Saxon / Rock The Nations
Rock The Nations Spielzeit: 77:51
Medium: CD
Label: EMI, 2010 (1986)
Stil: Heavy Metal


Review vom 09.02.2010


Andrea Groh
»Give us the stage
Turn on the lights
Fire up the sound
We'll rock the nations«


verkündet das Titellied der achten Saxon-LP seit der Bandgründung 1977.
Nachdem zunächst Saxon, Wheels Of Steel und Strong Arm Of The Law, gefolgt von "Demin And Leather", "Power And The Glory" und "Crusader" 2009 eine aufwändige Wiederveröffentlichung erfahren hatten, ist nun, 2010, das nächste Dreierpack dran, bestehend aus:
Innocence Is No Excuse , "Rock The Nations" und Destiny.
Rückblickend zeigt sich, wie aktiv die Band damals war (und bis heute ist), sowohl was die Veröffentlichungen von Longplayern angeht als auch das Touren.
Dazu passt auch das Cover von "Rock The Nations", das eine ganze Schlucht voller Zuschauer mit Fahnen verschiedener Länder zeigt (was wohl Inspiration für Manowar darstellte), wobei, wenn die Verhältnisse wirklich so gewesen wären, hätten die hinteren Zuschauer schon Adleraugen gebraucht um den Saxon-Adler auf der Bühne richtig erkennen zu könnenů
Der Vorgänger "Innocence Is No Excuse" hatte Kritik geerntet, weil er vielen Fans zu glatt gebügelt und melodisch erschien. Also sollte "Rock The Nations" wieder mehr an die früheren Werke erinnern, härter und rauer sein, was zumindest zum Teil gelang.
Die Musik ist insgesamt schon etwas heavier, wirkt weniger kommerziell, was man auch über die Produktion sagen. Dennoch klingt diese für meinen Geschmack allerdings zu schraddelig.
"Rock The Nations" startet stark, lässt dann aber nach. Einerseits ist es wieder metallischer, andererseits finden sich darauf, hm wie soll ich es nennen, merkwürdige Tendenzen. Weitere Anbiederungen an den amerikanischen Markt? Experimente mit anderen Musikrichtungen? Glam-Einflüsse? Ich bin mir nicht sicher, was genau das darstellen soll.
Nur: Traditioneller britischer Heavy Metal ist es nicht mehr bei allen Songs.
Doch genau das erwarten die Fans und es stellt(e) sich die Frage, ob Saxon sich damit einen Gefallen getan haben. Sicher, man sollte einer Band Weiterentwicklung und auch mal Über-den-Tellerrand-Blicken zugestehen, doch dies kam hier nicht wirklich überzeugend rüber. Da half es auch nicht, einen solch prominenten Gastmusiker wie Elton John mit an Bord zu haben (um Metalheads zu begeistern war das bestimmt nicht die passende Wahl).
1986 - eine Zeit, in der viele junge Bands und neue Stilrichtungen den Markt zu erobern begannen und in dem Metallica "Master Of Puppets" herausbrachten - war das Interesse an alten britischen Bands gesunken, weil neue Helden im Rampenlicht standen.
Das war kein guter Zeitpunkt für schwächelnde oder etwas orientierungslose alte Schlachtschiffe.
Gelegenheitshörer wandten sich ab und unter den Fans gab es kritische Stimmen, die treuesten hielten Saxon weiterhin die Stange: diejenigen, die grundsätzlich alles von ihrer Band haben wollten.
Diese werden sich bei "Rock The Nations" über die aufwändige Neuauflage freuen. Wie schon bei den Vorgängern gibt es einiges an Bonusmaterial, welches die CD aufwertet und den musikalischen Wert steigert. Denn seltsamerweise überzeugen diese Songs teilweise mehr als das reguläre Material und haben auch einen besseren Sound. Damit lohnt sich die Veröffentlichung dann schon, denn wie gesagt, "Rock The Nations" hat auch Highlights, nämlich die ganze erste Seite.
Das Booklet wurde ebenfalls wieder schön gestaltet: Mit alten Bildern, Lyricsheet-Replika und einleitenden Worten, dieses Mal von Dom Lawson (Metal Hammer). Dort ist unter anderem zu erfahren, dass Paul Johnson zwar im Line-Up gelistet ist, aber die Bass-Spuren von Biff eingespielt wurden.
Line-up:
Biff Byford (vocals, bass)
Paul Quinn (guitar)
Graham Oliver (guitar)
Nigel Glocker (drums)

Guest:
Elton John (piano on # 7,9)
Tracklist
01:Rock The Nations (4:41)
02:Battle Cry (5:26)
03:Waiting For The Night (4:52)
04:We Came Here To Rock (4:19)
05:You Ain't No Angel (5:29)
06:Running Hot (3:36)
07:Party Til You Puke (3:26)
08:Empty Promises (4:11)
09:Northern Lady (4:43)

Bonusmaterial:
10:Chase The Fade (B-side of Waiting For The Night)
11:Waiting For The Night (7" Single Edit)
12:Northern Lady (7" Single Edit)
13:Everybody Up (Live In Madrid) (B-side of Northern Lady)
14:Dallas 1 pm (Live In Madrid) (B-side of Northern Lady)

BBC Live at Reading Rock Festival 1986
15:Power And The Glory
16:Rock The Nations
17:Waiting For The Night
Externe Links: