Stefan Saffer / This Is Not A Dark Ride
This Is Not A Dark Ride Spielzeit: 50:26
Medium: CD
Label: Cactus Rock Records, 2013
Stil: Rock


Review vom 26.12.2013


Sabine Feickert
Vorweihnachtszeit Festtage eine Veranstaltung jagt die nächste und vor lauter Menü hier 'All you can eat' da, weiß man kaum noch, wo einem der Magen, geschweige denn der Sinn steht. Zwischen Plätzchen, Glühwein und anderen Leckereien taucht ganz plötzlich der Appetit aufs Einfache aber dennoch Gute auf. Sowas wie ein Käsebrot, ein richtig guter Käse auf einer Scheibe richtig guten Brotes.
Für uns RockTimer geht die Vorweihnachtszeit musikalisch betrachtet schon etliche Wochen. Re-issue hier, Nobeledition da, fette Boxen ('All you can hear') und noch ein paar 'Best Of' zwischenrein, alles schon im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft. Sowas wie Überdruss keimt auf, die Sehnsucht nach was Einfachem aber Gutem. Sowas wie Stefan Saffers "This Is Not A Dark Ride", eine Scheibe, die schon eine Weile geduldig in meinem CD-Stapel liegt, immer mal wieder den Weg in die Anlage findet, aber noch nicht zwingend dringend besprochen werden wollte. Bis jetzt, an einem Abend nach einer der obligatorischen Weihnachtsfeiern. Und der Sehnsucht nach Musik, die noch nicht tausendmal gehört, nicht im neuen Gewand aufpoliert ist.
Mucke, die ehrlich und handgemacht rüberkommt so wie das Bauernbrot, wenn es denn ein wirklich Gutes ist. Mucke, die beileibe nicht das Rad neu erfindet, aber ganz einfach Spaß macht. Saffer ist auch für RockTimes keine Neuentdeckung, begeisterte er doch schon vor über zehn Jahren Manni mit The Dark Frontier und unseren Markus vor gut eineinhalb Jahren mit
From Rebellion To Redemption... And Then Back!. Er war es auch, der mir das Album mit den Worten »das könnte dir auch gefallen« ans Herz legte und damit auf ganzer Linie richtig lag.
Gegenüber den Vorgängeralben hat sich das Line-up auf die typische Viererbesetzung reduziert. Stefan selbst mit Gesang und Gitarre, Alex Wurlitzer als weiterer Gitarrist sowie an der Pedal Steel und Mitproduzent, Jimmy Warwas am Bass und Schlagzeuger Marcus Heinzig werden nur bei "The Hard Road" durch einen weiteren Bassisten (Thomas Kinnigkeit) und Back-up vocals von Angela Hofmann und Kerstin Braun bei "Into The Dark Heart Of My Country" unterstützt.
Ohne die Vorgängeralben zu kennen, stelle ich die Vermutung auf, dass der Musik das abgespeckte Line-up keineswegs geschadet hat oder haben kann. Denn das, was ich hier höre, klingt gut ausgereift, schnörkellos auf den Punkt gebracht, angenehm rau und trotzdem richtig rund. Den Eindruck meiner Vorschreiber, dass Saffers Sound ziemlich 'amerikanisch' klingt, kann ich bestätigen.
Will ich kann ich soll ich jetzt anfangen zu sinnieren? Darüber, dass das Leben manchmal verdammt ungerecht zugehen kann? Dass sich so ein Musiker wie Saffer den Arsch abtourt, innerhalb kurzer Zeit gleich zwei hörenswerte Longplayer mit Substanz rausbringt und damit wohl dennoch im Insider-Status bleiben wird?
Ich geb mal ein paar Anspieltipps. Einer meiner Favoriten ist "This Is Mine And This Is Yours" absolut eingängig und trotzdem durch den brüchigen Gesang und den Hauch Garagendreck mit genug Ecken und Kanten, um sich nicht abzunutzen. "Into The Dark Heart Of My Country" hat für mich was von einem gerade sehr sentimentalen Iren mitschwingen, eine der langsamsten Nummern, die aber eine klasse Atmosphäre und Spannung in sich trägt. Viel flotter und rockiger geht es auf "The Hard Road" weiter, ein Song vom Weitermachen, ganz egal, wieviele Knüppel du auch zwischen die Beine geschmissen kriegst... »'Cause we never give up, we never stand back« - es klingt, als wüsste er, wovon er da singt. Das Thema zieht sich durch die Songs: Mist erleben, weitermachen, Ungerechtigkeiten. "When Justice Walks On Death Row" hat Stefan Saffer Rob Will gewidmet, der 2002 zum Tode verurteilt wurde. Der Text erzählt Robs Lebensgeschichte die Musik erzählt vom Wilden Westen, trappelnd und schwermütig.
Musikalisch zieht sich eine 'dreckige' Energie durch all seine Lieder und trotz der teils schweren Themen macht sie doch auch unheimlich Spaß, ist richtig gut gemacht. Schnörkellos und gut!
Probieren! Kaufen!! Nachschlag fordern!!!
Line-up:
Stefan Saffer (vocals, guitar)
Alex Wurlitzer (guitar, pedal steel)
Jimmy Warwas (bass)
Markus Heinzig (drums)

Additional musicians:
Thomas Kinnigkeit (additional bass - #5)
Angela Hofmann, Kerstin Braun (backup vocals - #4)
Tracklist
01:This Is Not A Dark Ride
02:Surrender And Rejection
03:This Is Mine And This Is Yours
04:Into The Dark Heart Of My Country
05:The Hard Road
06:Number On The Wall
07:No Easy Way To Freedom
08:And She Said
09:When Justice Walks On Death Row
10:Between High Seas And Dark Cities
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