White Cowbell Oklahoma / 24.11.2012, Bluesgarage, Isernhagen
Bluesgarage
White Cowbell Oklahoma
Bluesgarage, Isernhagen
24. November 2012
Stil: Southern Rock, Rock, Boogie


Artikel vom 03.12.2012


Jürgen Bauerochse
White Cowbell Oklahoma Die Kanadische Formation White Cowbell Oklahoma ist schon seit dem Jahr 2004 aktiv und hat mit Cencerro Blanco (2005), Casa Diabolo (2008), Bombardero (2009) und “Buenas Naches” (2012) bereits vier Alben veröffentlicht. Zusätzlich ist mit “Vive Live Locos” (2010) ein Live-Album vom
Burg Herzberg Festival aus dem Jahr 2006 auf dem Markt, einem Gig, der für die Mannen um Mastermind Clem C Clemsen bis in die Gegenwart so ziemlich der einzig wichtige Auftritt in unseren Breitengraden bedeutete. Ansonsten war die Band in Deutschen Landen bisher kaum unterwegs. Und das soll sich nun ändern, denn in diesen Tagen ist White Cowbell Oklahoma auf Club-Tour in unserer Republik, um sich den hiesigen Rockmusik-Fans etwas näher vorzustellen.
White Cowbell Oklahoma Durch diverse Schnipsel auf YouTube und natürlich durch die Besprechungen des geschätzten Kollegen Joe (gibt es eigentlich irgendwelche Leute, die mein Bluesbruder noch nicht unter seinen Fittichen hatte?) wurden wir auf die mir bislang vollkommen unbekannte Truppe aufmerksam, zumal die Videoausschnitte auch auf eine ziemlich ausgefallene Bühnenshow hinwiesen, bei der diverse Pyrotechnik, offenes Feuer, sowie eine Kettensäge zum Einsatz kommen sollten. Klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollten, zumal vor allem die Musik der Band sehr ansprechend rüber kam. Hinter diesen Musikern schien jede Menge Energie zu stecken, und außerdem deuteten gleich drei (!) Gitarristen auf ziemlich viel Power bei den Sounds hin.
White Cowbell Oklahoma Als White Cowbell Oklahoma um kurz nach 21.00 Uhr die Bühne der Bluesgarage betrat, hatten sich schätzungsweise hundert Besucher in Isernhagen eingefunden, was für eine Band mit diesem doch relativ geringen Bekanntheitsgrad gar nicht so schlecht ist. Und sofort wurde klar, dass an diesem Abend jede Menge Trubel auf Henrys Teppich abgehen würde. Mit einem treibenden Boogie tobten die Musiker durch die Gegend. Die komplette Mannschaft war ständig in Bewegung, was sich auch bis zum letzten Ton des zweiteiligen Konzertes nicht ändern sollte. Dabei war das Zusammenspiel der drei Gitarristen schon ein richtiger Hinhörer. Da gab es jede Menge Harmonien, die zeitweise an die Double Leads von Wishbone Ash erinnerten.
White Cowbell Oklahoma Auch Bassist Southpawl Jones beteiligte sich an dem regen Treiben auf der Bühne und war ein Garant für den ganz soliden Rhythmusteppich von White Cowbell Oklahoma, den er durch ein perfektes Zusammenspiel mit Drummer GM Safari aufbaute.
Lediglich Chainsaw Charlie an der Kuhglocke wirkte irgendwie überflüssig und verstärkte nur das Gewusel auf der ohnehin schon recht vollen Bühne. Aber der Mann ist ja wohl so etwas wie die Kultfigur der Band und darf deshalb natürlich nicht fehlen, denn schließlich ist 'Cowbell' nicht umsonst ein Teil des Bandnamens. Fakt ist jedoch, dass sich sein Einfluss auf die Musik doch ziemlich in Grenzen hielt.
White Cowbell Oklahoma Ganz anders dagegen die Gitarrenarmada. Da ging schon mächtig die Post ab, wenn das Trio sich in die Boogie-Rhythmen kniete und ein wahrlich gewaltiges Brett fuhr. Auch satte Riffs im Stile von Lynyrd Skynyrd brachten sie nahezu perfekt und mit unglaublicher Wucht rüber. Und immer wenn Handsome Chuck Sirloin zu seinen Soloattacken ansetzte, wurden die Zuhörer hellhörig. Da war ein echt sehr guter Gitarrist am Werk. Auch vom Gesang her legte die Band jede Menge Qualität an den Tag, was natürlich an den wechselnden Vocals von Clem C Clemsen und der jungen Lady Swingin' Dick Taggart lag, die stimmlich wirklich jede Menge zu bieten hatte. Hier passte einfach alles zusammen.
White Cowbell Oklahoma Kommen wir nun mal zur bereits erwähnten Bühnenshow von White Cowbell Oklahoma. Um es kurz zu machen: Diese Einlagen waren doch sehr ernüchternd für mich. Wer schon jemals eine Performance von z. B. Grobschnitt miterlebt hat, der weiß, was eine perfekte Pyro-Show ist, die das Publikum von den Sitzen haut. Dagegen wirkten die Aktivitäten am heutigen Abend wie ein Kindergeburtstag. Ein bisschen Funkensprühen durch eine Flex auf der Cowbell und ein wenig Brandbeschleuniger in die Kuhglocke gefüllt und angezündet, das reicht bei Weitem nicht aus, um irgendetwas Spektakuläres auf die Bühne zu bringen. Wenigstens die mit einer Kettensäge zu Papierschlangen geschredderten Küchenrollen machten etwas her, als sie im hohen Bogen durch die Luft flogen und die Nähe der Bühne praktisch mit einem neuen Bodenbelag versorgten. Das ist einfach zu wenig, um als erwähnenswert betrachtet zu werden.
White Cowbell Oklahoma Betrachten wir die Musik mal etwas näher, so steht fest, dass hier echt starke Musiker am Werk sind. In meinen Augen wirkt die Band aber trotzdem ziemlich orientierungslos. Southern Rock ist ebenso vertreten wie Boogie und Hard Rock. Auch der Punk lässt an einigen Stellen grüßen. Dadurch lässt sich White Cowbell Oklahoma in keine feste Schublade einsortieren, scheint aber ihr eigenes Ding auch noch nicht gefunden zu haben. So wird die Gruppe bei niemandem in Erinnerung bleiben und mit keinem Musikstil in direkte Verbindung gebracht werden. Es bleibt einfach nichts im Ohr hängen. Daran kann sicher noch gearbeitet werden, denn es steckt wirklich sehr viel Potenzial in der Band.
White Cowbell Oklahoma Auch die Animationsversuche wirkten auf mich irgendwie gekünzelt und wurden für meine Begriffe auch etwas übertrieben angewandt. Das waren doch einige Mitsing-Aktionen zu viel. Selbst die Ausflüge ins Publikum wirkten etwas halbherzig. Es fehlte mir die Begeisterung von den Musikern, die sie auf der Bühne auszeichnete und kam mir doch schon sehr routinemäßig vor.
Doch zum Ende des Sets gab es doch noch einige Highlights. Zum einen wurde eine rattenscharfe Version des Deep Purple-Klassikers "Speed King" vom Stapel gelassen, die keinerlei Wünsche offen ließ. Allein diese ausgedehnte Interpretation war das Eintrittsgeld wert. Was für brettharte Gitarrenwände taten sich da vor uns auf. Wer diesen Song in so einer Form wiedergibt, der hat schon eine gewaltige musikalische Klasse.
Da fiel das Konzertende dann schon fast gefühlsduselig aus, als die Band die Mädels aus dem Publikum auf die Bühne holte und so zusammen den letzten Song anstimmten. So endete dieser Abend doch noch sehr stimmungsvoll.
Line-up:
Clem C Clemsen (guitar, vocals)
Swingin' Dick Taggart (guitar, vocals)
Handsome Chuck Sirloin (guitar)
Chainsaw Charlie (percussion chainsaw)
Southpawl Jones (bass)
GM Safari (drums)
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