Trigon / Live 2007
Live 2007 Spielzeit: 63:05
Medium: DVD
Technik: keine Angaben
Label: Eigenproduktion, 2007
Stil: Jam-Fusion

Review vom 28.11.2007


Ulli Heiser
Trigon kommen aus Baden-Württemberg, genauer gesagt aus Karlsruhe und dürften für die Herzberg-Jünger keine Unbekannten sein. In den Jahren 2002-2004 waren sie dort präsent und nahmen auch Live-Scheiben auf. Vorliegende DVD dagegen stammt von der diesjährigen Zappanale im beschaulichen und mittlerweile weltberühmten Bad Doberan.
Die Band um die beiden Brüder Rainer und Stefan Lange gibt es bereits seit 1989 und nach vielen Besetzungswechseln sitzt heuer Tihomir Lozanovski hinter den Fellen.
Herzberg, Zappanale ... damit dürfte die musikalische Ausrichtung klar definiert sein. Von den Musikern selbst stammen Etikettierungen wie 'Heavy-Zen-Jazz' oder 'Power-Space-Kraut-Jam-Rock'. Leicht errötend muss ich gestehen, dass mir die Truppe bis jetzt nicht bekannt war, was kaum zu entschuldigen ist, denn bereits beim Opener "Decadence And Corruption" merke ich: Das passt.
Die Brothers an den Saiten steigen voll ein; kein Vorgeplänkel sondern direkt der Tieftauchgang in einen Kosmos aus zappaesken Strukturen. Rainer bearbeitet seine Gitarre und Stefans Spiel lässt, ob der dominanten Handhabung auch sofort an Herrn Hattler denken. Was auch gleich auffällt, ist die klasse Arbeit von Dancing Image Production, die für die visuelle Qualität verantwortlich zeichnen. Deren Fokus liegt auf dem Präsentieren der Musiker in Aktion und wenn übergeblendet wird, dann geschieht das mit Bedacht, ohne das leider allzu oft praktizierte 'Zeigen-was technisch-möglich-ist'. Der Hörer und Zuschauer wird nicht mit störenden Gimmicks belästigt und kann dem Trio total folgen.
Apropos Trio, der Mann hinter der Schießbude, Tihomir Lozanovski, beherrscht sein Metier absolut souverän und ist gleichwertiges Drittel in den Kompositionen. Energetischen Ausbrüchen aller Musiker stehen Momente gegenüber, in denen die Gitarre brachiale, auf einzelne Töne ausgerichtete, Klänge in die Nacht wirft. Grollend und grummelig addiert sich der Bass, mal begleitend, dann selbst explodierend. Tihomir schaufelt knallige Hiebe ins Feuer und man merkt, dass alle Drei voll bei der Sache sind und das mögen, was sie spielen.
Rockig, mit Jazzanleihen, treibt Trigon mit leicht verhalltem Klang eine Nummer nach der anderen in Richtung der (auch zu sehenden) tanzenden und Luftgitarre-spielenden Besucher vor der Bühne, die begeistert mitgehen. Rock und Jazz fusionieren, aber die Rockanteile überwiegen, bzw. kommen prägnanter und dominierender rüber. Psychedelische Momente in Form von ruhigen und sphärischen Gitarrensoli ("Dance Of The Tortured Turtle") konkurrieren mit eruptivem Wah Wah-Einsatz ("Zensation").
Spanisch-orientalisch angehaucht begeistert "Whip The Camel". »Let the music do the talking« möchte ich sagen, denn Vocals gibt es, außer wenn mit den Hörern vor der Bühne kommuniziert wird, nicht. Der Fokus liegt zu 100 Prozent auf der Musik, die für Lyrics jedweder Art auch keinen Platz mehr übrig hat. Die Instrumente übernehmen den Dialog nach außen total und völlig überzeugend. Besonders die Gitarre 'spricht' eine Sprache, die jeder versteht und sieht man die Gesichter der Fans, dann weiß man, dass diese Blicke 'antworten'.
Schön ist es auch, Mimik, Arme und Finger der Protagonisten in Aktion zu sehen. Wie bereits geschrieben: Kompliment an die Kameraführung. Aber auch audiomäßig muss man der ASH Sounddesignery ein dickes Lob aussprechen.
Fast Hendrix-like kommt eine Gitarrenpassage in "Blue Time" daher. Geiles Gitarrenjamming!
So wie es aussieht, waren nicht nur die Konzertbesucher begeistert, auch der Rezensent ist angetan von Trigon und wird im Auge behalten, was die drei Badener in Zukunft musikalisch treiben.
Das Konzert liegt der DVD auch in Form von MP3s bei, so dass man die Show auch 'mitnehmen' kann. Das passende Cover stellen die Jungs auf ihrer Website auch gleich bereit. Dem MP3-Ordner liegt mit "Zeitgeist Related Accidents" ein Stück bei, welches auf der DVD nicht vorhanden ist. Obwohl es der Trackname vermuten läßt, sehe ich keinen musikalischen Zeitgeist-Ausrutscher - das Stück hätte auch mit Bild eine gute Figur gemacht.
Es lässt sich feststellen, dass Trigon einen starken und mitreißenden Rock-Jazz-Jam spielen und ich die Truppe den Genrefreunden wärmstens empfehlen kann.
Line-up:
Rainer Lange (guitar)
Stefan Lange (bass)
Tihomir Lozanovski (drums)
Tracklist
01:Decadence And Corruption
02:Fat Bait
03:Raff An Dörti
04:Zeitgeist Related Accidents *
04:In Trance
05:Hazard The Consequences Of Wonders
06:Spacechick Strikes Back
07:Kamasutra Debakel
08:Dance Of The Tortured Turtle
09:Whip The Camel
10:Spoil The Control For The Heart Of The Sun
11:Zensation
12:Blue Time
13:Treacherous Tonal Terror

(*Nur als MP3)
Externe Links: