Bruce Springsteen / Collection: 1973 2012
Collection: 1973  2012 Spielzeit: 79:44
Medium: CD
Label: Sony Music, 2013
Stil: Rock

Review vom 21.05.2013


Sabine Feickert
Verschlanken, entrümpeln, Konzentration aufs Wesentliche alles Begriffe, die in den letzten Jahren im Lifestyle-Sektor schwer in Mode gekommen sind. Ob nun der Musikgigant Sony auch auf diesen Zug aufspringt?
Vor knapp drei Jahren besprach mein Kollege Mike Schröder eine Bruce Springsteen-Collection, die eigentlich das umfasste, was von Sony auch als 'Original Album Classics' unterwegs ist: gleich sieben Alben aus den Jahren 1973-1984 im Pappschuber zum attraktiven Preis.
Als "Collection: 1973 2012" kommt jetzt aber nicht etwa die doppelte oder gar dreifache Portion auf den Markt, sondern etwas, das man ganz schnöde ein 'Best Of'-Album nennen könnte. Oder netter ausgedrückt seine 'Meilensteine', ganz sicher auch ganz nett für diejenigen, die Tickets für seine Tour erworben haben und jetzt noch ein bisschen mitsingen üben möchten. Im Inneren des aufklappbaren Digisleeves prangt schließlich ein Aufkleber »Die offizielle Best Of zur Tour 2013«. Soweit den ersten aus Skandinavien übermittelten Setlisten zu trauen ist, könnte dieser Schuss allerdings nach hinten losgehen, denn die Übereinstimmungen (ganze sechs Stück) zwischen den Titeln auf dieser CD und den Konzertbühnen halten sich doch in ziemlichen Grenzen. Oder ist es einfach ein weiterer Versuch des Musikrecyclings?
Was auch immer die Motivation für diese Scheibe gewesen sein mag gleich vorweg, unter den Fans brauchen sie wohl nur die ganz hartgesottenen Sammler. Interessanter ist sie dann eher für diejenigen, die den 'Boss' immer nur ganz am Rande wahrgenommen haben und denen spontan nur das hoffnungslos radiototgenudelte "Born In The U.S.A." zu ihm einfällt, den Mega-Super-Ultra-Hit, der das gleichnamige Album weltweit in die Charts katapultierte und ihn auf ein gewisses, durchaus umstrittenes Image festlegte.
Ich gestehe, dass ich selbst auch eher zu letzterer Truppe zähle. Auch wenn ich (zumindest vom Hörensagen) wusste, dass Bruce Springsteen keineswegs dumpfen Patriotismus verbreitet, hat es mich nie gereizt, mich näher mit ihm zu befassen.
Erstaunt war ich dann doch, als ich feststellte, dass mir so ziemlich jeder Titel der Zusammenstellung mehr oder weniger bekannt vorkam, trotz nur geringfügigem Radiokonsum. An Springsteen ganz vorbeizukommen ist wohl (zumindest für meine Altersklasse) nicht möglich. Die ganz große Euphorie packt mich auch jetzt nicht, aber gerade die alten Titel wie "Rosalita (Come Out Tonight)" von 1973 oder "Thunder Road" haben doch ein Fünkchen Neugier auf die alten Werke geweckt.
"Atlantic City" mit seiner sparsamen Instrumentierung, macht direkt Lust darauf, das zugehörige Album "Nebraska" mal anzuchecken. Oder vielleicht dann doch lieber gleich die ausführliche "The Collection 1973-1984" mit dem ganz sicher besseren Preis-/Leistungsverhältnis? Oder drauf warten, dass Sony im Rahmen eines (derzeit noch fiktiven) 'All You Can Listen'-Lifestyletrends eine (derzeit noch fiktive) "Collection 1973 2014" rausbringt, die dann vielleicht das Gesamtwerk enthält?
Aber Spaß beiseite, die ersten neun Titel (also die Hälfte) dieses Albums sind in der 'alten' Collection ebenfalls enthalten (zuzüglich etlicher Draufgaben). Daneben gibt es "The Essential Bruce Springsteen" in diversen Varianten und Preisklassen, die wiederum als Erweiterung der "Greatest Hits" gelten.
Wer sich einen Grobüberblick von den Anfängen bis in die jetzige Zeit verschaffen möchte, ist mit "Collection 1973 2012" bestimmt nicht schlecht beraten, auch wenn man natürlich über die Zusammensetzung streiten könnte, dem Einen wird "Spirit In The Night" fehlen, der Andere wird "Streets Of Philadelphia" vermissen. Das Hauptargument für die vorliegende Zusammstellung ist sicherlich, dass sie auch zwei Titel vom letzten Studioalbum Wrecking Ball enthält. Wer auf die verzichten kann und will, kriegt bei den älteren Zusammenstellungen sicher mehr fürs Geld. Immerhin liegt ein Booklet mit allen Texten und ein paar stimmungsvollen schwarz-weiß-Bildern bei schöne Beigabe.
Line-up:
Bruce Springsteen (lead vocals, guitar, mandolin, harmonica,recorder, keyboards, banjo, piano, drums, organ, percussion, loops)
Roy Bittan (piano, synthesizer, keyboards, organ, drums, glockenspiel, loops, guitar, bass, background vocals)
Clarenca Clemons (saxophone, percussion, background vocals)
Danny Federici (piano, keyboards, accordion, organ, glockenspiel, background vocals)
Nils Lofgren (guitars, vocals)
Patti Scialfa (vocals, background vocals)
Gary Talent (bass, vocals, background vocals)
Stevie Van Zandt (electric and acoustic guitars, mandolin, background vocals)
Max Weinberg (drums, percussion, background vocals)
Vini Lopez (drums and background vocals - #1)
Richard Blackwell (percussion and congas - #1)
David Sancious (piano and organ - #1, keyboards - #3)
Mike Appel (background vocals - #1)
Ernest 'Boom' Carter (drums - #3)
Peff Porcaro (drums and percussion - #11)
Randy Jackson (bass - 11)
Gary Hallaber (drums - #13)
Marty Rifkin (pedal steel guitar - #13)
Soozie Tyrell (background vocals - #16,17)
Lisa Lowell (background vocals - #17)
New York Chamber Consort (strings - #17,18)
Ron Aniello (piano, drums, loops, guitar, bass, keyboards and group vocals - #18)
Charlie Giordano (piano, accordion and Hammond B-3 - #18)
Curt Ramm (trumpet - #18)
Rob Lebret (electric guitar and group vocals - #18)
Clif Norrell (group vocals - #18)
Ross Peterson (group vocals - #18)

Horn Section - #18:
Curt Ramm
Clark Gayton
Stan Harrison
Ed Manion
Dan Levine
Art Baron
Tracklist
01:Rosalita (Come Out Tonight)
02:Thunder Road
03:Born To Run
04:Badlands
05:The Promised Land
06:Hungry Heart
07:Atlantic City
08:Born in the USA
09:Dancing in the Dark
10:Brilliant Disguise
11:Human Touch
12:Streets Of Philadelphia
13:The Ghost Of Tom Joad
14:The Rising
15:Radio Nowhere
16:Working On A Dream
17:We Take Care Of Out Own
18:Wrecking Ball
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