Rudy Rotta & Brian Auger / Captured Live
Captured Live Spielzeit: 54:04
Medium: CD
Label: Pepper Cake (ZYX), 2006
Stil: Blues

Review vom 09.08.2010


Jürgen Hauß
Rudy Rotta ist einer der Musiker, auf die ich erst aufgrund eines Reviews auf RockTimes aufmerksam geworden bin. Spät also, aber Gottseidank nicht zu spät. Auch The Beatles In Blues sowie Some Of My Favourite Songs For haben mich für den italienischen Blueser, der so wenig nur dieses eine Genre bedient, wie italienische Pasta lediglich mit Spaghetti gleichzusetzen ist, begeistern lassen.
Daher wurde ich auch hellhörig, als ich kürzlich auf seiner Homepage den Hinweis entdeckte: » New CD:Liev with Brian Auger«. So heißt es auch aktuell noch dort (inkl. des netten Schreibfehlers), und wenn man weiter liest, wird darauf hingewiesen, dass diese CD in den USA von der Plattenfirma Navarro präsentiert wird. Nach meinen Recherchen handelt es sich aber wohl nicht um die Ankündigung einer neuen CD, sondern um die hierzulande schon vor fünf Jahren unter dem Titel "Captured Live" veröffentlichte Scheibe, denn zum einen gibt es auf Rottas Website keine weiterführenden Hinweise und zum anderen wird beispielsweise auf amazon.com aktuell nur diese Einspielung von Rudy Rotta gemeinsam mit Brian Auger und zudem lediglich als Import angeboten.
Sei's drum, auch dieses ältere Material hat es m.E. verdient, auf RockTimes Erwähnung zu finden. Das Album präsentiert ein Konzert, das die beiden Protagonisten bereits im Jahr 2002 in Verona gegeben haben. Wo genau, ist leider nicht beschrieben, aber ganz sicher nicht in der antiken Arena, da käme bestimmt eine ganz andere Akustik herüber.
Und Brian Auger muss man an dieser Stelle sicherlich auch nicht mehr ausführlich vorstellen. Er kommt eigentlich vom Jazz, verbindet diesen jedoch schon seit langem mit den unterschiedlichsten Musikstilen des Rock, Soul und Funk, was gemeinhin auch als 'Fusion' beschrieben wird und ihm den Titel 'The Godfather of Acid Jazz' eingebracht hat.
Auf dem Cover wird man zunächst vor der CD selbst gewarnt: »Warning: contains only handmade music«. Und das bekommt man auch: Gut gemachte, jeweils beider Hände Arbeit!
Die ersten Schritte auf diesem Album, "Steps" klingen verdammt nach
Larry Carlton / Robben Fords "That Road" von dem Album Live In Tokyo, wobei man dies fairerweise umdrehen muss, denn das letztgenannte Album ist deutlich jüngeren Datums. Einfach herrlich, wie sich hier die beiden Protagonisten in dem funkigen Instrumental die Bälle zuwerfen für wechselnde, für jeden so typische Soli. Ein guter Einstieg, der Lust auf mehr macht!
Fast übergangslos folgt das shuffelige "Tell Me Baby". Rudys prägnante Stimme verleiht dem Song seinen unverwechselbaren Charakter. Denkt man zunächst, dass Brian Auger abwechselnd sein Korg SG Pro X E-Piano und die typische Hammond B3 bearbeitet, muss man spätestens beim volltönenden parallelen Einsatz beider Instrumente davon ausgehen, dass hier der ständige Partner von Rudy Rotta am Piano, Michele Papadia, ebenfalls solistisch glänzen darf. Dennoch bleibt auch für Rudy Rotta noch Spielraum, seine Fingerfertigkeit unter Beweis zu stellen.
Dies umso mehr beim Gitarrenlastigen "Hold On"; hier jault zunächst in erster Linie Rudys Gitarre, während Brians Hammond überwiegend während der Gesangseinlagen in den Vordergrund tritt.
