Paul Roland / The Werewolf Of London
The Werewolf Of London Spielzeit: 56:00
Medium: CD
Label: Sireena, 2013 (1980)
Stil: Rock/Gothic/Psychedelic

Review vom 22.10.2013


Sabine Feickert
"The Werewolf Of London" ist nach (bzw. eigentlich sogar vor, wenn man die Chronologie betrachtet) Bates Motel bereits das zweite Paul Roland-Album, das Sireena Records unter seine Fittiche nimmt.
"The Werewolf Of London" ist das zweite Paul Roland-Album, das ich Euch sehr ans Herz legen möchte.
Es war das Debüt des so phantasiebegabten wie musikalischen jungen Mannes, der sich von Horrorklassikern aus Film, Literatur und Comic inspirieren ließ. 1980 erschien das im Vorjahr aufgenommene Album bei Ace Records. Die daraus ausgekoppelte Single "Public Enemy" wurde vom britischen Radiomoderator John Peel so oft gespielt, dass die limitierte Auflage von 1000 Stück innerhalb von Tagen ausverkauft war.
Es ist mein zweiter Versuch, das in Worte zu bringen, was die Faszination Paul Roland ausmacht. »Der hat wirklich was« meint sogar mein sehr geschätzter Kollege Markus, der normalerweise einen großen Haken schlägt, wenn Begriffe wie Gothic oder Dark Wave fallen.
Paul Roland unterscheidet sich aber auch ganz stark von dem, was in diesen Genres so als das Übliche bekannt ist. Seine Musik ist zwar düster, aber dennoch warm und weich, dabei auch ein wenig kratzig. Geht wahnsinnig tief unter die Haut und wenn denn mal elektronische Spielereien eingesetzt werden, wie in "The Puppet Master" beispielsweise, so erfolgt das immer songdienlich und nicht als selbstverliebter Selbstzweck. Als kleine Akzente und nicht als alles erschlagende Soundburgen. Soundprägend sind Gitarren und Keyboards. Violine und Cello sorgen für dezent-düstere Atmosphäre. E-Gitarre und Percussion 'duellieren' sich in "Sword And Sorcery".
Fangen wir am Anfang an, die CD startet mit einer Orgel, genauer einer einer 'Vincent Price'-Orgel. Langsam, ein bisschen unheimlich etwa so wie im Horrorfilmklassiker "Schreckenskabinett des Dr. Phibes". Kurz bevor der Orgelmörder loszieht, setzt das Schlagzeug ein, nimmt den Zuhörer mit nach Battenberg, wo die "Blades Of Battenburg" als verlorene Seelen im Keller wispern.
Es sind leise Töne, die Roland anschlägt, eher geheimnisumwittertes Flüstern denn effektheischende Special Effects. Subtil und eindringlich. Er zeichnet kleine Szenen, die der Fantasie des Zuhörers viel Raum geben. Sein "Dr. Strange" ist beängstigender, irritierender und mysteriöser als Frankenstein und Dracula zusammen.
Seine Themen sind so vielfältig wie seine musikalischen Einflüsse. "Lon Chaney" ist dem Stummfilmstar gewidmet, der als 'der Mann mit den 1.000 Gesichtern' bekannt war und unter anderem den Quasimodo in der "Glöckner von Notre Dame"-Verfilmung aus dem Jahr 1923 spielte sowie 1925 das "Phantom der Oper" verkörperte.
Die "Brain Police", wenn auch damals noch von CIA und KGB verkörpert, hat auch heute, in Zeiten der NSA nichts von ihrem Schrecken verloren. Hier setzt Roland einen elektronisch angehauchten Hintergrund mit einem ganz leichten Touch der frühen Kraftwerk ein, der die beklemmende Stimmung des Songs verstärkt. "Flying Ace" erzählt mit sparsamer, aber eindringlicher Akustikgitarre die Geschichte eines Kriegsveterans.
Paul Rolands "Werewolves Of London" haben übrigens nichts (na gut, das Wolfsgeheul klingt ähnlich, das kann man aber auch nicht sooo sehr variieren) mit denen des Warren Zevon zu tun, sollen diesen aber begeistert haben.
So wie mich auch dieses Album wieder begeistert hat. Musikalisch vielfältig und doch auch damals schon mit eigener Linie.
Danke fürs Wiederveröffentlichen, Sireena. Schaut doch mal bitte, ob Ihr demnächst nochmal was Schönes von Paul findet, seine Sachen sind viel zu schade, um in Archiven zu verstauben.
Line-up:
Paul Roland (vocals, guitar, add. keyboards)
John Daniels (lead guitar)
Brian Gould (keyboards)
Paul Nesbitt-Larking (saxophone)
Simon Balestrini (bass)
Roger Diamond (drums, congas)

add. musicians:
Martin Meads (drums - #2)
Maurice Memmott (violin)
Steve Conway (bass - #9)
Dave Sharp (cello)
Tracklist
01:Blades Of Battenburg
02:Brain Police
03:The Ghoul
04:Flying Ace
05:The Puppet Master
06:The Cars That Ate New York
07:Public Enemy
08:Werewolves Of London
09:Dr. Strange
10:Lon Chaney
11:Mad Elaine
12:Sword And Sorcery

Bonustracks (bisher unveröffentlichte Versionen):
13:The Old Dark House
14:Angel
15:Cavalier
16:Jack Daniels
Externe Links: