Jon Strider / Fresh Tracks
Fresh Tracks Spielzeit: 41:30
Medium: CD
Label: New Sky Records, 2010
Stil: West Coast, Singer/Songwriter

Review vom 06.03.2010


Norbert Neugebauer
Ein braungebrannter, schlanker älterer Typ in weißer Jeans kommt barfuß in der tiefstehenden Sonne mit Colgate-Lächeln an irgendeinem Strand auf uns zugeschlendert. Ob das jetzt an der Frisco Bay oder sonstwo (es ist ein schwedischer) ist, spielt keine große Rolle. Jon Strider, der Musiker auf dem Cover, stammt aus Kalifornien, lebt jetzt in Schweden und legt uns mit "Fresh Tracks" sein sechstes Solo-Album vor. Nr. 5, White Wings, samt Künstler stellte uns RockTimer Wolfgang bereits vor. Der Protagonist ist auf diversen Alben berühmterer Kollegen als Sideman (backing vocals, guitar, keyboards) zu hören und hat, nach den Angaben auf seiner Homepage, 40 Alben für andere produziert und über 400 Songs geschrieben.
Bis auf Amir Aly (programming, bass, guitars, synthesizer, dobro), der auf den ersten beiden Stücken zu hören ist und diese auch produziert hat, ist die Begleitmannschaft komplett ausgewechselt. Die der "Fresh Tracks" macht einen guten Job bei dieser wiederum in typischer siebziger Jahre -West Coast-Manier arrangierten Scheibe. Auch die Themen der zehn Titel sind typisch für dieses Genre, da werden alle altbekannten Register gezogen - und alle gängigen Klischees bedient.
Striders heller Tenor ist recht angenehm, da kommen schnell Erinnerungen an diverse Kollegen (allen voran Jackson Browne) von den sonnigen Gestaden des Golden State auf. Singen kann er zweifelsohne und recht variabel noch dazu. Der "Apple Pie Song" ist genau das, was man erwartet: Ein fröhlicher Midtempo-Mitträller-Popsong, bei dem eine Lap Steel für willkommene rockige Hinhörer sorgt. Ein eingängiger Opener und als Single sicher die rechte Wahl. Dass dann schon die erste Schmusenummer folgt, überrascht etwas. "You Need Me" mit Zupfgitarre und verhaltener Keyboard-Untermalung bringt Striders Balladenstimme gut zur Geltung. Durchaus abzuspeichern für die 'romantischen Gelegenheiten'.
In diesem Rhythmus geht's denn auch weiter. Tempo rauf mit dem deutlich seichteren "Bridge Of Redemption", runter mit dem ansprechenden "Magnolia Tree" (Ladies first choice ). An Eagles & Co. erinnert "Good Ol' Boy Gone Bad", vor allem wenn Pelle Jernryd seine wirklich astreine Slide sägt. Dass ihm auch die Country-Nummer liegt, beweist Mr. Nice Guy mit "Daddy's Comin' Home", da passt auch das hier staubige Timbre zur Western-Klampfe und zum Klimper-Piano. Die Lap Steel reißt "Workin' Is For People That Don't Know How to Fish" auf, das dazu mit einem ordentlichen Richards-Riff punktet. Für den Rockfan klar mit die stärkste Nummer auf dem Album.
Der Absturz zur nächsten Schnulze "Midsummer's Day" ist gewaltig, Schwamm drüber. Mit "Lazy Sunday Mornin'" und seinem angedeuteten Second Line-Schlepprhythmus lümmeln wir uns zum Finale hin. "There's A Road" funkt mit Memphis Soul-Truppe, Slap-Bass (Maciej Szymczynski), einer starken Robert Cray-Sologitarre (Mikael Gökinan) und einem Strider, der auch röhren kann. Davon hätte es ruhig noch ein paar mehr auf den "Fresh Tracks" geben dürfen, zumal auf dem Tonträger ja noch reichlich Platz ist.
Wie Wolfgang schon bei "White Wings" festgestellt hat, ist das eine 'altmodische' Musik. Ob einem das im Sinne von 'retro' und 'vintage' zusagt oder ob man das nur als 'von gestern' empfindet, ist wohl Geschmackssache. Ordentlich produzierte West Coast-Durchschnittsware - made in Sverige.
Tracklist
01:Apple Pie Song
02:You Need Me
03:The Bridge Of Rememption
04:Magnolia Tree
05:Good Ol' Boy Gone Bad
06:Daddy's Comin' Home
07:Workin' Is For People That Don't Know How to Fish
08:Midsummer's Day
09:Lazy Sunday Mornin'
10:There's A Road
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