Savatage / Dead Winter Dead (Re-Release)
Dead Winter Dead (Re-Release) Spielzeit: 64:35
Medium: CD
Label: earMusic/Edel, 2011 (1995)
Stil: Prog/Power Metal


Review vom 19.09.2011


Ilka Heiser
Das Konzeptalbum "Dead Winter Dead", ursprünglich 1995 veröffentlicht, ist nun das vierte Release im 2011er Re-Issue-Reigen (zu den drei Vorgängern hat sich Marius ja schon ausgiebig geäußert).
Waren Savatage in den frühen Jahren doch eher dem Power Metal zuzuordnen, deutete sich schon 1989 mit der Veröffentlichung von Gutter Ballet ein Stilwechsel an: Weg vom ungeschliffenen, rauen Sound - hin zu wesentlich komplexeren Kompositionen. Als im Jahr 1991 dann "Streets - A Rock Opera" veröffentlicht wurde, setzten Savatage ihrem eingeschlagenen Kurswechsel die Krone auf - sie präsentierten ein richtiges Konzeptalbum. Dabei wurden sowohl progressive als auch klassische Einflüsse verarbeitet, so dass die Band immer mehr der Kategorie 'Prog Rock/Metal' zugeordnet werden musste. Leider fand "Streets - A Rock Opera" nicht die gewünschte Beachtung, doch davon ließ sich die Band nicht entmutigen.
Das mir nun vorliegende Konzeptalbum Dead Winter Dead befasst sich mit der traurigen Thematik des Bosnienkrieges (1992 - 1995).
Ein düsteres Thema erfordert natürlich auch ein ebenso düsteres Songwriting, für das in erster Linie die beiden Kreativ-Köpfe Paul O'Neill und Jon Oliva verantwortlich zeichneten. O'Neill schrieb die kompletten Lyrics dazu.
Diese Platte (Fluch und Segen zugleich für Savatage, aber dazu komme ich später noch) gehört übrigens zu meinen Faves der Band, auch wenn der 'Mountain King' hier bereits den Platz am Mikro für Zachary Stevens geräumt hat. Der neue Frontman bewältigt diesen Job jedoch grandios, davon kann man sich hinreichend überzeugen. Auch Chris Caffery ist wieder zurück an Bord (nachdem Alex Skolnick, der den 1993 nach einem tragischen Unfalltod verstorbenen Criss Oliva ersetzte, die Band verlassen hatte) und schwingt gemeinsam mit Al Pitrelli die Axt.
Eine neue Ära wird eingeläutet - Savatage perfektionieren ihren Sound und präsentieren sich den Fans als Bombast-Rocker. Das zeigt sich bereits mit dem alles niederwalzenden, symphonisch-orchestralen Intro, das mir gleich nach den ersten Tönen Gänsehaut beschert. Jede Menge klassische Elemente dominieren die Songs, wie bei dem sich mehr und mehr steigernden "Starlight", dem aggressiven "I Am" (nicht zu überhören, dass Jon Oliva das Mikro übernommen hat), dem komplexen "This Isn't What We Meant" oder dem mit wunderbarem Satzgesang versehenen "Not What You See". Hier kommen sogar Erinnerungen an die göttlichen Queen auf, genau so wie auch bei "This Is The Time".
Die beiden Instrumentalstücke "Mozart And Madness" sowie "Memory [Dead Winter Dead Intro]" lassen ebenfalls keinen weiteren Zweifel über die musikalische Ausrichtung der Band aufkommen.
Immer wieder gekonnt ist der Spagat zwischen filigranen und schweren Riffs sowie heavy rockenden und balladesken Melodien ("One Child", "Sarajevo"). Dazu gibt es wunderbare Gitarrenduelle zwischen Caffery und Pitrelli.
Natürlich ist nicht nur klassischer Bombast zu hören, hin und wieder wird auch kräftig gerockt, ganz so wie in alten Tagen. "Doesn't Matter Anyway" (hier singt noch einmal Jon Oliva) knüpft an die glorreichen Power Metal-Zeiten an und auch der fulminante Titel-Track zeigt uns klar und deutlich, wo der Rock-(Über-)Hammer hängt.
Das Songmaterial ist vom Feinsten, "Dead Winter Dead" bescherte der Band nun den endgültigen Durchbruch, die Zeit der einfach gestrickten Songs war Geschichte. Und dennoch sollten lediglich zwei Studioscheiben (1997 "The Wake Of Magellan" sowie 2001 "Poets And Madmen") folgen, bis im Dezember 2007 Jon Oliva das endgültige Aus von Savatage verkündete.
Für Savatage blieb keine Zeit mehr, denn zwischenzeitlich hatte sich das 1996 von Oliva und O'Neill gegründete Trans-Siberian Orchestra (kurz TSO) zu einer festen Größe in der Rockszene gemausert und feiert nach wie vor großartige Erfolge. Aber das ist eine andere Geschichte.
Man kann also festhalten, dass im Grunde der eingeschlagene musikalische Kurswechsel verantwortlich war für das Sterben von Savatage.
Das 2011er Re-Release enthält noch zwei Bonustracks: jeweils eine Akustikversion von "Miles Away/Follow Me" und "When The Crowds Are Gone". Beigelegt wurde dieser Veröffentlichung noch ein fettes Booklet, in dem nicht nur sämtliche Linernotes und Songtexte enthalten sind; Jon Oliva hat dieses noch durch ein paar Zeilen zur Entstehung von "Dead Winter Dead" ergänzt.
Übrigens, folgenden Hinweis des Promoters möchte ich euch nicht vorenthalten: »Für alle Jäger und Sammler wird ein besonderer Anreiz geboten: alle Veröffentlichungen aus dem Savatage-Backkatalog ergeben nebeneinander gestellt den Schriftzug der Band. Ein Highlight im CD-Regal!«
Nun dennů - macht eure Euronen lockerů Es lohnt sich!
Line-up:
Zak Stevens (vocals)
Jon Oliva (keyboards, additional vocals)
Al Pitrelli (guitar)
Chris Caffery (guitar, keyboards)
Johnny Lee Middleton (bass)
Jeff Plate (drums)
Tracklist
01:Overture (1:49)
02:Sarajevo (2:31)
03:This Is The Time [1990] (5:39)
04:I Am (4:32)
05:Starlight (5:38)
06:Doesn't Matter Anyway (3:47)
07:This Isn't What We Meant (4:12)
08:Mozart And Madness (5:01)
09:Memory [Dead Winter Dead Intro] (1:18)
10:Dead Winter Dead (4:19)
11:One Child (5:13)
12:Chrismas Eve [Sarajevo 12/24] (3:24)
13:Not What You See (5:03)

Bonustracks:
14:Miles Away/Follow Me (5:47)
15:When The Crowds Are Gone (6:28)
Externe Links: