The Stranglers / Original Album Classics
Original Album Classics Spielzeit:
Feline (39:15)
Aural Sculpture (42:33)
Dreamtime (43:22)
All Live And All Of The Night (52:16)
10 (36:31)
Medium: CD-Box
Label: Epic/Sony Music, 2009 (1983 - 1990)
Stil: New Wave


Review vom 07.10.2009


Joachim 'Joe' Brookes
Das Leben ist oft kurios.
Das Musikerleben im Allgemeinen auch und das von Hugh Alan Cornwell sowieso. Wie viele Künstler fingen in einer Schülerband an? Unzählige bestimmt. Mit Cornwell war es nicht anders. Emil & The Detectives hieß die Gruppe, in der er zusammen mit seinem Freund Richard Thompson spielte.
Nach dem Schulabschluss ging es sozusagen klassisch weiter. Cornwell besuchte die Universität in Bristol und verließ sie nach seinem Abschluss in Biochemie. Es verschlug ihn nach Schweden und auch dort war er, neben seiner Forschungsarbeit, musikalisch tätig. Die Band Johnny Sox wurde von ihm gegründet. Der naturwissenschaftlichen Arbeit überdrüssig, überzeugte er seine aus amerikanischen und schwedischen Musikern bestehende Gruppe davon, dass sich das Heil für eine Karriere besser in der englischen Metropole London verwirklichen ließe.
Ohne einen Drummer kam man in der britischen Hauptstadt an. Hier kam Jet Black auf den Plan. Zunächst als Geschäftsmann tätig, wollte auch er in Musik machen und zwar professionell. Schließlich brachte eine Anzeige im Melody Maker Cornwell sowie Black zusammen. In einer halbstündigen Session spürte man Verbundenheit und mit fast Nichts in der Tasche ging man auf Blacks Vorschlag ein, in die Nähe von Guildford zu ziehen, denn dort hatte man zumindest ein Dach über dem Kopf, um es salopp zu formulieren.
Proben und nichts als Proben...
Black kam zu der festen Überzeugung, dass es, mit Ausnahme von Cornwell, mit den anderen Leuten zwecklos war zusammenzuarbeiten. Durch Zufall lernte man Jean Jacques Burnel, einen unentschlossenen Grünschnabel, der eher Karate als Musik im Kopf hatte, kennen. Hans Warmling aus Schweden machte aus dem Trio ein Quartett. Diese Liaison hielt allerdings nicht lange und stattdessen wurde der Keyboarder Dave Greenfield angeheuert.
Es schlug die Geburtsstunde der Stranglers, die sich zunächst allerdings Guildford Stranglers nannten.
Gigs und nichts als Gigs... führten schließlich zu einem Plattenvertrag.
Aufsässig, provokant und rüpelhaft war die Band The Stranglers in ihren Kinderschuhen. Bei ihrer musikalischen Achterbahnfahrt erspielten sich eine treue Fangemeinde und ihre gelobte Debütplatte "Rattus Norvegicus" war schon nicht die reine Lehre des Punks.
Mit der Wildheit und Bissigkeit von "No More Heroes" setzte man noch einen oben drauf und die Combo blieb weiterhin auf der Erfolgsspur. Eine Platte, mit der sich die Stranglers einen Platz an der Sonne der Öffentlichkeit erspielten.
Weitere Alben brachten ihnen spärliche Hits.
1981 erschien dann "La Folie". Darauf befand sich ihr wohl größter Erfolgssong: "Golden Brown". Mit dieser ausgekoppelten Single wurden sie schließlich auch in Deutschland zu einem Renner und die Zeiger deuteten steil nach oben.
1982 gab es einen ersten Rückblick auf die Karriere. Schlicht und einfach "The Collection 1977 - 1982" betitelt war dieser Sampler eine Best Of-Show der Band. Er enthielt zum Beispiel "Peaches" oder "(Get A) Grip (On Yourself)" aus der Frühphase als auch "Nice 'N' Sleazy" vom Album "Black And White".
FelineMit der folgenden CD "Feline" (1983) beginnt die vorliegende "Original Album Classics"-Box und sie beinhaltet die weiteren Veröffentlichungen von "Aural Sculpture", "Dreamtime", "All Live & All Of The Night" sowie "10" (1990).
Die Inhalte der einzelnen Platten, in einem stabilen Schuber untergebracht, verfügen leider allesamt über keinen einzigen Bonustrack oder ein Booklet. Bei allem Respekt ist das bestimmt als Wermutstropfen zu werten. Schade, sehr schade! Ausgleichend dafür gibt es das Paket zum schlanken Preis.
"Feline" markiert in der Diskografie der Stranglers nicht gerade einen großen Schritt nach vorne. Allerdings ist der Rundling mit einigen, auch wiederholt hörenswerten Tracks bestückt. Es geht schon mit dem Opener "Midnight Summer Dream" und seiner vertrackten Rhythmik los. Dennoch hat der Song einen guten Groove und den Rest macht der fast gesprochene Gesang aus. Eine ziemlich von Keyboards angetriebene Sache, im Gegensatz zu "It's A Small World" mit mehr Gitarre von Cornwell.
Leider macht "Ships That Pass In The Night" keine so gute Figur, weil es fast eine Kopie des Vorgängers ist. Aber dann folgt "The European Female" mit einer toll aufspielenden akustischen Gitarre, Latinfeeling und auf klassisch eingestellte Tastenklang. Die Streitsüchtigkeit früherer Jahre ist einem sehr melodischen Sound gewichen. The Stranglers haben ohne Zweifel einen guten Dreh in die Achtzigerjahre geschafft, auch wenn man sich den Schmeichler "Let's Tango In Paris" oder das mächtig groovende "All Roads Lead To Rome" anhört. Zuweilen finden sich Parallelen zu den Nits.
Aural SculptureDas "Feline"-Cover ist schwarz und auf dem Frontbild von "Aural Sculpture" präsentieren sich die 'Würger' in schwarzer Lederkluft.
Hallo, sage hier niemand etwas von Stillstand, denn Stillstand ist Rückschritt. The Stranglers sortierten mit dieser Platte ihren Sound neu. Relativ, aber effektiv, denn mit Paul Neiman, Paul Spong als auch Tim Whitehead hat man eine echte Bläserabteilung an Bord und die verpasst dem Stranglers mal eben eine Variante, die bei den Briten bisher unbekannt war. Jetzt ist das Gebläsetrio nicht in allen Nummern vertreten, aber schon im ersten Lied, "Ice Queen", trumpfen die Drei auf und abgesehen davon hatte auch dieser Longplayer seine veritablen Hits: das mit einer simplen, aber effektiven Gitarrenlinie versehene "No Mercy", ein mit Macht groovendes "Skin Deep" und schließlich das zeitlos gute "Let Me Down Easy". Keine Verkaufsschlager waren zum Beispiel die Stranglers-Rock'n'Roller "Uptown", "Punch & Judy" mit Bläsern und bluesig anmutendem Piano sowie das klassisch gewürzte "Laughing", allerdings dennoch klasse. Am Ende steht ein großartiges "Mad Hatter", in dem Greenfield seine Keyboards auf Xylofon stellt und die Paarung aus Blecher- sowie Holzbläsern und den souligen Backing Vocals findet sich auch bei den damals erfolgreichen Godley & Creme.
"Aural Sculpture" war und ist ein Genuss.
DreamtimeNicht jeder Stürmer bringt jedes Mal das Runde in das Eckige.
Den kompletten Griff ins Klo verhindern auf "Dreamtime" wenige Songs.
Als da wären... "You'll Always Reap What You Sow" wegen der ausgiebigen Pedal Steel Guitar von keinem geringeren als B.J. Cole. Dann das mit Quetschkommodenklang versehene "Nice In Nice" und zu guter Letzt die Popballade "Too Precious" abermals mit Cole.
Das war es dann auch schon, aus meiner bescheidenen Sicht zu diesem Durchhänger.
All Live And All Of The NightGanz anders verhält es sich mit "All Live And All Of The Night".
Eine Zeitreise und Standortbestimmung der Stranglers. Mitgeschnitten wurden die zwölf Livetracks zwischen 1985 und 1987. Song dreizehn, das Kinks-Cover "All Day And All Of The Night" ist eine hinten drangehängte Studioaufnahme. Just diese Nummer wurde als Single ausgekoppelt und kletterte die Charts hoch.
Hier gibt es viele Highlights. "Golden Brown", eine Komposition, die zum ultimativen Evergreen der Gruppe wurde. "Toiler On The Sea", ein heizender Track, angetrieben von der Gitarre und, und, undů
Das Album ist vorzüglich und zeigt die Bühnenklasse der Combo.
Die fünfte CD der Box ist ihr zehntes Studioalbum und das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung letzte mit einem seit 15 Jahren beständigen Line-up. Hugh Cornwell verließ die Stranglers.
10Die verschiedenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die die Vier Verkleidungstechnisch vorgeben ist fast schon das Originellste an der Platte. Nur ganz wenige Songs reißen den Hörer aus dem Sessel und leider ließ die Anziehungskraft des Quartetts stark nach, auch wenn man, wie bereits vorher, durch Bläser auf eine Art Big Band-Sound setzte. Ausgerechnet eine Fremdkomposition lässt einen die Ohren spitzen: "96 Tears".
Ansonsten hätten die Akkus des Quartetts einer Aufladung bedurft. Irgendwie uninspiriert, das Ganze. Handwerklich gut, aber wo blieben die hervorragenden Songideen? Man muss sich schließlich an seinen eigenen Werken messen lassen.
Nach dem Album "Stranglers In The Night" verließ 1992 auch der Drummer Jet Black die Band.
Die durch die vorliegende Box präsentierten Epic-Jahre sind lohnenswert. Richtig schwach waren die Stranglers bis dahin nie.
Line-up:
Hugh Cornwell (guitars, vocals)
Dave Greenfield (keyboards, backing vocals)
J.J. Burnel (bass, vocals)
Jet Black (bass, vocals)
Tracklist
Feline:
01:Midnight Summer Dream (6:21)
02:It's A Small World (4:45)
03:Ships That Pass In The Night (4:15)
04:The European Female (4:04)
05:Let's Tango In Paris (3:21)
06:Paradise (3:58)
07:All Roads Lead To Rome (4:00)
08:Blue Sister (4:15)
09:Never Say Goodbye (4:16)
Aural Sculpture:
01:Ice Queen (4:02)
02:Skin Deep (3:54)
03:Let Me Down Easy (4:13)
04:No Mercy (3:39)
05:North Winds Blowing (4:05)
06:Uptown (2:58)
07:Punch & Jody (4:48)
08:Spain (4:14)
09:Laughing (4:14)
10:Souls (3:27)
11:Mad Hatter (4:00)
Dreamtime:
01:Always The Sun (4:54)
02:Dreamtime (3:44)
03:Was It You? (3:42)
04:You'll Always Reap What You Sow (5:18)
05:Ghost Train (5:06)
06:Nice In Nice (3:56)
07:Big In America (3:19)
08:Shakin' Like A Leaf (2:37)
09:Mayan Skies (4:00)
10:Too Precious (6:46)
All Live And All Of The Night:
01:No More Heroes (3:49)
02:Was It You? (3:41)
03:Down In The Sewer (6:26)
04:Always The Sun (4:29)
05:Golden Brown (3:36)
06:North Winds Blowing (4:00)
07:European Female (3:34)
08:Strange Little Girl (2:51)
09:Nice 'N' Sleazy (4:26)
10:Toiler On The Sea (6:28)
11:Spain (3:46)
12:London Lady (2:43)
13:All Day And All Of The Night (2:26)
10:
01:Sweet Smell Of Success (3:22)
02:Someone Like You (2:54)
03:96 Tears (3:13)
04:In This Place (3:38)
05:Let's Celebrate (4:16)
06:Man Of The Earth (3:23)
07:Too Many Teardrops (3:47)
08:Where I Live (3:32)
09:Out Of My Mind (4:09)
10:Never To Look Back (4:19)
 
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