Straight Arrows / It's Happening
It's Happening Spielzeit: 24:55
Medium: CD
Label: Agitated Records (Cargo Records), 2013 (2010)
Stil: Beat/Rock/Punk/Psychedelic


Review vom 05.09.2013


Sabine Feickert
»Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte...« so sagt der Volksmund und hat zumindest in diesem Falle vollkommen recht. Denn während sich Zwei darüber stritten, ob das nun Punk ist oder nicht, freute ich mich. Beim Anblick des Covers überkamen mich dann erstmal Zweifel... sieht so psychedelisch aus mit diesen bunten Pilzen. Australische bunte Pilze – genaugenommen. Leider nur eine kleine Portion, hier hätte ich gern eine Riesenkelle Nachschlag.
Auf der knappen halben Stunde "It's Happening" ist alles versammelt, was einem Tontechniker normalerweise Magenkrämpfe, Fußpilz und Haarausfall beschert. Es scheppert, knistert, hallt und quarzt aus den Boxen was das Zeug hält. Entweder hat die Truppe um Owen Penglis bei ihrer Premiere genial dilettiert oder sie sind wirklich genial.
Ich hab versucht, meine Anfangseuphorie abklingen zu lassen, die Platte zigfach gehört (wirkt wie ein vierfacher Espresso!!). Zu den unterschiedlichsten Anlässen – beim Putzen, im Auto, einfach so... das Teil macht Laune, aber so richtig!! Da klingt die halbe Rockgeschichte durch und trotzdem haben die Australier ihr ganz eigenes Ding gemacht, das sehr wahrscheinlich polarisiert – ich gehöre zu denen, die sie lieben!!
Ich stell mir vor, da haben sich Vier gefunden, die den Rock'n'Roll mit der Muttermilch aufgesogen haben und danach mit einer abwechslungsreichen Beikost aus Punk, Garage und reichlich britischem Beat gefüttert wurden. Ihre Wiegenlieder stammten von den Kinks, Stones, Who, frühen Stranglers und manchmal auch Tante Patti. Auf'm Spielplatz droschen sie wahrscheinlich mit den Schaufeln auf die Sandeimer wie Carmine Appice, schlugen mit Stöcken an die Schaukel und schrien dazu, was das Zeug hält. Statt Räuber und Gendarm spielten sie Mick und Keith.
Vier, die sich 'nen feuchten Kehricht darum scheren, was angesagt ist und ihren ganz eigenen, energiestrotzenden und ziemlich schrägen Weg gehen. Einen dahinrotzen, dass Dir Hören und Sehen vergeht.
Los geht’s mit schlechter Laune ("Bad Temper"), 'ne Nummer, die selbige - zumindest bei mir - garantiert schon mit den ersten Takten wummernd und scheppernd vertreibt. In den sehr spärlichen Hintergrundinformationen zur Band fand ich übrigens irgendwo die Anekdote, dass Owen seine Wut darüber, aus allen Bands rausgeschmissen zu werden, auf eine 4-Track-Kassette schrie, die der Beginn der Straight Arrows werden sollte. Gut vorstellbar, dass diese Nummer darauf enthalten war. "It Begins" bringt dann nochmal Geknüppel mit viel Spaß in den Backen. "Magic Sceptre" zeigt erste Einflüsse der Coverbildpilze, ein psychedelischer Waber liegt über dem Song, der mit Rückkopplungen ausklingt. "Mind Control" hat was Punkiges im Sinn, ist dabei aber auch very british, mit mehrstimmigem Gesang.
"Gone" (wie so einige andere Nummern auch) beginnt mit Einzählen, verbreitet so ein nettes Proberaumflair und wirkt noch britischer als der Vorgänger. "Something Happens" – hier gibt Drummer Adam Vollgas und treibt das ohnehin schon flotte Tempo noch mehr an. Geruhsamer dann "It Happens Again" mit Gitarre, Bass und Harmonika als Tonangeber. Doch schon "From The Start (Get It)" rumpelt wieder volles Rohr.
Bei "Haunted Out" kommt mir die Hookline von Spliffs "Heut Nacht" in den Sinn. In "Golden Torch" meine ich sogar fast Kirchenglocken in den klingelnden Gitarren- und Bassläufen zu erkennen. Und der Rausschmeißer "Running Wild" lässt nur eine Handlung zu – wild zur Anlage rennen und die Starttaste nochmal drücken, wahlweise die Platte umdrehen und nochmal laufen lassen. Denn ich hab hier zwar eine CD-Version, aber das Teil gibt es auch als Vinyl und wenn das bei einer ziemlich neu erschienenen Scheibe Sinn macht, dann bei dieser.
Sie wurde auf Fünfziger-Jahre-Equipment in Tim Dones musealem Heimstudio schon vor drei Jahren eingespielt. Agitated/Cargo haben sich der Truppe angenommen und bringen ihren Erstling nun, drei Jahre nach seinem Erscheinen in Down Under, nach Europa – hoffentlich dauert es nicht wieder solange, bis der Nachfolger die halbe Erdumrundung geschafft hat. Wie Ihr das unterstützen könnt, wisst Ihr ja selbst!
Achso – und die Sache mit dem Punk? Jaaa schon auch, aber auch noch viel mehr!
Line-up:
Owen Penglis (vocals, guitar, harmonica)
Alex Grigg (vocals, guitar)
Angela Bermuda (vocals, bass guitar)
Adam Williams (vocals, drums)
Tracklist
01:Bad Temper
02:It Begins
03:Magic Sceptre
04:Mind Control
05:Gone
06:Something Happens
07:It Happens Again
08:From The Start (Get It)
09:Haunted Out
10:Golden Torch
11:Running Wild
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