Rachael Sage / Delancey St
Delancey St Spielzeit: 49:05
Medium: CD
Label: MPress Records, 2010
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 15.10.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Die Delancey Street ist eine mit vielen Geschäften und Bars richtig lebhafte Straße in Manhattans Lower East Side. Von der dortigen U-Bahnstation aus kann man Brooklyn erreichen. Der Straßenzug ist eine Einkaufsmeile in dem von vielen jüdischen Mitmenschen bewohnten New Yorker Stadtteil. Wie es in dem unterirdischen Bahnhof aussieht kann man sich über einige Bilder im Booklet ansehen. Außerdem hat es sich die Singer/Songwriterin Rachael Sage nicht nehmen lassen, sich für das Coverbild ausdrucksvoll ablichten zu lassen.
"Delancey St" ist das neunte Album der New Yorkerin mit jüdischen Wurzeln und auf ihrem eigenen Label MPress Records erschienen. Abermals bringt es Sage fertig, trotz des langen Line-ups ein sehr persönlich klingendes Album auf die Bein zu stellen. Die Pianistin, Sängerin und Produzentin hat selbstredend Eigenkompositionen am Start. Eine Ausnahme bestätigt die Regel: "Rich Girl" stammt von Daryl Hall.
Rachael Sage öffnet ein Füllhorn an wunderschönen Liedern, für die die Chanteuse hinter Gitter gehört, denn sie entführt den Hörer in ihren eigenen Kosmos aus vielen Genres. Ihr Piano ist quasi immer dabei und die Songs sind um das zentrale Instrument herrlich mit ganz unterschiedlichen Klangkörpern arrangiert. Eröffnet wird die abwechslungsreiche Platte mit einem, aus dem Umfeld der Sage-Musik zu sehenden rockigen "Hope's Outpost". Dabei tariert Russ Johnson mit seiner Trompete die Waage mit einem melancholischen Beitrag aus.
Trotz einiger Nachdenklichkeit strahlt die neue Platte wie ein leuchtender Stern am Singer/Songwriter-Firmament. Mit ihren tollen Kompositionen trifft sie den Hörer direkt ins Herz. Songs wie "Everything Was Red" oder das Uptempo-Stück "Big Star" stehen da nur als Stellvertreter für alle anderen hochklassigen Nummern.
Es ist schon faszinierend, wie es Rachael Sage schafft, ihr musikalisches Sympathie-Lasso um den Hörer zu schlingen, ohne dass sich der in eine auditive Enge getrieben fühlt. "Delancey St" atmet vom geschäftigen Leben und kommt an anderen Stellen auch zu einer nächtlichen Ruhe ("Wasn't It You"). Eine Ballade zum Niederknien. Oh Mann, da muss lange gesucht werden, bis man abermals auf einen vergleichbaren Song anderer Frauen aus dem Business trifft.
Wie bei anderen Künstlern auch, erzählt Sage in ihren Texten Geschichten mitten aus dem Leben. Der Pfiff an vielen von ihr geschriebenen Zeilen liegt in einer feinen Doppelbödigkeit und Augenzwinkerei (zum Beispiel "Big Star"). Bei den von Blindheit geprägten Personen des Musikgeschäfts, gehen Sages Aussagen wie der im Zeitraffer aufgenommene Flug einer Kugel durch eine Glasscheibe unter die Haut:
»you gotta fight your enemies
you gotta fight friends
you gotta fight depression
when the whole thing ends yeah.«
Neben klasse Ausflügen in den Jazz gibt James Mastros twangige Gitarre "Meet Me In Vegas" einen Country-Touch. Immer wieder ist festzustellen, dass die Streicherarrangements einen hohen Stellenwert einnehmen. Ganz am Schluss bietet der luftig-leichte Titelsong Klassik-Sequenzen der feinsten Art. Dazwischen bewegt sich, fast unauffällig, das Akkordeon von Rob Curto. Ein ganz brillantes Ende einer Platte, bei der man von allen Songs hin- und hergerissen wird.
Mit viel Verve, Persönlichkeit, musikalischer Bandbreite und Witz ist Rachael Sage abermals ein wunderschönes, hochklassiges Album gelungen. Wem bereits The Blisterin Sunů beziehungsweise Chandelier gefallen hat, der wird feststellen, dass "Delancey St" alle Anforderungen, die selbst ein verwöhnter Anhänger des Singer/Songwriter-Gewerbes stellt, in vollem Maße erfüllt. Chapeau, Rachael!
Ab dem 27.05.2011 ist das Album auch in Europa erhältlich. Mit "Hey Nah" und dem Bonus Track "Hope's Outpost" (Phil Ramone-Version) gibt es im Vergleich zur US-Ausgabe zwei Songs mehr und ein anderes Artwork.
Line-up:
Rachael Sage (vocals, piano, Wurlitzer, percussion)
Dave Eggar (violin - #2,4,6 - 12)
Russ Johnson (trumpet, flugelhorn - #1,9,11)
Quinn (drums - #3 - 9)

With:
James Mastro (guitar - #3,5,6,8)
Jack Petruzelli (guitar - #1,4,5,7,12)
Ben Butler (guitar - #2,10,11)
Ryan Hommel (guitar - #6, backing vocals - #5,7)
Walter Parks (guitar - #9)
John Loyd (organ - #3 - 5,7)
Rob Curto (organ - #11, accordion - #12)
Antoine Silverman (violin - #7)
Allison Cornell (violin - #11)
Trina Hamlin (harmonica - #1,2, percussion - 2,11)
Will Lee (bass - #5,7)
Todd Sickafoose (bass - #1,2,9,12)
Conrad Korsch (bass - #3,4,8)
Mike Visceglia (bass - #10,11)
Doug Yowell (drums - #1,2,10,11)
Dean Sharp (drums - #9)
Everett Bradley (percussion - #3,4,7,11, backing vocals - #7)
Gregory Douglass (backing vocals - #10)
Seth Glier (backing vocals - #2)
Tracklist
01:Hope's Outpost (2:59)
02:There Is Passion (3:21)
03:Brave Mistake (4:44)
04:Everything Was Red (4:24)
05:Big Star (2:55)
06:Wasn't It You (3:45)
07:Rich Girl (3:11)
08:Meet Me In Vegas (4:19)
09:How I Got By (4:33)
10:Back To Earth (4:02)
11:Arrow (5:54)
12:Delancey Street (4:50)
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