Reverend Freakchild / Hillbilly Zen-Punk Blues
Hillbilly Zen-Punk Blues Spielzeit: 37:31
Medium: CD
Label: Treated and Released Records, 2015
Stil: Country Blues

Review vom 06.09.2015


Joachim 'Joe' Brookes
Schon der (Spitz-)Name des auf Hawaii geborenen Künstlers klingt vielversprechend. Reverend Freakchild hat einen »degree in philosophy and religion from Northeastern University in Boston [...].« Mittlerweile ist Boulder, Colorado sein Lebensmittelpunkt und dort studiert er »Tibetan Buddhism«.
Reverend Freakchild macht natürlich auch Musik. Stationen seines Schaffens sind Bands wie Soul Coughing, Bananafish, The Neptune Ensemble, The Soul Miners oder The Cosmic All-Stars. Auch der Albumtitel "Hillbilly Zen-Punk Blues" macht neugierig.
In der Plattenliste des Amerikaners tauchen Scheiben wie "Blues & Spirituals" (2001), "Hymn Hustler" (2003), "God Shaped Hole" (2010) oder "Chaos & Country Blues" aus dem Jahr 2013 auf.
Mit Schlagzeuger Chris Parker hat der Protagonist einen Mann an den Stöcken, Becken und Fellen, der bereits bei Paul Butterfield, Bob Dylan oder Joe Cocker getrommelt hat. Der von Reverend Freakchild präsentierte Blues ist sehr interessant, quasi grob in zwei Kategorien eingeteilt. Die eine Abteilung füllen Songs mit Country Blues-Ausrichtung und in der anderen Sparte befindet sich freakiger Psychedelic Blues.
Ja, Reverend Freakchilds Album "Hillbilly Zen-Punk Blues" ist kontrovers. Mit manchen Liedern nagelt der Musiker ein Blues-Bild an die Wand, in dem man mehr oder weniger deutliche Farbmuster von Muddy Waters, John Lee Hooker oder der rohen Slide-Wildheit eines Hound Dog Taylor erkennen kann.
So stehen zum Beispiel der Opener "All I Got Is Now" und "Tears Of Fire" als kontrastierende Nummern in der Tracklist. Melodischer Country Blues trifft auf psychedelische Wah Wah-/Slide-Action. "Tears Of Fire" ist in seiner Auslage auch noch hypnotisierende Kost der besonderen Art.
Weitere Metallröhrchen-Genüsse bietet der Rausschmeißer "Wish I Was In Heaven Sitting Down". Rau und doch eingängig geht Reverend Freakchild mit seiner versierten Combo ans Werk der Vollendung einer Platte, die trotz ihrer unterschiedlichen Lieder zu einem Ganzen zusammenwächst.
Bei der Wahl seiner Coversongs kommt mit Reverend Gary Davis' "It's Gonna Be Alright" eine Art spirituelle Ader des Protagonisten zum Vorschein. Die den Hintergrund ausfüllende Lap Steel von Hugh Pool ist die Sehnsucht pur und kommt im Laufe des Tracks dann doch für eine Art Solo näher in den Vordergrund. Klasse Nummer!
Zusammen mit Ron Ragusa bildet Hugh Pool das Duo Mulebone, im Line-up Mulbone Singers genannt und als solches sind die beiden Musiker für die klasse Backing Vocals der Scheibe zuständig. Im fröhlich, mit akustischer Gitarre intonierten "Moonlight Shadow" spielt John Ragusa eine sanft klingende Querflöte, der er im Solo eine wunderschöne Tonfärbung gibt. Dieses Instrument hätte, auch in einer treibenden Stimmung, durchaus gut zu dem einen oder anderen Track gepasst.
"She Wants My Name" ist dann einer der dynamischen Slide-/Harmonika-Stücke, die den Country Blues in die rockende Ecke stellen. Hugh Pool ist hier an der Harp der Hauptakteur. Mit seinen Lap Steel- beziehungsweise Mundharmonika-Einsätzen prägt er die Scheibe auf eine bemerkenswerte Art.
Mit dem Namen Reverend Freakchild und dem Albumtitel "Hillbilly Zen-Punk Blues" lenkt der Amerikaner die Gedanken im Vorfeld, ohne einen Ton von der CD gehört zu haben, in eine bestimmte Richtung.
Herausgekommen ist eine Scheibe, die in knapp vierzig Minuten ziemlich unterschiedlich ausgefallen ist. Wer mit Country Blues und psychedelisch-robusten Arrangements keine Probleme hat, darf hier ohne Bedenken zugreifen.
Line-up:
Reverend Freakchild (vocals, guitar)
Chris Parker (drums, percussion)
Hugh Pool (lap steel, harmonica)
Tugboat Eustis (bass)
Jon Ragusa (flute)
The Mulebone Singers (backing vocals)
Tracklist
01:All I Got Is Now (3:51)
02:Angel$ Of Mercy (4:30)
03:It's Gonna Be Alright (3:40)
04:Keep On Trucking (4:09)
05:Lullaby (2:34)
06:Moonlight Message (4:28)
07:She Wants My Name (2:52)
08:Soul Transforming Realization (2:48)
09:Tears Of Fire (5:09)
10:Wish I Was In Heaven Sitting Down (3:28)
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