Editorial / Februar 2014



Editorial vom 01.02.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Hallo zusammen,
in diesem Editorial treffen Lokalkolorit und Weltpolitik aufeinander. Natürlich geht es auch rund um die Musik im Monat Januar. Das Wetter ist ja immer ein Thema. In Anlehnung an Rudi Carrells "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" könnte man, zumindest für den Niederrhein schreiben: Wann wird es endlich Winter. Im Musikgeschäft gibt es angeblich ja ein Sommerloch, beim Wetter ist es das Winterloch. Bei relativ milden Temperaturen lassen die Margariten im Kübel auf der Terrasse nicht nach, ihre Blütenpracht zu zeigen und man ist immer noch auf der Jagd nach nervigen Mücken. Sind es noch die vom Sommer übriggebliebenen, oder tummelt sich schon die neue Brut in der Sonne?
Der Winter steht buchstäblich noch vor der Tür, dafür gab es pünktlich zum neuen Jahr den stets willkommenen Jahresrückblick der immer entscheidungsfreudigen RockTimes-Redakteure mit einigen Überraschungen.
Bis zu hundertsiebzigtausend arktische Wildgänse überwintern unter anderem in der niederrheinischen Region Düffel, zu der auch Zyfflich zählt, die Bislicher Insel oder die Altrheinauen bei Rees-Bienen. Die Vögel verschwenden wahrscheinlich keinen Gedanken daran, noch weiter in den Süden zu ziehen. Hier ist es doch schön muckelig. Die Tennisstars litten bei den Australian Open unter der großen Hitze und vielleicht wird es genau aus dem Grund eine Fußball-Winter-WM geben. Egal wie, Märchen lassen sich zu jeder Jahreszeit schreiben. Auf den Courts gingen die Spielerinnen und Spieler reihenweise in die Knie, nicht unbedingt immer vor Siegesfreude, sondern wegen der enormen Hitze. Dafür wurden unter anderem von Markus, Steve, Wolfgang, Mike Kempf, Marius und mir einige Platten-Asse geschlagen: Glass House mit Long Way Down. Deren Musik ist einfach zum Werfen schön. The Len Price 3 wecken mit Nobody Knows die Lust auf ein Konzert. Keine kurzfristige Beziehung ist Joseph Parsons/Empire Bridges. Eine dicke Progessive Rock-Kaufempfehlung kann für XNA/When We Changed You ausgesprochen werden. Der Imbiss-Mann von "Dittsche" setzt mit seinem Debüt Immer wieder weiter ein ganz dickes Ausrufezeichen. Mit einem leicht-lockern Sound, der fast schon einzigartig in der deutschen Pop Rock-Szene ist, kommt Michy Reinckes "Hatte ich dich nicht gebeten im Auto zu warten" daher. Selbst nach mehrmaligem Checken konnten bei Yasi Hofers Yasi keine Schwächen ausfindig gemacht werden. Blazon Stones Return To Port Royal ist DAS Album des Jahres 2013, meint jedenfalls unser Metallfacharbeiter Marius.
So langsam nähern sich die Daten an. Miss Sophie wird mit ihrem neunzigsten Geburtstag im "Dinner For One" nie älter und die Sendung feierte Silvester 2013 ihren fünfzigsten TV-Jahrestag. Aber dieser Klassiker ist einfach toll und der geht auch nur am 31.12. eines Jahres. Aus Spaß wurde der Duo-Sketch von mir mal auf Video konserviert. Mitten im Jahr geht das Stück überhaupt nicht. Eine Premiere gab es bei einer Kult-Reihe: Zum ersten Mal sendete das Erste einen neuen "Tatort" nicht zur Hauptsendezeit. Mit "Eskimo" und "Franziska" gab es Nervenkitzel im Doppelpack. Schade, dass Tessa Mittelstaedt nicht mehr dabei ist. Gerade sie hat so manches Mal dafür gesorgt, dass Ballauf und Schenk auf den Boden der Tatsachen zurückkamen.
