Wishbone Ash / Power Of Eternity Tour 2008
Special Guest: David Gogo
23.01.2008 Meier Music Hall, Braunschweig
Wishbone Ash Wishbone Ash / Power Of Eternity Tour 2008
Meier Music Hall, Braunschweig
23. Januar 2008
Stil: Classic Rock


Artikel vom 28.01.2008


Jürgen Bauerochse
David GogoDie 'never ending story' zwischen Wishbone Ash und mir geht inzwischen in die achte Runde. Seit dem Jahr 2001 ist es mir jeweils am Anfang der Konzertsaison gelungen, bei Auftritten der Band dabei zu sein, was immer ein Highlight für mich bedeutet. Inzwischen habe ich die Jungs in vier verschiedenen Line-ups erlebt, wobei mit Mark Birch,
Ben Granfelt und Muddy Maninnen jeweils die Gitarren-Partner von Andy Powell ausgewechselt wurden, während die Rhythmussektion mit Bob Skeat und Ray Weston konstant zusammen blieb. Diesmal saß jedoch mit Joe Crabtree ein neuer Mann hinter der Schießbude. Also wieder mal ein triftiger Grund, die Band zu beobachten...
David GogoDoch vorher gab es diesmal einen special guest zu genießen, auch das eine Seltenheit bei Konzerten von Wishbone Ash, die ansonsten meist auf support-acts verzichten. Mit dem kanadischen Trio um den Gitarristen / Sänger David Gogo war ihnen aber eine sehr gute Auswahl gelungen. Die drei in Deutschland bisher eher noch unbekannten Musiker gaben wirklich einen perfekten Einheizer im wahrsten Sinne des Wortes. Neben einigen Songs aus ihrem aktuellen Album Vibe, bekamen die Rockmusikfans auch einige Coversongs zu hören. Dabei waren auch "Highway 61 Revisited", das auch schon Johnny Winter verwurstet wurde, und der "Hootchie Coochie Man" besonders erwähnenswert, bei denen David auch mit dem Bottleneck zu begeistern wusste.
David GogoDabei hinterließen auch seine beiden Mitmusiker Ronald Oor und Ruud Weber einen starken Eindruck und brachten die Bühne der Meier Music Hall mit einem unglaublich pulsierenden Sound zum Beben. Trocken und präzise sorgten sie für die ideale Grundlage für David, der sich somit ganz auf seine Solo-Parts an den sechs Saiten konzentrieren konnte. Klasse, wie er seine Klampfe im Stile von Jimi Hendrix aufheulen ließ. Der Mann ist richtig gut. Übrigens verfügt er auch über eine sehr ansprechende Stimme. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir noch einiges von ihm hören werden. Ganz stark auch sein Auftritt, als er während einer Passage mit der Griffhand gleichzeitig eine Kanne Bier auf Ex entschärfte und dann die leere Flasche gleich als Bottleneck benutzte. Solche Auftritte bringen bei der trinkfreudigen RockTimes-Redaktion natürlich immer Punkte...
Wishbone AshZwanzig Minuten Pause. Dann ist es soweit. Mit einem immer heftiger werdenden Herzschlag-Geräusch (weiß der Geier was das sollte) betraten Wishbone Ash die Bühne in Braunschweig. Andy und Bob wie immer freundlich lächelnd, Muddy dagegen, auch wie immer, mit mürrischer Miene und diesmal mit einer Kopfbedeckung, über die ich mir lieber jeden Kommentar verkneife. Dazu also der neue Drummer Joe Crabtree, ein Mann, dessen Name mir bisher absolut nichts sagte, der aber, um es gleich vorweg zu nehmen, eine tolle Leistung ablieferte. Ist schon erstaunlich, wie schnell sich Profi-Musiker in diese nicht ganz einfache Mucke reinarbeiten können.
Wishbone AshAufgrund des neuen Studio-Albums "Power Of Eternity" (das mir leider noch nicht zum Besprechen vorliegt) war die Setlist natürlich etwas verändert worden, allerdings gab es nur zwei Songs dieser CD auf die Ohren. Dabei ist "The Power" ein sehr schöner und auch typischer Wishbone Ash-Titel, bei dem die Double-Leads sehr gut rüberkommen, während "Happiness", das als erste Zugabe gespielt wurde, doch als Reggae etwas fehl am Platze war. irgendwie passt dieser Rhythmus nicht zu den Ash, jedenfalls nach meiner Meinung.
Wishbone AshDes Weiteren gab es einige Songs zu hören, die ansonsten nicht all zu oft live mitzuerleben sind. das ist einer der großen Vorteile von Bands wie Wishbone Ash, die über ein schier unerschöpfliches Repertoire an Titeln verfügen und somit jedes Konzert ganz beliebig umgestalten können, ohne dass die Qualität in irgendeiner Form darunter leidet. Trotzdem war es auffällig, dass kein einziges Stück der beiden letzten Studio-Alben
Clan Destiny und "Bona Fide" angestimmt wurde. Aber die Mannen um Andy Powell hatten die Meier Music Hall jederzeit fest im Griff. Vor allem, nachdem sie die Bühne frei machten, um Joe Crabtree Zeit für ein ausgedehntes Schlagzeugsolo zu geben. Das habe ich in den letzten Jahren bei früheren Konzerten der Gruppe auch noch nicht erlebt.
Wishbone AshNeben dieser Besonderheit waren aber die Klassiker aus den Anfangstagen der Band wieder mal der absolute Renner. Klar, dass Songs wie "The King Will Come" und "Throw Down The Sword" vom ersten Ton an abgefeiert wurden. Genau wie das Jahrhundertwerk von Wishbone Ash "Phoenix", das diesmal in einer 15-minütigen Version als letzter regulärer Titel vor den Zugaben gebracht wurde. Auch in diesem Jahr war der Improvisationsteil wieder in fast psychedelischen Klängen verarbeitet. Es ist immer wieder interessant, was man aus diesem Meisterwerk der Rockmusik so alles machen kann.
Wishbone AshZweite und letzte Zugabe war, wie nicht anders zu erwarten, das temporeiche und energiegeladene "Blowing Free" vom erfolgreichsten Album der Band Argus. Auch das war und ist nach wie vor ein Dauerbrenner in jedem Wishbone Ash-Konzert. Jeder im Publikum hätte wohl nichts gegen eine weitere Verlängerung der Show gehabt, aber das war natürlich reines Wunschdenken, denn inzwischen waren schon wieder zwei Stunden vergangen, und die Band hatte ihr Soll absolut erfüllt.
Wishbone AshBesonders erwähnen möchte ich noch "Jail Bait" vom Album "Pilgrimage", das auch bei keinem Konzert fehlen darf, aber an diesem Abend mit einer sehr lang gestreckten Slow Blues-Einleitung begann, bevor dann das normale Tempo aufgenommen wurde. Stark gemacht! Auch das war eine Version, die ich bisher so noch nicht gehört hatte. Man sieht also, wie unterschiedlich und vielseitig die Wishbone Ash-Shows ablaufen können, und trotzdem steht die Band immer für eine hohe Qualität.
Wellen der Begeisterung schlug auch "Living Proof" vom Album "Just Testing" aus dem Jahr 1979, das sich immer mehr zur Mitsing-Hymne der Gruppe entwickelt hat. Einfach irre, wie die Zuhörer den Song vom ersten Ton an aufnahmen und sofort in den Text mit einfielen.
Wishbone AshDer Sound war auch wieder vom Feinsten. Die beiden perfekt aufeinander abgestimmten Gitarren konnten sich so mühelos die Soloparts gegenseitig zuschieben. Bob Skeat war mit seinen pulsierenden Basstönen wieder einmal das Herzstück der Band, hauchte ihr immer wieder Leben ein, und ergänzte sich schon jetzt perfekt mit dem neuen Drummer Joe Crabtree.
Anfangs gab es noch ein paar Probleme mit den Vocals, die nicht richtig durchkamen, aber das war schnell behoben, sodass alles wieder in gewohnten Bahnen ablief.
Ohne Zweifel war auch dieser Wishbone Ash-Gig wieder ein Meilenstein unter meinen Konzertbesuchen und ist somit auch erneut ein heißer Kandidat für den nächsten Jahresrückblick.
David Gogo:
David Gogo (vocals, guitar)
Ruud Weber (bass, backing vocals)
Ronald Oor (drums)
Wishbone Ash:
Andy Powell (vocals, guitar)
Muddy Manninen (guitar, vocals)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)
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