|
"Colors For Your Ears": Kann man seinen Fans mit schöneren, besseren oder treffenderen Worten ein Album ankündigen? Wohl kaum.
Zehn Stücke, allesamt aus der Feder des Gitarristen und Sängers Olaf Kalemba warten darauf, entdeckt zu werden. Und zu entdecken gibt es einiges. Gleich der Opener "Eavesdropping" entführt in ungewohnte Gefilde: Eine Nummer mit dominantem Latin-Touch, die durch die Bläserabteilung groovig fließt und auch durch den Gitarrenpart nicht aus dem Rhythmus läuft.
Auch in "Miles & Miles" gibt es erstmal einen (leichten) Latin-Anstrich, der per Bläser- und Rhythmussection gekonnt, wie aus dem Ärmel geschüttelt, zum Mitmachen anregt. Dann driftet der Song in einen Gitarren-geführten Jam und animiert zum Abspacen. Genial ist das.
Zähle ich die Livescheiben der Band, die der 'alten Tradition' gemäß das Mitschneiden ihrer Shows erlaubt, mit, dann stehen schon einige Rundlinge der Band in meinem Regal. Die offiziellen sowieso und daher erlaube ich mir zu sagen, dass "Colors For Your Ears" die ausgereifteste Platte der Band vom Niederrhein ist. Logisch, mag man einwenden, die letzte Veröffentlichung ist meistens die 'erwachsenste'. Mag sein und vielleicht erbt der Nachfolger dieses Attribut, aber es ist schon so, dass die Julls nicht mehr unbedingt eine unlösbare Verbindung mit dem Jam-Genre eingehen. Latin, leichte Jazz-Attitüden, Blues, Rock... haben, wenn auch immer in der typischen Schluff Jull-Leichtigkeit, Einzug gehalten. Und das eröffnet der Band neue Fans und macht "Colors For Your Ears" extrem spannend.
Altes wurde beibehalten, wie z. B. die irre Gitarrenarbeit im balladesken "Not A Game" oder Schorschs enorm gefühlvolle Trompetenparts ("Way Beyond The Moon"), um die sich die Nummer dezent aufbaut und anschmiegt. Neues kam hinzu, wie beispielsweise der Blues-Rocker "Left Bank Blues". An vielen Ecken und Enden kann man Neues entdecken, ohne Bekanntes zu vermissen. Der 14-minütige Über-Jam "On The Edge" lässt das Jam-Herz hoch, sehr hoch schlagen. Man darf abdriften, sich gar an floydigen Gitarrenpassagen erfreuen. Überhaupt, die Gitarrenarbeit: Unter tausenden Licks und Soli wird Olafs Stil immer herauszuhören sein, ja die komplette Mannschaft ist eine Einheit, die untrennbar miteinander verbunden zu sein scheint und wenn man sie schon mal live erlebt hat, weiß man, dass dies tatsächlich so ist. Bisschen mehr Background gibt es hier zu lesen.
 Songs, die beim ersten Hören vielleicht nicht unbedingt nach Schluff Jull klingen ("Hollow"), werden schnell zu 'guten Bekannten', wenn der typische Bandsound (Bläser, Gitarre sowie der typische Groove) das Ruder an sich nimmt.
Fantastisch, wie im "61 Roadsong" zwischen funkigem, rhythmusbetontem Monstergroove und Gitarren-Jam hin und her geschaltet wird. Diese Dichte und 'Flächendeckung' kann man nicht mit drei Musikern zaubern. Das Zehner-Kollektiv aus Viersen mit den zwanzig Händchen für mitreißenden Groove schafft das mühelos.
Das sind in der Tat "Colors For Your Ears"!
Line-up:
Olaf Kalemba (guitar, vocals)
Heinz Wiskozil (guitar, background vocals)
Thomas 'Tommi' Holtschoppen (keyboards, background vocals)
Detlef Jacobs (bass)
Karl-Heinz 'Kalla' Bockholt (drums)
Michael Becker (percussion)
Georg Rikken (trumpet, flugelhorn)
Horst Schulz (alt sax, sopran sax, background vocals)
Jürgen Liebert (tenor sax)
Michael Arndt (sound)
| Tracklist |
01:Eavesdropping (3:57)
02:Stargazer (5:04)
03:Not A Game (5:22)
04:Miles & Miles (5:48)
05:Way Beyond The Moon (6:24)
06:Today's A Rainy Day (3:13)
07:On The Edge (13:47)
08:Left Bank Blues (4:20)
09:Hollow (6:07)
10:61 Roadsong (5:39)
|
|
|
Externe Links:
|