Wie es der Titel erahnen lässt, groovt das folgende "I'm In The Groove" nur so vor sich hin. Und die Finger des zum Zeitpunkt des Konzerts bereits 63-jährigen Auger lassen keinerlei Alterserscheinungen erkennen, so flink arbeiten sie die Tastatur rauf und runter. Das lässt sich Rudy Rotta nicht zweimal sagen und lässt seine Finger insbesondere zum Ende hin, parallel zu seinen - zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch stakkatomäßig vorgebrachten - Vokallauten über die Saiten fliegen.
Fordert das hohe Tempo, oder aber doch das Alter der beiden Frontmänner doch seinen Tribut? Denn es folgt mit "I Don't Pay The Money" der erste Slow-Blues, für den die beiden sogar gut elf Minuten benötigen; m.a.W., es bleibt ihnen genügend Spielraum, ihr Können zu zeigen, ohne dass der Song über die Länge langweilig wird. Während der ersten achteinhalb Minuten dominiert allerdings das Keyboard-Spiel von Brian Auger (vielleicht ist der Song deshalb in der Pianisten-freundlichen Tonart C-Dur geschrieben. Ich bin mir allerdings sicher, dass Brian Auger auch die übrigen Tonlagen beherrscht!), und erst zum Schluss rückt Rudy Rotta - zudem ähnlich wie beim vorangegangenen Stück - seine Gitarre in den Vordergrund.
Mit "Freedom Jazz Dance" folgt die erste Nicht-Rotta-Komposition, an der allerdings wiederum Brian Auger maßgeblich beteiligt war. Hier schlägt der 'Jazzman' voll durch. Entsprechend Jazz-lastig ist dieser Track ausgerichtet, und entsprechend Keyboard-lastig ist die Interpretation. Da es zudem ein reines Instrumental ist, ist nicht auszuschließen, dass Rudy Rotta hier tatsächlich eine Pause einlegt!
Flotter Boogie Woogie ist zunächst angesagt mit "Loner And Goner", bevor es unvermittelt deutlich langsamer wird und mit dem Einsatz des Gesangs von Rudy, später untermalt zudem von seinem Gitarrenspiel, wobei der Stil beibehalten wird. Zum Schluss der Aufnahme wird - wohl dem italienischen Publikum geschuldet - lediglich Rudy Rotta quasi als 'primus inter pares' namentlich vorgestellt; wie ich meine: zu Unrecht, da Brian Auger einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Qualität des Konzerts leistet.
Warum die nachfolgenden, die CD beschließenden drei Titel "You Don't Love Me", "The Thrill Is Gone" und "Boom Boom" im Booklet als Medley angekündigt werden, erschließt sich mir nicht. Weder gehen sie - im Vergleich zu sonstigen Übergängen auf dieser CD - interpretatorisch ineinander über, noch werden sie - bei Spielzeiten von mindestens viereinhalb Minuten - lediglich Medley-mäßig angespielt. Auch CD-technisch sind sie als eigenständige Songs getrennt anwählbar. Lediglich die Tatsache, dass es sich bei allen drei Stücken um völlige Fremdkompositionen handelt, unterscheidet sie vom übrigen Set. Ansonsten handelt es sich um Blues-Standards, in hoher Qualität interpretiert, aber dennoch - zumindest bei "The Thrill Is Gone" - deutlich entfernt vom Original bzw. der Interpretation eines B.B.King. Und trotzdem: auch und gerade diese Interpretationen haben ihren eigenen Reiz.
Beim abschließenden "Boom Boom" kann auch die Rhythmus-Sektion endlich deutlicher in Erscheinung treten. Dennoch geben die beiden Protagonisten das Heft nicht aus der Hand und geben nochmals ein Beispiel für Spielfreude und Spielwitz.
Wie angekündigt: Gute alte Handarbeit! Schade eigentlich, dass es keine neue gemeinsame CD der beiden Musiker gibt.
Line-up:
Rudy Rotta (guitar, vocals)
Brian Auger (Hammond, electric piano)

Michele Papadia (acoustic-electric piano)
Andrea Tavarelli (bass)
Carmine Bloisi (drums)
Tracklist
01:Steps (5:44)
02:Tell Me Baby (4:03)
03:Hold On (4:35)
04:I'm In The Groove (6:48)
05:I Don't Pay The Money (11:05)
06:Freedom Jazz Dance (5:09)
07:Loner And Goner (6:28)
08:You Don't Love Me (5:02)
09:The Thrill Is Gone (5:20)
10:Boom Boom (4:26)
Externe Links: