The Void's Last Stand / A Sun By Rising Set
A Sun By Rising Se Medium: CD
Spielzeit: 50:49
Label: Malesch Records/Long Hair, 2009
Stil: Progressive, Experimental

Review vom 15.12.2009


Ulli Heiser
Boah ey! Die Jungs der Aachener Prog-Band The Last Void's Stand haben Mut. Das MySpace-Zeitalter bietet ja die Möglichkeit, sich einem Millionenpublikum vorzustellen. Und da kann es sehr schnell passieren, dass weitergeklickt wird, wenn sich der Hörer nicht stante pede geohrpinselt fühlt. Und das wird er nicht, bei The Void's Last Stand. Bestes Beispiel: unsere Prog-Abteilung. Da fand sich nämlich niemand, als die Platte ins Haus stand. Für solche Fälle 'muss die graue Eminenz' herhalten, was ich gerne tue, denn dadurch haben sich mittlerweile einige Perlen im Regal angesammelt.
Und wenn man es genau betrachtet, sind zumindest die Schönwetter-Progger sicherlich etwas überfordert, so sie nicht eine gehörige Portion zappaesken Humor auf der Habenseite verbuchen können. Denn auf den ersten Blick scheint das alles ziemlich wirr und nicht immer ist der Gesang auf der Suche nach neuen Freunden. Und wenn man der Band zugesteht, gehörig auf der experimentellen Seite des Musizierens zu schaffen, dann sieht die Sache anders aus.
Die Aachener sind jung, gerade mal Mitte 20 und damit musikalisch besonders wertvoll, denn diese Altersklasse ist gemeinhin nicht mit derartigem Output in Verbindung zu bringen. Jonas, Geoffrey und Ray legten den Grundstein 2007, wobei die beiden Erstgenannten bereits zwei Jahre länger eine Experimental-Band hatten. Und - jetzt sind wir wieder beim Schönwetter-Prog - sie waren froh, in Ray jemanden gefunden zu haben, der ihre Musik mag. Es wurde Februar 2009, bis Basser Rachid mit im Boot war und der Vierer ablegen konnte.
Dem scheinbaren Chaos liegt, meinem Empfinden nach, eine sublime Disziplin zugrunde, denn die stellenweise durchaus schwer verdaulichen Parts führen immer wieder hin zu klaren Passagen, und wenn ab etwa Minute acht des ersten Tracks, ein Blues Rock der sich gewaschen hat aus den Boxen stampft, wird klar, dass die Jungs Spaß daran haben die Hörer erst zu erschrecken, um sie dann zu erfreuen. Was kann man nicht alles heraushören oder hineininterpretieren: Led Zeppelin tauchen auf, etwas Colosseum ist zu vernehmen und dann natürlich Zitate und Spielweisen der Großen des anspruchsvollen Prog. Immer unter Oberaufsicht des großen Frank, versteht sich.
Zwei Tracks nur finden sich auf dem Album. Wenn auch untertitelt, man kann die Übergänge nicht ausmachen. Wie aus einem Guss, organisch und unlösbar verbunden, jammt sich die Band durch die Minuten. Da wird schon mal die elektronische Trickkiste geöffnet, nur um kurz danach kompliziert verpackte Rockspuren zu legen. Zu Sprechgesang (fast ohne Luft zu holen) läuft die Gitarre ihren eigenen Weg und weil sie ja auch zur Band gehören, legen Bass und Drums einen Rhythmus drüber. Oder drunter. Hat sich der Hörer eingestimmt und die richtige Frequenz für das Kopfpendeln gefunden, sind die ersten Minuten von "Under The Ardent Sun" einer genialen Zappa-Nummer nicht unähnlich. Und die Frage, "Does Humor Belong In Music" ist unbedingt zu bejahen.
Immer wieder kommt mir das Alter der Musiker in den Sinn. Mir bekannte Leute dieser Jahrgänge sind anders. Vielleicht sind aber The Void's Last Stand anders. Herrlich, wie nun plötzlich fast verträumter, zarter Prog gen Ohren wabert. Und dann rifft sich ein kurzes Blues Rock-Saitenschwingen ins Gehör, das der Meister des Humors aber schnell beendet. Für Sekundenbruchteile glüht im Hirn des Rezensenten die Yes-Lampe auf. So könnte man jetzt weitermachen und lädt man fünf Leute ein zur Hörsession, so bin ich sicher, ein jeder wird andere Lämpchen zum Glühen bringen. Man darf nicht vorschnell aufgeben (gilt auch für die minutenlange Stille gegen Ende ...) und sollte der Platte ein paar Durchläufe geben. Hat man sich eingepegelt, gibt es viel zu entdecken.
Mir liegt die CD-Version des Albums vor, aber es ist nur konsequent, dass diese Art von Musik auch als LP erhältlich ist. Und sollte ein Organist mitlesen und Appetit bekommen haben: "The Void's Last Stand" suchen einen Tastenmann. Der sollte aber mehr drauf haben als "A Whiter Shade of Pale" ...
Die Band hat mittlerweile bei Long Hair Music einen Plattenvertrag unterschrieben und teilt mit, dass "A Sun By Rising Set" nun auch als remasterte Version erhältlich ist.
Line-up:
Jonas Wingens (vocals, guitar)
Geoffrey Blaeske (guitar)
Ray Dratwa (drums)
Rachid Touzani (bass)
Tracklist
A:Mother Sun And The Other Son (25:32)
 I:Emesa Shapes
 II:Graves Of Afamiya
 III:Immae's Amazons - Lichtode
 IV: Six Horses Of The Meteor
 V:Phaeton Glorificnuch
B:Under The Ardent Sun (25:17)
 I:Parots Post Over Pere Lachaise
 II:Songs Of Syria And Despondos
 III:Berg Van Licht
 IV:Bet-El And The Hierodules Of Elyx
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