Editorial / Dezember 2014



Editorial vom 01.12.2014


Markus Kerren
Werte RockTimes-Leser,
also, ich weiß ja nicht, wie es euch in der jährlichen Vorweihnachtszeit so geht. Bei mir ist das immer ein regelrechtes Gefühlsbad, bestehend aus wohlig warmen Wassertemperaturen und verdammt kalten Duschen. Und den Grund, warum ich regelmäßig einen Schweißausbruch nach dem anderen bekomme, könnt ihr euch wahrscheinlich schon denken. Jeden Herbst werden pünktlich zum (Vor-) Weihnachtsgeschäft neue bisher unveröffentlichte (vermeintliche) Perlen plötzlich wiederentdeckt und auf den Markt gebracht. Wenn man den (persönlichen) Musikwahnsinn nicht gepachtet hätte, könnte man natürlich ganz locker mit diesen Geschichten umgehen, etwa ein halbes Jahr oder zehn Monate warten und die Objekte des Begehrens (falls sie bis dahin nicht ausverkauft sind) dann für deutlich günstigere Preise erwerben.
Beispiele gefällig? Anbei nur mal drei, um den Rahmen dieses Textes nicht ins Maßlose zu treiben: Wer Bob Dylan und/oder The Band liebt, der bekam bei der Veröffentlichungsankündigung der kompletten Basement Tapes (auf sechs CDs) sicherlich schon Schwindelanfälle. Dann gibt es nun aber auch noch solche Angebote wie die neue, ebenfalls sechs CDs umfassende, Ausgabe des dritten und gleichnamigen Albums von Velvet Underground oder eine ganze Box (sieben CDs und eine DVD) mit George Harrisons Solo-Output der Jahre 1969 - 1975. Wohl dem, der da nicht von einem dringenden sowie nervösen inneren Verlangen gepackt wird. Mir persönlich gelingt es - trotz mittlerweile leicht ergrauendem Haupthaar - nach wie vor nicht wirklich, da ganz cool zu bleiben. Wäre ja auch alles nicht der Rede wert, wenn für diese Teile nicht gleich ein halbes Vermögen eingefordert werden würde. Im Endeffekt bleiben drei Möglichkeiten:
Erstens, finanziell zu bluten (und schlimmstenfalls vom Objekt der Begierde enttäuscht zu werden)! Zweitens, das Glück zu haben, mit jemandem Weihnachten zu feiern, bei dem es finanziell nicht mehr so genau drauf ankommt oder drittens (und wahrscheinlich am schmerzhaftesten), sich das Teil tatsächlich zu verkneifen, aus der Erinnerung zu verbannen und seine Existenz schlichtweg zu ignorieren (was natürlich doch nie klappt). Ein Dilemma... aber hey, nicht dass es mal langweilig werden würde, wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier.
Dass das Leben eines Musikfans aber auch ohne bekannte Namen und großangelegte Boxsets wunderschön sein kann, beweisen die monatlich in RockTimes besprochenen großartigen Scheiben entweder noch jüngerer Musiker, die gerade mal am Anfang ihrer Karriere stehen, oder jene von der bereits etablierten Gattung, die aber nach wie vor auf finanziell kleiner Flamme kochen, obwohl sie schon längst viel mehr Beachtung verdient hätten. Im abgelaufenen November konnten wir euch dahingehend solche Hochkaräter wie Michael Kobrin, die Oleg Pissarenko Band, Cheap Wine, Achilles Wheel, Lars Cleveman, Annika Chambers, Chris Weaver Band oder das
Øresund Space Collective ans Herz legen. Bereits etwas bekannter, deshalb aber trotzdem mit vorgelegten Hammerscheiben konnten uns Siena Root und der (ehemalige?) AC/DC-Drummer Phil Rudd vom Hocker hauen. Unsere Andrea war von dem neuen Pink Floyd-Werk mehr als nur angetan und bezüglich des großartigen Dr. John ließen sich mit Wolfgang als auch
meiner Wenigkeit unabhängig voneinander gleich zwei Redakteure zu einer TIPP-Grafik hinreißen.
