Shadowland / Edge Of Night
Edge Of Night Spielzeit: ca. 200:00
Medium: DVD
Label: Metal Mind Productions, 2009
Stil: Neo Progressive Rock

Review vom 14.10.2009


Daniel Kurfess
Wohl zu meiner Schande muss ich gestehen: Die britischen Neo-Progger Shadowland waren mir bis zu dieser Live-DVD kein Begriff. Dieser Umstand lässt sich, so nehme ich an, in erster Linie mit der zwölfjährigen Band-Pause von 1996 bis 2008 und meinen jungen 23 Jahren erklären. An der musikalischen Ausrichtung der Insulaner kann es kaum gelegen haben, an derer musikalischen Begabung noch weniger.
Die Shadowland-Reunion-Tour anfang diesen Jahres führte die Gruppe unter anderem nach Polen ins Teatr Slaski. Das gediegene Theater mittlerer Größe entpuppt sich im Laufe der Show schnell als besonders glückliche Wahl für die ersten Live-DVD-Aufnahmen der Prog-Rocker. Das Akustik-Intro "A Matter Of Perspective", begleitet von Clive Nolans klarer, wenn auch nicht übermäßig kraftvoller Stimme, lässt den Zuschauer auch hinter der Mattscheibe (oder dem Plasmaschirm) in die richtige Atmosphäre gleiten. Gepaart mit den verträumten Keyboard-Melodien und schwärmerischen Gitarrensoli sorgt der stimmungsvolle Veranstaltungsort für außerordentlich ausdrucksvolle Unterhaltung. Das Songwriting aus der Feder von Projektinitiator Clive Nolan besticht durch subtiles Feingefühl: Egal von welchem Album (Shadowland veröffentlichten in ihrer ersten, recht kurzen aktiven Phase drei Platten), den Kompositionen gelingt die Gratwanderung zwischen poppiger Song-Orientierung und progressiver Tiefe unbemüht und sehr glaubwürdig.
Etwas epischer schreitet man in "Mephisto Bridge" zu Werke. Aber auch das liegt den Neo-Proggern, deren tiefere Wurzeln nicht bloß lyrisch im frühen Hard Rock liegen, vorzüglich. Der nächste Höhepunkt folgt im direkten Anschluss: Das rein instrumentale "The Kruhulick Syndrome" mit Clive Nolan am (Piano-) Keyboard ist ein technischer Leckerbissen und verdankt seinen zauberhaften Melodien auch einen hohen Grad an Eingängigkeit und Kurzweil. Das fleißige Multitalent Nolan durfte seine Fingerfertigkeit übrigens schon mehrmals in den Synthie-Soli zu Arjen Lucassens Über-Projekt Ayreon unter Beweis stellen. Schnell Gefallen findet man auch an Karl Grooms präzisem und beseelten Gitarrenspiel. Beeindruckend, wie rund und mit welcher Exaktheit Shadowland das komplette Set aus ihren Instrumenten und Mikros zaubern.
Die Aufnahmen bestechen durch hohe optische Qualität, einen sinnvollen Schnitt zwischen mehreren Kameras und einen kräftigen, differenzierten Sound. Neben dem kompletten Konzert finden sich auf der DVD noch ein Interview, eine Dokumentation mit dem Titel "Shadowland Live in Holland 2009", eine Fotogalerie und Bildschirmhintergründe. Das klingt nach einer wahren Vollbedienung für Fans und einer verlockenden Einstiegsdroge für Unwissende wie mich, die Shadowland erst knapp zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung kennen lernen. Bestellen lässt sich "Edge Of Night" beispielsweise über Amazon als UK-Import zum Preis von aktuell 24.99 Euro. Klingt fair.
8 von 10 RockTimes-Uhren
Line-up:
Clive Nolan (vocals & piano)
Mark Westwood (bass & acoustic guitar)
Karl Groom (guitar & backing vocals)
Mike Varty (keyboard & backing vocals)
Nick Harradence (drums)
Tracklist
01:A Matter Of Perspective
02:The Hunger
03:The Whistleblower
04:Mephisto Bridge
05:The Kruhulick Syndrome
06:The Waking Hour
07:Painting The Numbers
08:Hall Of Mirrors
09:The Edge Of Night
10:U.S.I.
11:The Seventh Year
12:Jigsaw
13:Dreams Of The Ferryman
14:Ring Of Roses
Externe Links: