Zlang Zlut / Crossbow Kicks
Crossbow Kicks Spielzeit: 48:53
Medium: CD
Label: Czar Of Revelations, 2015
Stil: Rock, Heavy Rock

Review vom 10.02.2016


Joachim 'Joe' Brookes
Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich ... ist nicht nur der Name des 2010 gegründeten Duos Zlang Zlut. Cellist Beat Schneider und Schlagzeuger/Sänger Fran Lorkovic kennen sich schon seit den Neunzigerjahren. Gemeinsame Stationen waren das Phoenix-Ensemble beziehungsweise Rockpost. Ein erstes Tonträger-Ausrufezeichen setzte man mit der EP "Take A Bow". Mitte 2013 kam dann das Debütalbum "ZZ" auf den Markt.
Der dritte Gang im musikalischen Platten-Menü von Zlang Zlut hört auf den Namen "Crossbow Kicks". Elf Lieder werden dem geneigten Rock-/Heavy Rock-Fan kredenzt. Zehn davon stammen aus der Feder des Duos. Die Nummer "Out Of Control" geht zurück auf die Heavy Metal-Gruppe Saxon.
Rockmusik (im weiteren Sinn) ist den beiden Protagonisten nicht unbekannt spielten sie auch getrennt von einander in Formationen wie Erotic Jesus (Crossover) oder Bon's Angels (Coverband). Beat Schneider rockte ebenfalls gemeinsam mit Stephan Eicher. Zlang Zlut supportete auch die Stoner Rocker Karma To Burn.
"Crossnow Kicks" ist Rock/Heavy Rock von zwei Musikern, die mitten im Leben stehen und in "Freedom" zu einem Trio wird, denn dort lässt Sämi Schneider seine Blues-Harp heulen. Das Album fordert den Hörer. Das Album ist phasenweise sperrig. Das Album will erobert werden. Wenn dem so ist, liegt das Album nie weit vom Player entfernt. "Crossbow Kicks" ist ungewöhnlich ... gut.
Von wegen Cello! Beim Album-Starter "Hit The Bottom" wird man vielleicht etwas enttäuscht sein, denn Beat Schneiders Streichinstrument klingt erst einmal gar nicht nach Cello, sondern präsentiert viel eher die Attitüden eines Guitar-Slingers. Der zunächst geschickt verpackte Sound ist allerdings keine Mogelpackung. Wenn auch verfremdet, kommen die typischen Klangstrukturen eines Cellos zum Tragen. Elf Mal zittern die Nadeln eines fiktiven Steuergeräts am roten Bereich und man sieht im Gesicht des Hörers mehrfach ein Grinsen der Anerkennung. Zlang Zlut sind das Blaulicht und Signalhorn der gereiften Rockmusik. Nicht nur hinter dem Bandnamen steckt viel Fantasie.
Reduziert auf E-Cello, Moog Taurus Pedals, Schlagzeug und Vocals kommt unter dem Strich mehr heraus, als die Summe der Schmalspur-Instrumentierung. Als vermeintlicher Grenzgänger biegt Zlang Zlut auf den Rock-Highway ab und wird dort unmittelbar zum Hingucker, oder besser Hinhörer. Ungewöhnliches wird zur Faszination der Ohren und Gefühle. Der musikalische Highway des Duos ist definitiv mehrspurig. Rock trifft hier auch auf den Jazz, Stoner oder die alternative Spielart des Genres.
Mit der Album-Eröffnung rammt Zlang Zlut den ersten massiven Rock-Pflock ins Erdreich des Genres. Der Gesang von Fran Lorkovic pendelt zwischen melodischem Refrain und Shouter-Qualitäten. Drei Minuten dreißig , bei denen der Hörer schon einmal suchend nach den Sicherheitsgurten am Sessel, Stuhl oder der Couch fingert.
Bei den Eigenkompositionen streift das Duo Klänge, die man von einigen Bands der Rockgeschichte kennt. Nach nur wenigen Songs kommt einem der Gedanke in den Kopf, wie Zlang Zlut wohl live klingen mögen. Videos verdeutlichen, was da auf der Bühne abgeht und man darf sich diese Combo ruhig auf den Konzert-Wunschzettel vermerken. Klasse!
Songs wie "Rage", "Freedom Is A Bitch" und besonders "Now" sprengen im Vergleich zu den anderen Nummern den Spielzeit-Rahmen. In der längeren Auslage kommen noch toll genutzte Freiräume hinzu. Auch da ist das Duo auf der Höhe der Anforderungen. Unter anderem wird so etwas wie Dark Rock zelebriert.
Saxons "Out Of Control" wird mit eigener Würzung versehen und auch in der Sparte der Interpretation kann man sich vorstellen, dass Zlang Zlut noch andere Songs aus der Rock-History sinnvoll verarbeiten kann. Der Rausschmeißer "Get Down" ist treibender Cello-Rock'n'Roll der knackig-kurzen Art und beschließt die Platte mit einem weiteren Ausrufezeichen.
"Crossbow Kicks" ist interessant, macht neugierig, kann empfohlen werden.
Line-up:
Beat Schneider (electric cello, Moog Taurus pedals)
Fran Lorkovic (drums, vocals)

With:
Sämi Schneider (harmonica - #7)
Tracklist
01:Hit The Bottom
02:Shake Me Up
03:Against The Wall
04:They Gave You Madness
05:Little Demon
06:Rage
07:Freedom Is A Bitch
08:Out Of Control
09:Now
10:Everlasting Dream
11:Get Down
(all songs by Zlang Zlut except "Out Of Control" by Saxon)
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