Speedrecorder / Something To Hold Onto
Something To Hold Onto Spielzeit: 58:56
Medium: CD
Label: 1906/housemaster records, 2008
Stil: Blues Rock

Review vom 06.10.2008


Joachim 'Joe' Brookes
Das ist ja schon einmal klasse: Seattlouis steht auf der Speedrecorder-MySpace-Seite und der Saarlouis-Vierer scheint auf ihrer live im Studio eingespielten CD "Something To Hold Onto" den Rock'n'Roll gepachtet zu haben, denn sie fahren mit einem ganz großen Sound aus dem weiten Feld des Rock auf.
Wie singt Dirk Vier in "Out Of Nowhere":
»mary jane is my friend
and Rock 'n Roll is the drug
keep your mind open for inspirations from above«
Alles, was man braucht ist der Rock'n'Roll. Stimmt... für die Musik und Eingebungen zum Entwickeln neuer Ideen.
Ansonsten braucht man natürlich schon ein wenig bis viel mehr, um dem Leben ernsthaft und ohne schlechtes Gewissen ins Auge sehen zu dürfen.
Nach einer 4-Track-Platte aus dem Jahr 2005 mit dem Titel "Speedrecorder EP" war man auf einigen Samplern zu finden, unter anderem bei der 18. Ausgabe der Finest Noise-Compilation (2007) sowie "Lieder und Gesänge Vol. 1", ebenfalls 2007 veröffentlicht.
Beide Male war man durch den Song "Actor Without A Scene" vertreten, der auch auf der vorliegenden Speedrecorder-Debüt-CD "Something To Hold Onto" zu hören ist.
Immerhin, das Quartett scheint dem Gerstensaft nicht abgeneigt zu sein, wie der Gimmick-Opener "Magic Can" verdeutlicht. Bier aus der Dose, der Supergau, nur im größten Notfall und der möge nie eintreten.
Wie dem auch sei, mit "Actor Without A Scene" werden schon einmal Eckpfeiler der Speedrecorder-Mucke einbetoniert. Heftige etwas über zwei Minuten beschallen die heimischen vier Wände in bester Stoner Rock-Manier mit kurz-knackigem E-Gitarren-Solo und es werden einem jede Menge Riffs um die Ohren gehauen.
Auch "Normality Is Boring" treibt die Sau durchs Dorf und geschicktes vielse(a)itiges Riffing erweist sich recht schnell als einer der Trademarks der Band. Zeitweise ist man sogar mit drei 6-Saitern unterwegs, denn Stefan Reck greift in nicht weniger als acht Nummern zur Rhythmus-Gitarre.
Die Vocals kommen einerseits rotzig-dreckig, andererseits recht melodisch rüber und Dirk Vier hat den Rock'n'Roll auch in den Stimmbändern, besonders, wenn er die Text-Message in die Welt schreit.
Die in höheren Gängen gespielten Songs haben stets eine Stoner- bzw. Grunge-Glasur. Man entdeckt immer wieder schöne Melodien, die die E-Gitarren liefern und mit einigen Gästen verpasst man diversen Tracks eine ganz besondere Note.
So z.B. "A Thousand Pieces" mit Veronika Bier am Cello. Tolle Variante, die dem etwas ruhiger gehaltenen Song Würze gibt.
Ihr Instrument passt sehr gut zu den Gitarren und in einem weiteren Track ist Bier, mehr zur Geltung kommend, nochmals zu hören: "Once In A Lifetime", eine Ballade die zeigt, dass es Speedrecorder auch in der langsameren Gangart verstehen zu gefallen. Übrigens singt hier der Schlagzeuger Ryan Schafer und nach den letzten etwas über drei Song-Minuten der Platte stellt sich die Frage, warum der Drummer nicht öfters zum Gesangsmikrofon gegriffen hat?
Weil es so schön war, haben Speedrecorder eine weitere Ballade im Köcher...
"Endless", in dem sich Christian Jenal für das emotionale E-Gitarren-Solo verantwortlich zeigt. Wie bereits in den anderen schon erwähnten Songs findet sich auch hier ein zweites Markenzeichen der Gruppe: klasse Breaks, gepaart mit Tempiwechseln und ansprechenden Hooklines.
Ein weiterer Gast ist der mittlerweile in Deutschland lebende Waliser John Colbourne, der in "The Road" mit dem Bottleneck die Saiten seiner E-Gitarre bearbeitet. Tolle Einlage, die zeigt, dass Rock und Slide durchaus eine Einheit bilden können.
Als Rosinenpicker empfehle ich, in "Spiral Galaxies" und ganz besonders in das zeitweise groovende "My Addiction (Needs A Day Off)" reinzuhören. Es lohnt sich!
Die erste Langrille ist ja noch nicht das Ende der Fahnenstange, sondern erst der Anfang. Speedrecorder können überzeugen und sollten für die Zukunft vielleicht noch am Gesang feilen.
Das achtseitige Booklet ist sehr schön gestaltet und enthält alle notwendigen Informationen, allerdings keine Texte. Die kann man dafür auf der Band-Homepage nachlesen. Auch ein guter Service.
Insgesamt pendelt sich "Something To Hold Onto" bei 7 von 10 RockTimes-Uhren ein.
Line-up:
Dirk Vier (vocals, rhythm & lead guitars, spanish solo - #10, organ - #14, samples - #13)
Christian Jenal (solo guitar - #2, 5, 8, rhythm guitars - #2, 11, 13, introsolo - #4)
Andy Kirsten (bass, samples - #3, 13, solo guitar intro - #15)
Ryan Schafer (drums, vocals - #15, backing vocals, organ - #14)
Stefan Reck (rhythm guitars - #3, 4, 5, 7, 8, 9, 12, 14)
John Colbourne (slide guitar - #10)
Veronika Bier (cello - #8, 15)
Fritz Schumann (spoken words - #13)
Tracklist
01:Magic Can (0:19)
02:Actor Without A Scene (2:20)
03:Normality Is Boring (3:35)
04:The Light Of A New Time (4:30)
05:Endless (4:00)
06:My Addiction (Needs A Day Off) (3:23)
07:Hold On, Deny! (4:36)
08:A Thousand Pieces (5:21)
09:Spiral Galaxies (2:40)
10:The Road (4:19)
11:Surveillance (4:46)
12:Like An Irukandji (4:34)
13:Diabolic Greed (6:08)
14:Out Of Nowhere (4:40)
15:Once In A Lifetime (3:20)
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