Royal Southern Brotherhood,
Dana Fuchs, Jessy Martens / 27.10.2012, Kammgarn, Kaiserslautern
Kammgarn Royal Southern Brotherhood, Dana Fuchs, Jessy Martens
Kammgarn Kulturzentrum Kaiserslautern
27. Oktober 2012
Stil: Blues Rock, Southern Rock



Konzertbericht vom 06.11.2012

       
Markus Kerren                  Sabine Feickert
Dana FuchsIrgendwie war dieser 27. Oktober eine Nacht der undankbaren Aufgaben. Aber es war auch eine Nacht vollgepackt mit großen Gefühlen, musikalischer Brillanz, offenen Mündern und heruntergeklappten Kinnladen. Der Winter war an diesem Tag über die Pfalz hereingebrochen, wobei die Straßen allerdings noch dankbar frei waren und eine sichere Anreise auch aus entfernteren Gegenden garantierte. Die Kammgarn (die wir ja schon mehrfach hier vorgestellt haben) stellte sich als sehr schöne Location heraus, die auch über einen optimalen Konzertsaal verfügt, der ca. 1100 Zuschauern Platz bietet.
Dana FuchsAls sich die Zeiger der Zeiteisen so langsam in Richtung 20:00 Uhr bewegten, spielte es offensichtlich gar keine Rolle mehr, ob man die Wahl-New Yorkerin Dana Fuchs zum ersten Mal auf den Bühnenbrettern erleben, oder deren mitreißende Show bereits in der Vergangenheit genießen durfte. Die Spannung und das Knistern in der Luft war sprichwörtlich greifbar. Und wer die Lady bereits kennt, der wird wissen, dass sie auch an diesem Abend keine Gefangenen machte.
Dana FuchsNeben Tracks aus ihren beiden Studioalben kamen auch Coverversionen u. a. von den Beatles (das unvermeidliche "Helter Skelter") und weiterer zum Einsatz. Außerdem wurden drei Songs des neuen (vermutlich im kommenden Frühjahr erscheinenden) Albums gespielt, von denen zumindest zwei direkt beim ersten Hören genau zwischen die Lichter gingen und phänomenal gut im Ohr hängen blieben. Man darf also gespannt sein, ob die neue Scheibe hoffentlich etwas rauer produziert und der Bühnenpräsenz von Dana Fuchs gerechter wird, als das doch etwas handzahme Love To Beg.
Royal Southern BrotherhoodDas Hauptaugenmerk dieses Reviews soll aber den Senkrechtstartern Royal Southern Brotherhood gelten. Wobei wir bei der ersten undankbaren Aufgabe angekommen wären, denn nach der guten Dana auf die Bühne zu müssen und noch einen drauf zu setzen, ist alles andere als eine leichte Übung. Die königliche Bruderschaft zeigte sich jedoch zumindest äußerlich unbeeindruckt und stieg mit Leichtigkeit in ihren swampigen Groove ein. Schnell wurde klar, dass man es hier nicht mit ein paar Frontleuten zuzüglich einer Rhythmusabteilung zu tun hat. Nein, da standen fünf Individualisten und Stars auf der Bühne, die es aber auf die Reihe bringen, nicht nur nebeneinander in einer Band zu existieren, sondern es auch noch schaffen, als ein glänzend funktionierendes Team zu agieren. Das erste Mal hatte ich hier das Gefühl, dass der von mir eher ungeliebte Begriff 'Supergroup' doch seine Berechtigung haben kann.
Royal Southern BrotherhoodNachdem die ersten drei Tracks bereits gewaltig die Funken sprühen ließen, folgte im Anschluss mit dem Grateful Dead-Cover "Fire On The Mountain" die Nummer, die den Rezensenten sprichwörtlich in die Knie gehen ließ. Nach ein paar Strophen und Refrains (während denen eine Gitarre durch das Wah Wah-Pedal geschickt, die andere mit einem Slide-Röhrchen bearbeitet wurde) folgte ein Gitarren-Feuerwerk der absoluten Spitzenklasse. Was Devon Allman und Mike Zito hier - zunächst als Duell, dann parallel nebeneinander solierend ablieferten, war ganz sicher nicht von dieser Welt. Auf (irgendwie immer hinkende) Vergleiche will ich hier verzichten, aber das war allerhöchster Qualitätsstandard, der die Kammgarn bereits nach dem vierten Song in Schweiß gebadet zurückließ.
