Ramrods / Love Is The Answer
Love Is The Answer Spielzeit: 67:20
Medium: CD
Label: SAOL / H'Art / Zebralution, 2011
Stil: Rock

Review vom 14.04.2011


Ulli Heiser
Zwei Institutionen für Musikliebhaber: Das Concertbüro Franken und der Live Club Hirsch in Nürnberg. Die gemeinsame Konstante hat einen Namen: Peter Harasim.
Peter ist Booker sowie Veranstalter und Musiker. Das alles seit vielen Jahren. Was Musik machen und die Band Ramrods angeht, seit Mitte der Sechziger! Und nun (2011) erscheint das Debütalbum. Das muss man jetzt erst mal wirken lassen. Ich glaube, wir haben keine Band im Index, die so lange auf das Debüt warten ließ. Allerdings stammen die Tracks auf "Love Is The Answer" aus den vergangenen zehn bis zwölf Jahren.
Die Band ist lokal sicher ein Begriff, aber es wurde Zeit, per CD nun auch die fränkische Grenze zu überschreiten, denn was da so lange reifte, ist ein Hammeralbum. Und irgendwie muss in Franken ein besonderes Klima herrschen, denn innerhalb weniger Tage ist es bereits die zweite Platte aus diesem Landstrich, die mich erreicht und begeistert.
Nach Rudi Madsius nun also Ramrods.
Wie klein die Welt ist, zeigt sich beim Blick ins Booklet: Als ehemaliges Bandmitglied ist da ein alter Bekannter aufgeführt, Peter Knott. Das Booklet ist außerdem mal wieder eines von der guten Sorte. Viele Bilder und zu jedem Track gibt es Informationen. Kurzes Intro aus dem Horror B-Movie mit klagender Sitar und dann kracht uns auch schon powervoller Rock entgegen. Grooviges Gerüst, sehr melodiöser Refrain und Platz für instrumentale Highs. Die Vocals vielleicht etwas zu dominant in den Vordergrund gemischt. Oder, ich muss mich an die Stimmfarbe gewöhnen - erinnert leicht an Sardinas. Nicht gewöhnen muss ich mich an die Gitarre, die begeistert von Anfang an. Ebenso die Keyboardläufe und nicht zu vergessen, das eingestreute Hendrix-Zitat gegen Ende. Stark auch, wie die Truppe den Dylan-Song "Seven Days" rockt.
Rock ohne Balladen geht nicht und so ist gleich der vierte Titel in dieser Ecke angesiedelt. Mir ist er allerdings etwas zu ohrgefällig. Ich denke an einen Mainstream Nashville-Shuffler. Allerdings ist das nicht übel und zeigt auch die Bandbreite der Ramrods. Die ist enorm, auch mit Ragas hat man keine Probleme ("Bangla Dhun"). Ganz klasse präsentiert sich "Love Trail", die backing vocals sind einfach saugeil, die Stimme hat einen leichten Knopfler-Touch. Nicht minder stark "Karma Dues", leicht proggig angehaucht, aber im weiteren Verlauf härter werdend mit geilem Gitarrenspiel und der Gesang in den forcierten Passagen stellenweise an den alten Alice erinnernd. Toll, was jetzt kommt:
Fiddler's Green-Musiker verstärken das Line-up und es wird irisch. Es folgt ein Rock'n'Roll und plötzlich sind da die Byrds, die Kinks, die Sand Rubies. Diese drei Genannten könnten Pate gestanden haben. "Visionary Brother" hat viel von deren psychedelischem Timbre. In "Ananda" gibt die Sitar wieder mehr als nur ein Gastspiel. Hey, jetzt aber wieder Psycho-Speed - und wie: "Lover Of The Bayou" (Byrds-Cover) prescht nach vorne. Der Hammer ist jedoch "Waiting For My Train". Akustisch, die Vocals passen perfekt, die Orgel rollt süß, packende Bridge ... das ist die Nummer, die ich meinem Langzeitgedächtnis mitgebe.
"Accident Prone" ist wieder härter. Bisschen Purple-Geschmack und leichter "Foxy Lady"-Duft.
Da sind jetzt doch einige Stile zu bilanzieren und damit machen es einem die Ramrods nicht einfach. Von soft über exotisch bis hart. Man könnte jetzt sagen, dann kann sich doch jeder das heraussuchen, was er am liebsten mag. Yep. Man kann aber auch zu dem Brei und den vielen Köchen kommen. Das Album ist ein Querschnitt aus den vergangenen Jahren und so macht die musikalische Bandbreite durchaus Sinn. Ich bevorzuge den ruhigen, psychedelisch angehauchten Teil der Platte. Obwohl, die Rocker hämmern dir den Schweiß in den Nacken. Klarer Fall Ramrods: Dem Debüt muss was folgen. Für mich ein hartes Album und, auch für mich, eines der leisen Töne. Material dürftet ihr nach vierzig Jahren genug beisammen haben.
Line-up:
Peter Harasim (lead vocals, electric guitars, acustic guitars)
Marko Bittner (vocals, guitars, keyboards, mandolin, sitar, tamboura, percussion)
Kalle Duringer (bass, harmony vocals)
Jan Albrecht (harmony vocals, keyboards, pianos)
Tim Hufnagel (drums)
Alberto Parmigiani (drums)

Guests & Members
Peter Pathos (bass, keyboards, flutes, programming)
Uwe Averell Kress (drums)
Harry Hirschmann (bass)
Martin Schröpfer (bass)
Spacer (bass)
Toby Heindl [Fiddlers Green] (fiddle)
Stephan Klug [Fiddlers Green] (bodhrán, accordeon)
Ralph Bach (noises & voices)
Tracklist
01:Cambodia
02:Talk To Me
03:Seven Days
04:Matter Of The Heart
05:A Little Hand
06:Bangla Dhun
07:Love Trail
08:Chinese Garden Lament
09:Karma Dues
10:May The Road Rise To Meet You
11:Filthy Rock & Roll
12:Visionary Brother
13:Ananda
14:Lover Of The Bayou
15:Waiting For My Train
16:Accident Prone
17:Leaving Song
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