Altes kann eben auch gut sein. So gingen Jürgen, Wolfgang und Ingolf die hölzerne Treppe in den Keller der Vergangenheit und fanden die richtigen Worte für die Flut von Zeitreisen im Januar: Rock gab es von Stern-Combo Meissen/Im Theater am Potsdamer Platz. Bezüglich dieser Band liegen Freud und Leid dicht beieinander, denn Thomas Kurzhals verstarb Anfang des Jahres. Der Blues hing bei Tail Dragger und seinem Stop Lyin' damals auch noch nicht am Überlebenstropf. Ob als einzelne CD oder Doppeldecker konnten die Spielarten des Jazz da locker mithalten:
Grand Green & Ike Quebec, Complete Instrumental Sessions,
Qincy Jones + Harry Arnold + Big Band = Jazz!, Jack Starr/Out Of The Darkness,
The Complete Jam Sessions, Your Number, Please + Julie... At Home,
Viva Bossa Nova! + Olé! Bossa Nova!
Besonderes stand mit den Beatles/The U.S. Albums auf dem Speiseplan. Paul McCartney und Ringo Starr traten bei der Grammy-Verleihung in den USA gemeinsam auf.
Natürlich hatte Anfang des Jahres auch G.E. Rücht wieder etwas zu bieten. So zum Beispiel hat Ray Davies nun zum fünfzigsten Jahrestag der ersten Tonträgerveröffentlichung das Thema einer Reunion der Kinks in den Mund genommen. Auch bei den Faces steht eine Reunion im Raum. Da ist definitiv Warten angesagt, warten bis zur nächsten Meldung.
Die Silvestermusik lieferten höllenlaute Kracher und pfeifende Raketen. Die könnte man abermals aktivieren, wenn es um die Geburtstagskinder geht. Na ja, Kinder sind sie schon lange nicht mehr, aber man bleibt bestimmt auch mit quirligen Enkelkindern fit. Jimmy Page und Werner Liebig, der 1966 den Beatclub in Langelsheim eröffnete, wurden 70. Herzliche Glückwünsche nachträglich.
Viele trauerten um die verstorbenen Phil Everly (Everly Brothers), Pete Seeger und Dennis 'Fergie' Frederiksen, Ex-Sänger von Toto.
Der untere Niederrhein ist jetzt auch die Versenkung, denn in die verschwand Ronald Pofalla. Die Tante Fantasie häkelt fleißig an einem Platzdeckchen für einen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn. Im Liebesbrief des Bundestagsabgeordneten an die Bahn fehlt nur noch das Kreuz bei ja oder nein. Der Stift ruht auf dem Kästchen vielleicht. Wenn da die Schienen-Manager mal nicht vom Regen in die Traufe führen. Die Polit-Shows gehen weiter. Apropos Show, die RockTimes-Crew hatte sich schon zu Beginn des Jahres bei folgenden Gigs sehen lassen: Jessy Martens in Salzgitter hatte mehr Rock als Blues im Kopf. Jazz aus der oberen Galerie gab es von
Jan Luley Trio & Brenda Boykin in Kleve und um die nächste Generation der Blueser brauchte man sich bei der Marius Tilly Band in Rhede keine Sorgen zu machen. Die Nimmo Brothers waren bei den Blues Moose-Leuten in Groesbeek eine Klasse für sich. Trotz rund tausend Zuschauern war Clannad in Neunkirchen eine Band zum 'Anfassen' und lieferte in zwei Stunden Irish Folk vom Feinsten. Mit dem Bulldozing Europe in Eindhoven hatte unser Magazin auch gleich das erste Festival des Jahres im Kasten.

In der Redaktion viel diskutiert und mehr als bedenklich war das Ende der Kult-Location Rock Temple in Kerkrade. Dazu schrieb Jochen in einer News unter anderem: »Über viele Jahre war der Rock Temple Heimat für Metal- und Hard Rock-Jünger nicht nur niederländischer Abstammung, auch viele Belgier und Deutsche aus weiten Teilen der Republik strömten regelmäßig in diese Kultstätte. Das Programm konnte sich stets sehen lassen und es waren in weiten Teilen nicht nur reine Club-Acts, die dort aufspielten. Immer wieder sah man auch große Namen im Programm auftauchen. Wichtig aber für die Rocker der Region war die Atmosphäre unter Gleichgesinnten.«
Boris hatte mit einer seiner Lieblingsbands sozusagen gleich zwei Dates: Einerseits war es eine Videopremiere, andererseits gab es ein Interview mit Vanden Plas. Steve entlockte Al Schnier in seinem moe.-Interview höchst interessante Antworten.
Zum Schluss noch ein ganz besonderer Dank an unsere Facebooker, die immer emsig das Geschehen rund um die Musik begleiten und 13.375 RockTimes-Artikel sind eine ganze Menge zum Stöbern. In diesem Sinn
Nimm dir Zeit für gute Musik!
Joachim 'Joe' Brookes
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