Besondere Glanzpunkte und Anspieltipps sind natürlich der Opener "Bluesbrüder", das mexikanisch angehauchte "Koffer", der heimliche Sommerhit "Auszeit", das urkomische "Spitz" (das vom Bandmaskottchen handelt), "Hr. Paragraph" (das die deutsche Mentalität herrlich augenzwinkernd beleuchtet) oder das leichtfüßige, aber textlich ernste Storyteller-Stück "Jonny", die die Stilvielfalt des sympathischen Fünfers ganz wunderbar widerspiegeln, jeden Hörer im Handumdrehen verzaubern und sich in den Gehörgängen festsetzen.
Insgesamt ist Querfälltein mit "Rap'n'Roll" ein ganz wunderbares Album gelungen, das gerade auch Leute beeindrucken und begeistern wird, die dem Hip Hop und Rap eigentlich nicht gerade positiv gegenüberstehen. Meinen CD-Player hat das Teil jedenfalls eine gefühlte Ewigkeit in Beschlag genommen. Der Albumtitel drückt als Genrebezeichnung genau das aus, was man hier musikalisch erwarten darf und steht für erstklassige Unterhaltung genauso wie für künstlerischen Anspruch. Diese einzigartige Truppe sollte man im Auge behalten, da wird auch zukünftig noch Herausragendes zu hören sein. Ganz dicker Tipp!
Line-up:
Quichotte (Stimme)
Forezt (Stimme)
René (Bass)
Flo (Gitarre)
Triadé (Schlagzeug)
Tracklist
01:Bluesbrüder (4:04)
02:Koffer (2:50)
03:Auszeit (3:47)
04:Die Hunde - Skit (1:13)
05:Spitz (3:26)
06:Et kütt wie et kütt (2:07)
07:Hr. Paragraph (2:56)
08:Am Boden (2:58)
09:Rap'n'Roll (3:06)
10:Paradox - Skit (1:15)
11:Paradox (2:48)
12:Jeder macht sein eigenes Ding (2:58)
13:Jonny (2:03)
14:Alles nochmal neu (2:08)
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