Royal Southern BrotherhoodDie Lead Vocals teilten sich Cyril Neville (der außerdem zu fast jedem Song höllisch heiße Percussion-Arbeit lieferte), Devon Allman und Mike Zito (selbstverständlich) brüderlich. Ein absoluter Hinhörer wie -gucker war aber auch Yonrico Scott am Schlagzeug, der nahezu jeden Beat, jeden einzelnen Schlag auf seine Snare, Toms und Becken mit ausdrucksstarker Mimik und Grimassen unterlegte. Dass die Mitglieder der Brotherhood sich nicht lediglich als Individualisten beweisen wollten, zeigte u. a. das Schlagzeugsolo von Scott, der viel mehr Wert darauf legte, Spaß zu haben und zu machen, als das Publikum mit seinen technischen Fähigkeiten (möglicherweise) zu langweilen.
Royal Southern BrotherhoodAllerdings war das Basssolo des ansonsten eher zurückhaltenden Charlie Wooton dann schon wieder eine ganz andere Geschichte, führte uns der gute Mann doch schon fast eine kleine Sinfonie auf seinen fünf dicken Saiten vor. So rockte sich die Band also atemberaubend durch ihr erstes Album und ein paar neue Stücke, bevor dann doch noch das geschah, womit ich nicht gerechnet hatte. Mit einer feurigen Version von "One Way Out" beschloss ein Cover vom legendären Vater
Gregg Allman bzw. der Allman Brothers Band den regulären Set.
Die Kammgarn stand regelrecht Kopf und schrie, brüllte und klatschte die Band für eine Zugabe zurück auf die Bühne. Der Fünfer ließ sich natürlich nicht lumpen und legte eine abgefahrene, prickelnd heiße Version des Stones-Klassikers "Gimme Shelter" auf die Bühnenbretter. Der würdige Abschluss einer denkwürdigen wie fantastischen Show, bei der - und ich habe mich mehrfach davon überzeugt - kein einziger anwesender Körper stillstehen konnte. Sogar die gute Dana Fuchs stand höchstpersönlich für den größten Teil des Gigs in der allerersten Reihe und tanzte, rockte, schwitzte mit den anderen Fans ab. Coole Frau!
Als die Lichter dann angingen, war dem Publikum (wie auch den Rezensenten) anzusehen, wie ausgelaugt, aber glücklich es war. Mitglieder beider Bands fanden sich danach am Merchandise-Stand ein, um CDs zu signieren sowie ein paar Schwätzchen zu halten und die ganz hartgesottenen unter den Besuchern zog es dann noch ein paar Treppenstufen hinunter in den Cotton Club (gehört ebenfalls zur Kammgarn), um sich das Konzert von Jessy Martens anzuschauen.
Jessy MartensUnd die gute Jessy hatte nun wirklich die undankbarste Aufgabe des Abends zu lösen, nämlich die müden und ausgepowerten 'Überlebenden' nun auch noch einmal von sich selbst zu überzeugen. Was ihr aber sehr gut gelang und auch ich, der von ersten Eindrücken auf einem einschlägig bekannten Video-Portal noch nicht so ganz begeistert war, konnte dicke Pluspunkte auf der Habenseite von Miss Martens verbuchen, die die Rocker ebenso eindringlich brachte, wie die Balladen. Ein richtig guter Abschluss dieses Abends.
Konzertbesuche bei allen drei Protagonisten sind also unbedingt zu empfehlen, wobei mir persönlich die Royal Southern Brotherhood an diesem Abend noch am meisten den Atem raubte. Und die Kammgarn empfahl sich als wunderschöne wie super funktionierende Location, die wir ganz sicher noch öfter besuchen werden. Bis zum nächsten Mal!
Wir bedanken uns bei dem Kammgarn-Team für die unkomplizierte Akkreditierung an diesem Abend, der im Rahmen des Kammgarn International Blues Festival (25. bis 27.10.2012) stattfand!
Line-up Royal Southern Brotherhood:
Cyril Neville (percussion, lead & background vocals)
Devon Allman (lead & rhythm guitars, lead & background vocals)
Mike Zito (lead & rhythm guitars, lead & background vocals)
Charlie Wooton (bass, background vocals)
Yonrico Scott (drums, background vocals)
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