Allan Thomas / Deep Water
Deep Water Spielzeit: 61:09
Medium: CD
Label: Black Bamboo Records, 2011
Stil: Singer/Songwriter, Soul

Review vom 16.04.2012


Markus Kerren
Oooh ja, Allan Thomas lebt auf und stammt aus dem wunderschönen (wenn auch klimatisch nicht immer unproblematischen) Hawaii. Seltener ist die Homebase eines Musikers logischer erkennbar in seinem Werk gewesen, als in diesem Fall. Denn was uns hier in einer guten Stunde geboten wird, ist extrem relaxtes Singer/Songwritertum, das - je nach Stimmung und Gefühlslage - entweder äußerst angenehm oder auch mal nervend und überflüssig erscheinen mag. Wer schon mal auf Hawaii war, der weiß, dass sich die Uhren auf diesem Inselstaat einfach anders drehen. Denn die Menschen dort haben sich bis heute einfach weitgehend dem überdimensionalen Stress und Erfolgsdruck (im Berufsleben) verwehren können.
Auf Hawaii gilt weiterhin das Lebensmotto 'Was ich heute nicht erledige, mache ich eben morgen!' (mit DICKEM Ausrufezeichen). Logischerweise muss man auch dort Leistung bringen, um Erfolg zu haben, aber dennoch hat in dieser fernen Welt jeder einfach mehr Zeit (wovon sich der Verfasser dieser Zeilen bereits mehrfach persönlich überzeugen lassen durfte). Und genau das ist - wie bereits weiter oben angedeutet - entweder die Größe oder der Fluch des vorliegenden Albums von Allan Thomas. Sehr harmonisch geht hier alles zu, sehr laid back, wobei man nicht unbedingt den Fehler machen sollte, die auch mal kritischen Texte zu unterschätzen.
Die Tracks fließen ähnlich eines relaxten Strandtages in einer Privatbucht, wo Fische aller Größen und Farbschattierungen ganz nah an den Strand kommen, vor sich hin. Singer/Songwriter-Mucke, zu der sich so unterschiedliche Einflüsse wie Soul, Reggae, Blues, Folk oder auch mal eine Prise Rock gesellen. Dass Allan Thomas sein Handwerk versteht, ist nach dem Genuss dieser Scheibe gar keine Frage, denn an der Qualität der einzelnen Songs gibt es nullkommanix auszusetzen. Auch der Gesang passt sich wunderschön ein und ist frei von jeder Kritik.
Tja, und schließlich muss der Mann auch einen verdammt guten Ruf in der Szene haben, denn nicht nur hat er für dieses Album unglaubliche 21 Musiker mit am Start (die er garantiert nicht alle bezahlt hat), sogar die beiden Legenden David Crosby und Graham Nash waren für einen Song ("The Longest Ride") fuer die Background Vocals mit von der Partie. Insgesamt zwölf Songs, die eine ganz besondere Atmosphäre und ein ganz bestimmtes Lebensgefühl ausstrahlen. An der Einspielung und den Arrangements gibt es nichts zu Mäkeln, lediglich die sich über die gesamte Laufzeit hinziehende Relaxtheit könnte dem ein oder anderen eventuell Schwierigkeiten bereiten.
Kennt Allan Thomas den Texaner Guy Clark und seinen Song "Homegrown Tomatos"? Letztendlich ist es müßig, darüber zu sinnieren, denn seine eigene Nummer "Homegrown" (die noch viel mehr Gemüse als nur Tomaten beinhaltet) gleicht lediglich der Grundaussage von Clarks Lyrics. Geboten wird das Ganze mit einem ganz feinen Fender Rhodes-Piano, einer tollen - fast jazzigen - Gitarre und dem soulvollen Gesang des Protagonisten. Ebenfalls aus dem Rahmen fällt "Other Than That", ein lediglich durch Percussions unterlegter, rhythmischer Sprechgesang mit zynisch-witzigem Text. Man könnte sagen "Step Right Up" von Tom Waits in einer extrem entschärften Version.
Tja, da fällt ein Fazit gar nicht so einfach aus. "Deep Water" kann - je nach Laune des Hörers - Balsam für die Seele sein, kann (im schlimmsten Fall) aber auch zu Tode langweilen. Gestandene Rock'n'Roller mit wenig Toleranz für alles, was nicht spätestens nach einer Minute im Refrain endet, sollten die Finger hier definitiv weglassen. Wer aber die entsprechend innere Ruhe hat, der wird bei dieser Scheibe jede Menge (u.a. viele tolle) Feinheiten entdecken können. "Deep Water" - oh ja, der Name ist hier Programm, denn tiefe bzw. stille Wasser sind bekanntlich tief!
Hochprofessionell und sehr gut gemacht - aber auch speziell und sehr geschmacksbedingt. Deshalb kann nur empfohlen werden, am besten - und unbedingt - selbst anzuchecken!
Line-up:
Allan Thomas (lead vocals, acoustic & electric guitars, percussion, koto, sitar, pads)
Michael Ruff (piano, Fender Rhodes, accordion, organ, clavinet, wurlitzer)
Jimmy Johnson (bass)
William Kennedy (drums - #3,4,8,11)
Joel Taylor (drums - #1,2,5,6,12)
Rick Schlosser (drums - #7,9,10)
Bryan Kessler (electric guitars - #3,4,7, background vocals - #7)
Kirk Smart (bottleneck slide guitar & lap steel - #10, electric Telecaster - #5)
Jeff Richman (electric lead & rhythm guitar - #6)
Ken Emerson (slide guitar - #8)
James 'Hutch' Hutchinson (bass - #2,4,7)
Trey Thompson (bowed upright bass - #5)
Cliff Hugo (bass - #9)
Rick Rosas (bass - #10)
James Raymond (acoustic piano - #3)
Sylvain Carton (tenor saxophone - #7,11)
Judd Miller (EVI muted trumpet & glass pads - #1, chromonic harmonica & pads - #8)
JP Allen (harmonica - #10)
Anjela Rose (background vocals - #1,11)
Caz West (background vocals - #5)
Graham Nash (background vocals - #3)
David Crosby (background vocals - #3)
Tracklist
01:Deep Water
02:Everything Happens For A Reason
03:The Longest Ride
04:Fall In Love Too Easy
05:Homegrown
06:Soldier Of Misfortune
07:The Gift
08:Boyish Man
09:The Downturn
10:Monkey Business
11:It All Comes Down To Love
12:Other Than That
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