Dani Wilde / Heal My Blues
Heal My Blues Spielzeit: 39:26
Medium: CD
Label: Ruf Records, 2008
Stil: Blues Rock

Review vom 27.02.2008


Norbert Neugebauer
Dass Blues keineswegs nur eine Sache für alte Leute aus dem Mississippi Delta oder aus Chicago ist, wissen wir alle. Auch dass der Blues Rock nicht nur in Irland oder Texas gespielt wird. Und dass es eine ganz neue Generation von rockenden Bluesern gibt, die glücklicherweise auch und mit Vorliebe durch die Clubs und Säle von Old Germany zieht, hat sich mittlerweile längst herumgesprochen. Wir von RockTimes tun jedenfalls unser Möglichstes dazu, dass sich die Kunde von diesen jungen, kreativen und kraftvollen Künstlern im Land verbreitet und dass auch die Altfans ihren Hintern wieder zu den Gigs aufschwingen.
Einer, der viel dazu beigetragen hat und auch das Feuer am Lodern hält, ist Thomas Ruf mit seinem Ruf Records Label. Zum mittlerweile vierten Mal schickt er die Blues Caravan durch die Lande, die uns jedes Mal auch neue Talente präsentiert. Auf der aktuellen Tour ist eine junge englische Blues-Mieze dabei, die nun auf dem Haus-Label ihr Debüt veröffentlicht.
"Heal My Blues" heißt das Album von Dani Wilde, die uns als Hochschulabsolventin für Musik, Anfang 20, Chormädchen für Maddy (nicht Maddie, gell) Prior und nach einem Konzertbesuch mit 14 vom neuen Blues infiziert, vorgestellt wird. Ihre Cover- und PR-Fotos zeigen sie mit 'Swingin' Sixties'-Klamotten und einer Telecaster mit Blümchen auf dem Schlagbrett. Aber Vorsicht: Die Kleine macht ihrem Namen alle Ehre!
Von den elf Titel stammen acht aus ihrer Feder und die können sich hören lassen. Begleitet wurde sie von erfahrenen Cracks, aufgenommen in Leipzig, produziert haben Mike Griot (auch der Basser) und Thomas Ruf. Aber nun zur Sache, Kätzchen!
Ms. Wilde bewegt sich gekonnt in den verschiedensten Stilen, wobei sie jedoch tief in den Sechziger Jahren herumstiefelt. Dass sie dabei der einen oder anderen legendären Sängerin - und vor allem der 'einen' - begegnet und dann mehr oder weniger mit ihr röhrt und maunzt - ist doch klar. Die Stimme hat sie dazu, sogar eine ausgesprochen kräftige mit großer Bandbreite, eine richtige Dampframme.
Die ersten drei Titel gehen gut los und was sie schon mal vom Gros der gängigen Produktionen des Genres unterscheidet, ist die satte Instrumentierung. Neben dem Grundgerüst Gitarre, Bass, Schlagzeug (Danis Palatin) machen die Tasteninstrumente (Hammond, 'Schweineorgel'(!), Piano) von 'Morg' Morgan und die 1A-Harp von Bruder Will Wilde einen richtig schön fetten Sound. Und dazu kommt dann noch die Gast-Gitarre von Ian Parker auf verschiedenen Stücken.
Mit "I Love You More Than I Hate Myself" ertönt der erste Slowblues, der zeigt, dass sie auch die alten Fleetwood Mac aus der Christine Perfect/McVie-Zeit intus hat. Das Stück ist klasse, aber hier trägt Fräulein Wilde dann doch um zwei Spuren zuviel Herzschmerz auf. Gut, dass dann die Hammond wieder groovt und Kollege Parker für Schub sorgt. "I Want Your Loving" - is ja gut, Mädel . "Testify" rockt astrein und da zeigt die Kleine, wie sie die Power ihrer Kehle bis zum Anschlag aufschrauben kann, ohne die Nummer zu übertreiben.
An dem von John Lee Hooker und Bonnie Raitt als hocherotisches Duett zum Klassiker gekürten "In The Mood" geilt sie sich dann doch etwas zu sehr auf. Was angesichts der puristischen Begleitung aber noch akzeptabel ist, kippt bei dem klar an "Work Me Lord" angelehnten "I'm going Down" ins Kitschige. Obwohl sie bei "Slow Coach" ihre Vokalakrobatik auch etwas überstrapaziert, ist dieser fröhliche Barsong doch eher ihr Ding. Bei dem mit einem verhallten Backgroundchoir angereicherten Chicago-Blues "Little By Little" macht sie wieder eine gute Figur. Und auch das nur von der Gitarre begleitete gefühlvolle Schlussstück "People Like You" bleibt trotz der extrovertierten Singerei im Rahmen.
Dani Wilde ist mehr als ein neues Talent mit Riesenröhre und ihr ansonsten bestens produziertes Debüt "Heal My Blues" zeigt beachtliche Qualitäten. Aber genau dieses Organ ist (noch) der springende Punkt. Die Tigerin faucht, schreit und jault viel zu viel und zu laut, aber schnurrt und maunzt zu wenig. Da fehlt es doch an der emotionalen Abstimmung und Dosiertheit des Temperaments, die eine große Stimme ausmachen. Vor allem, wenn man sich an 'dem' Vorbild messen will. Warten wir mal vorfreudig auf das, was uns Ms. Wilde bietet, wenn sie ihre Sturm- und Drangzeit überwunden hat.
Tracklist
01:Bring Your Loving Home To Me
02:Heal My Blues
03:Come Undone
04:I Love You More Than I Hate Myself
05:I Want Your Loving
06:Testify
07:In The Mood
08:I'm Going Down
09:Slow Coach
10:Little By Little
11:People Like You
Externe Links: