Waltari / Blood Sample
Blood Sample
Außer einem 'Woah' bring' ich erstmal nichts zustande - darum lassen wir kurz den Promotexter zu Wort kommen: "Waltaris positive Energie und die zahlreichen Ohrwurmmelodien ziehen den standhaftesten Indie-Fan auf ihre Seite und wickeln gleichzeitig den schwärzesten Gothic-Liebhaber und den beinharten Metaller um den kleinen Finger."
Ein Satz, den ich sofort unterschreiben würde; auch wenn in diesem Fall nicht mal der anmaßendste Hurrazettel zu beschreiben vermag, was in dieser merkwürdigen Band alles steckt.
Die Finnen sind definitiv im Metal beheimatet, und alles, was weiter als 'beheimatet' gehen würde, würde zu weit gehen. Sie spielen Crossover, der diesen Namen wirklich verdient hat wie selten etwas zuvor. Sei es Rap, sei es Hardcore, sei es Punk, sei es Techno (das alles ist kein Witz) - bei dieser Band darf man sich über rein gar nichts wundern.
Und tut es doch. Hier wird dem Hörer vor Augen geführt, wie sehr man doch an Schubladen klebt, auch wenn man alles versucht, das zu verhindern. Dabei steht doch schon auf der Rückseite der mir vorliegenden Promokopie ein Satz des Kopfs der Band, Kärtsy Hatakka, den man besser ernst nehmen sollte: "Liberate your mind from musical pre-conditions!".
Man kann guten Gewissens sagen, dass Waltari nahezu alle Musikstile, die sie spielen, ein wenig auf die Schippe nehmen. Durch die ganze CD zieht sich ein roter Faden sympathischen Humors und ein mehr als deutliches Augenzwinkern.
Den ersten Eindruck, den man hat; nämlich, dass Waltari die Spaßmacher vom Dienst sind, kann man jedoch bald getrost in den Wind schießen, denn die vier Nordländer entpuppen sich als Wolf im Schafspelz. Ausnahmslos jede Musikrichtung, mit der sie sich befassen, spielen sie, als wären sie dort zu Hause. Sie holen zum musikalischen Rundumschlag aus und zeigen dabei mit links anderen Bands, wie es richtig geht. Keinen der vielen Stile, die sie persiflieren, kann man viel besser bedienen. Dazu verfügen sie noch über großes technisches Können. Besonders der Gesang ist beeindruckend und extrem vielseitig. Ganz nebenbei hat "Blood Sample", die Blutprobe mit der unbestimmbaren Gruppe, eine Spieldauer von nahezu 80 Minuten; aufgeteilt in zwei Teilalben. Wenn man jetzt, wie ich, noch nie von der Band gehört hatte und erfährt, dass sie in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern, fällt Einem nur ein Wort ein: Unfassbar. …Unfassbar, was sie leisten; unfassbar, was sie sind. Sie nehmen sich selbst keine Sekunde lang ernst, wohl aber die Message, die am Ende rauskommt und von unschätzbarem Wert für Musikliebhaber ist.
Auch Stile, die Einen sonst abstoßen würden, wie Techno, Rap oder Hardcore, nimmt man ihnen ab, denn sie packen Einen an der Hand und rennen los. Unterwegs kommt man kaum hinterher, aber man muss. Man stolpert, aber man wird festgehalten. Und ganz am Schluss kommt man am Ziel der Reise an, und der Anblick, der sich Einem bietet, sucht seinesgleichen.


Spielzeit: 78:58 Min. Medium: CD, Dockyard 1 Records, 2006
1:Helsinki (5:53) 2:Not Enough (3:35) 3:Too Much Emptiness (2:30) 4:Never (4:01) 5:New York (3:48)6:I'm In Pain (4:38) 7:All Roads Will Lead To Rome (3:58) 8:Digging Inside (8:05) 9:Fly Into The Light (4:34) 10:Shades To Grace (4:57)11:Aching Eyes (5:41)12:Back To The Audio (7:37) 13:Pigeons (5:16) 14:Exterminator Warheads (2:01) 15:Darling Boy (4:23) 16:Wide Awake (5:00) 17:Julia (2:52)
Christoph Segebard, 22.04.2006