Randi Tytingvåg / Lights Out
Lights Out Spielzeit: 16:11
Medium: EP
Label: Ozella Music, 2013
Stil: Singer/Songwriter


Review vom 27.05.2013


Wolfgang Giese
Fast ein Jahr ist es her, dass ich Randi Tytingvågs letzte Platte, Grounding, vorstellte. Oft ist es so, dass Texte und Albeninhalte von ganz bestimmten Anlässen geprägt sind, auch von ganz persönlicher Natur. Leider ist es kein guter Anlass, aus dem diese neu erschienene EP vorgelegt wird. In diesem Fall ist es so, dass die Norwegerin im letzten Jahr ihr ungeborenes Kind verlor. So ist im Pressetext zu lesen, dass sie mit den Stücken dieser EP den dadurch erfahrenen Schmerz und die Verzweiflung verarbeiten wollte. Auf jeden Fall ist es ihr gelungen, diese schreckliche Erfahrung in ihrer Musik auszudrücken, denn ohne vorab etwas über dieses Ereignis gelesen zu haben, spürte ich beim Anhören der Platte, dass die Stimmung extrem emotional geprägt war und das in verschiedenen Ausprägungen. Nicht im Stil der vergangenen Platten geschieht das, sondern diese Musik klingt sehr amerikanisch, sehr von Folk und auch Blues inspiriert.
Der musikalische Ausdruck hinsichtlich dessen, was der Künstlerin widerfuhr, ist teilweise so intensiv, dass es (mich) betroffen macht. Diese erlittene Verletzung wird mit solcher Intensität übertragen, diese Dramatik ist gegenwärtig und bewegend, wenn man daran teilnimmt. Ein Textausschnitt hierzu: "Lost":»I'm lost in the dark wide-awake, show me a way for heaven's sake, the story is so imcomplete, our eyes did never meet.«
Dennoch ist die Musik durchaus nicht durchgängig negativ behaftet oder düster, vielmehr bewegt sie sich aus meiner Sicht stark im Umfeld von Melancholie und Mystik. Allein der Einsatz des Pianos auf "Today Was Cancelled" schafft eine starke und expressive Stimmung (»My today was cancelled, suddenly I stopped, my feelings ran before me, and I could not catch up«).
Track vier ist ein auf norwegisch gelesener Text von Per Fugelli, die englische Übersetzung findet man im Booklet, dass übrigens alle Texte enthält: »Health and sickness, life and death are not fire and water. They are twins who should walk hand in hand. We must work our way out of the misconception that sharply divides humans into the healthy and the sick, the normal and the abnormal, the winners and the losers. Instead, we should meet each other honestly as human blends.« Die Lesung leitet sogleich in den schon letzten Song über: "Light Grey" mit einem Hauch von "Scarborough Fair" zu Beginn, das mich von den Harmony Vocals sogar an einige Titel von Jefferson Airplane erinnert. Dazu eine mit sattem Klang gespielte Mundharmonika, das ergibt eine ganz besonders intensive Stimmung. Hier zeigt sich dann auch die Hoffnung, die trotz Allem gewachsen zu sein scheint. So heißt es hier »Light grey and almost back to white.« Und in den in den Leser gerichteten Zeilen schreibt Randi dann schließlich: » "Lights Out" is written in despair and grief but also with insight and hope.«
Großartige und intensive Musik, diese Platte kommt spontan in meine Bestenliste dieses Jahres.
Line-up:
Randi Tytingvåg (vocals, prepared piano - #3)
Knut Reiersrud (electric guitar - #1, Mohan Vina - #2, high-string guitar - #5, harmonica - #5)
Dag Sindre Vagle (guitar- #1,5, backing vocals - #1-3,5, baritone guitar - #2,3)
Erlend Aasland (banjo - #1,2, backing vocals - #1,3,5, cavaco - #3, baritone guitar - #5)
Per Fugelli (reading, accompanied by Knut Reiersrud - #4)
Tracklist
01:Blind Ignorance (3:37)
02:Dark (4:05)
03:Today Was Cancelled (3:44)
04:Reading (0:51)
05:Light Grey (3:44)
(music and lyrics by Randi Tytingvåg)
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