Rolling Drunks feat. Albert Lee / Pukka Blokes
Pukka Blokes Spielzeit: 43:02
Medium: CD
Label: Rolling Drunks Music, 2006
Stil: Acoustic Rock

Review vom 22.10.2006


Joachim 'Joe' Brookes
Bereits sechs Alben haben die Heavy-Rocker Rolling Drunks hinter sich gebracht und mit ihrer aktuellen CD "Pukka Blokes" (welch treffender Titel!) vollbringen sie, gemeinsam mit der Gitarren-Legende Albert Lee, eine akustische Punktlandung. 'Akustisch' ist hier wörtlich zu nehmen: Keinen einzigen Ton einer elektrischen Gitarre und selbst auf ein Schlagzeug wurde verzichtet.
Die ersten vier Titel wurden zusammen mit Lee (Lead Guitar) eingespielt und Lutz Demmler, seines Zeichens Bassist der Gothic Metal-Band Umbra Et Imago, hat zusammen mit Horst Jabs produziert.
Stripped down und akustisch ist halt etwas anderes!
Alleine schon der Opener, der in leichtem Reggae-Rhythmus daher kommt, ist eine kleine Offenbarung. In kristallklarem, kompaktem Sound, mit relaxter Rhythmus-Gitarre, einer feinen Slide-Gitarre von Thomas Weick und einem hervorragend aufgelegtem Albert Lee kommt "The Long Road" daher. Horst Jabs' Stimme zeigt Emotionen, als wenn er das Thema des Tracks erlebt hätte: Eine kleine Insel an der Westküste Schottlands, 200 Einwohner, nur duch eine eine Straße mit dem Festland verbunden. Man hat den Eindruck, als gäbe es kein Zurück.
Das treibend beginnende "Let Me Play The Lion Too" erfährt im Mittelteil ein abruptes Break und setzt sich in einer tragisch-melancholischen Melodie fort. Dann wird diese Stimmung durch Wolfgang Eckertz' Geige verstärkt. Dieses Überraschungsmoment sitzt. Da gibt es kein Deuteln. Klasse!
Nicht nur durch einen eingängigen Refrain glänzt "Good Night Berlin", in dem eigene Jugenderfahrungen aus dem Berlin zur Zeit der Mauer beschrieben werden. Flirrende Gitarren, als wenn da mehrere Instrumente am Werke wären und über allem schweben die herrlichen Solo-Beiträge von Albert Lee. So sollte akustische Musik klingen.
Horst Jabs hat es, ein feines Händchen fürs Song- und Lyricswriting. Für "Pukka Blokes" wurden einerseits bereits auf anderen Alben veröffentlichte Songs ausgewählt, andererseits hören wir auch ausgiebig neues Material: Auch die drei Tracks mit deutschen Texten passen ins Gesamtkonzept der CD. Die Lyrics transportieren Nachdenkliches, Kritisches und eigene Erfahrungen.
Das groovende "Lass Mich Los" ist inspiriert vom Terror religiöser Fundamentalisten und fremder Manipulation und lässt einen wirklich nicht los...
Mit "Crazy Kong", eingeleitet durch Georg Grimms Tieftöner, ehrt Jabs den Karlsruher Club für seine unermüdliche Arbeit, nicht nur junge Bands zu unterstützen.
Einem Song wie "Crazy Kong" kann man sich nicht entziehen. Das Ding geht höllisch ab und wird auf Anhieb zur 'Repeattasten-Nummer'!
Etwas ruhiger, aber nicht minder intensiv, folgt "Motorcycle Man", der in seinem schleppenden Rhythmus vom Bass bis ans Ende der Welt getragen werden könnte und so ist es auch im einzigen Liebeslied, das Jabs geschrieben hat, gemeint.
Der Text in "Überleben Als Mann" sollte nicht ganz so ernst genommen werden, wie Jabs selber meint. Dennoch ist das, was er singt Thema. Hört selber!
Wurde bis zu diesem Zeitpunkt auf "Pukka Blokes" großes Tennis geboten, kommen wir mit "All You Can Eat" zu ganz großem Tennis und dem Einsatz von Lisa Nicola an den Keyboards. Mit feinen Breaks und rhythmisch abwechslungsreich setzen die Rolling Drunks ein Highlight ans Ende ihres Albums.
Halt! Ende? Noch nicht ganz. Wunderte ich mich schon über die Laufzeit des letzten Tracks, der mit 10:34 Minuten im Player angegeben wird, muss doch etwas folgen?
Richtig: Ein Hidden Track mit dem Titel "Like Father And Son", den Jan Erik Jabs zusammen mit Horst singt.
Es herrscht fast beklemmende Ruhe nach den letzten Tönen von "Pukka Blokes" und man kann dem Reiz nicht widerstehen, die CD von vorne zu hören.
Kompliment, den Rolling Drunks (wie seid ihr bloß auf diesen Bandnamen gekommen?) für begeisternde Unterhaltung…
Line-up:
Horst Jabs (Guitar/Vocals)
Thomas Weick (Lead Guitar)
Georg Grimm (Bass)
Special Guests:
Albert Lee (Lead Guitar - #1, 2, 3, 4)
Lisa Nicola (Keyboard)
Wolfgang Eckertz (Violin)
Tracklist
01:The Long Road (4:11)
02:Lass Mich Los (3:40)
03:Let Me Play The Lion Too (6:31)
04:Good Night Berlin (3:44)
05:Crazy Kong (4:53)
06:Motocycle Man (5:40)
07:Überleben Als Mann (3:42)
08:All You Can Eat (7:01)
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