Auch auf intensive Zeitreisen begaben wir uns wieder, was uns nochmal ausgiebiger in die Welten von David Bowie, Rory Gallagher, The Rolling Stones (sowohl ins Jahr 1975 als auch 1981), Georg Danzer, Blood, Sweat & Tears, Bryan Adams sowie Anyone's Daughter eintauchen ließ.
Leider vergeht aber auch kein Monat, in dem der Sensenmann sein rüdes Schaffen ruhen lässt. Im vergangenen November nahm er u. a. den Saxophonisten Klaus Kreuzeder, den Bassisten Rick Rosas (Ex-Joe Walsh, Ex-Neil Young), den Bassisten Riff West (Ex-Molly Hatchet, Gator Country) und Wayne Static, den Frontmann von Static-X von uns. Ruhet in Frieden! Glück hatte dagegen wohl U2-Frontmann Bono, der in einer Maschine sitzend beinahe vom Himmel über auf die Hauptstadt Berlin abgestürzt wäre. Weniger Glück (wobei man sich trefflich darüber streiten kann, ob das überhaupt etwas mit Glück/Pech zu tun hat) war dem St.Vitus-Frontmann Wino beschieden, der sich in Norwegen mitten in einer Tour mit illegalen Substanzen erwischen ließ und von den dortigen Behörden kompromisslos in den nächsten Flieger Richtung Heimat (USA) verfrachtet wurde.
Seinen Hals gerade noch mal aus der Schlinge ziehen konnte der bereits weiter oben erwähnte Phil Rudd, der sich plötzlich in Australien vor Gericht wiederfand. Die Anklage: die Beauftragung eines Doppel-Mords! Nicht gerade hilfreich soll im Anschluss gewesen sein, dass die Ermittler bei einer Durchsuchung in Rudds Haus auch noch Cannabis und Methaphetamine fanden. War aber letzten Endes dann doch alles heiße Luft, aufgrund mangelnder Beweise wurde das Verfahren sehr schnell eingestellt. Ob Rudd (aus welchen Gründen auch immer) seinen Job bei AC/DC noch hat, ist dagegen mehr als fraglich.
Sharon Osbourne hat angedeutet (oder sollte ich besser schreiben 'damit gedroht'?), dass die Doku-Soap "The Osbournes" durchaus in die nächste Runde gehen könnte, da Ozzy nun endlich nüchtern und clean sei (gähn...). Angenehmer wirkte da schon die Nachricht/das Gerücht, dass Van Halen ein neues Studioalbum eingetütet haben sollen, das dann höchstwahrscheinlich im kommenden Jahr das Licht der Welt erblicken wird. Und jetzt aber nochmal so richtig hoch mit den Tassen und mal ganz kräftig auf den 75. Geburtstag der großartigen Tina Turner (die Frau, vor der sogar ein Mick Jagger - ohne einen Orden im Sinn gehabt zu haben - auf die Knie ging) angestoßen! Auf die nächsten 25, Anna Mae!
Schon lange keine guten Interviews mehr gelesen? Dann bitte unbedingt anchecken, was uns sowohl Francis Tobolsky (Wucan) als auch Tilo George Copperfield (3 Dayz Whizkey) zu erzählen wussten. Darüber hinaus hatten wir natürlich auch wieder so einige Konzertberichte für euch im Köcher, was wir selbstverständlich auch weiter so pflegen werden. Denn was wäre das Leben schon, wenn man die schönen Klänge nicht auch immer wieder handgemacht direkt vor sich auf der Bühne genießen könnte. Nachvollziehbar ist das alles auch nochmal durch die unten aufgeführte Link-Übersicht, die euch zu allen Artikeln des Monats November führen wird.
In diesem Sinne, kommt gut durch das Feiertags-Chaos, verzweifelt nicht an nahezu unbezahlbaren Box-Sets und vergesst nicht, immer die richtige Musik zum richtigen Zeitpunkt griffbereit zu haben!
Das komplette RockTimes-Team wünscht euch bereits jetzt ein grandios verrocktes Weihnachten!
Markus
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