Mr. Music in Bonn - Der Plattenladen meines Vertrauens
Logo »Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr., ganz Germanien wird regiert von großen Malls und OnlineShops. Ganz Germanien? Nein! Ein von unbeugsamen Musikliebhabern bevölkerter Laden hört nicht auf, dem schnöden Einheitsbrei Widerstand zu leistenů Seht selbst!«
(aus dem aktuellen Flyer von Mr. Music - frei nach Asterix)



Zwischenruf vom 17.10.2012


Jürgen Hauß
Wertvolle Hinweise auf neu erschienene CDs bekomme ich - natürlich - auf www.RockTimes.de sowie: Im Plattenladen meines Vertrauens - Mr. Music in Bonn. Oftmals habe ich in meinen zahlreichen Gastbeiträgen, die ich für dieses Online-Magazin verfasst habe, darauf hingewiesen und den Plattenladen entsprechend erwähnt. Meinen Jubiläumsbeitrag für RockTimes - meinen 100. Artikel - möchte ich daher nutzen, Mr. Music ausführlicher vorzustellen. Und auch für Mr. Music steht ein Jubiläum an.
Als dieser Plattenladen vor exakt 20 Jahren plötzlich direkt am Bonner Hauptbahnhof am Eingang der Fußgängerzone (dennoch leicht versteckt hinter einer bombastischen 'Südüberbauung'; die Bonner unter den Lesern werden wissen, was ich meine!) eröffnete, gab es in der Innenstadt noch mehrere kleinere Plattenläden. Ansonsten gab es lediglich die (räumlich wie inhaltlich) bescheidenen CD-Abteilungen in den beiden Kaufhäusern, da Bonn bislang die einzige deutsche Großstadt ist, die weder über einen Media-Markt noch über einen Saturn verfügt (ob das ein Verlust ist, muss jeder für sich selbst entscheiden; nach jüngsten lokalen Pressemeldungen soll sich das aber spätestens im kommenden Jahr ändern). Fast hätte ich noch das gute, alte Haus der Musik vergessen, das mit dem Eindruck eines musikalischen Gemischtwarenladens Tonträger, Musikanlagen und Fernseher sowie Musikinstrumente und Noten unter einem - allerding kleinen - Dach anbietet.
Mittlerweile gibt es in Bonn - neben den CD-Abteilungen der Kaufhäuser (sowie - erstaunlicherweise immer noch - dem Haus der Musik) nur noch Mr. Music. Die anderen Geschäfte mussten der übermächtigen Konkurrenz insbesondere durch Versender und Download-Plattformen - oder aber aus eigenem Verschulden - weichen. Warum aber konnte Mr. Music überleben? Ganz einfach: Gute Lage, gutes Angebot und stets kompetente und freundliche Bedienung!
FassadeDas die gesamte Breite des Ladens ausmachende Schaufenster ist - mit Ausnahme der Glastür - beklebt mit Konzertplakaten und langen Listen, auf denen eine Vielzahl von Veranstaltungen - nicht nur für den Bonner Raum - ausgedruckt ist. Aha, hier gibt es auch Konzert-Tickets, das ist schon mal gut! Insgesamt ist der Laden nicht gerade breit - keine fünf Meter - dafür aber geht er ziemlich in die Länge sowie - um dies schon vorweg zu nehmen - auch in die Tiefe.
ErdgeschossIm Erdgeschoss überwiegt - von einigen noch darzustellenden Besonderheiten abgesehen - das Standardangebot jedes gewöhnlichen Plattenladens: TOP 100, Rock und Pop von A - Z, getrennt davon Deutsche Schlager und Liedermacher, Musik-DVDs, Maxi-CDs sowie Sonderangebote. Alles gut und sorgfältig alphabetisch sortiert; die bekanntesten Künstler sind mit eigenen Namens-Reitern ausgewiesen, aber auch die am Ende jeden Buchstabens versammelten 'Sonstigen' sind ihrerseits alphabetisch sortiert; das ist leider nicht überall so. Und immer wieder lassen sich CDs im Angebot finden, die nicht unbedingt dem sonst üblichen Standardsortiment entsprechen. Zahlreiche Kopfhörer geben dem Kunden Gelegenheit, besonders herausgestellte CDs nach Lust und Laune anzuhören. Darüber hinaus gibt es noch mehrere Kopfhörer, über die man in persönliche Wunsch-CDs hinein hören kann.
Die Reihe der üblichen CD-Regale beginnt übrigens mit einem Fach, in dem aktuelle Neuheiten aus Rock und Pop platziert sind. Dieses Fach war vor einiger Zeit mit der Bemerkung »Wer schaut denn da überhaupt rein? « zugunsten des allgemeinen Regalplatzes aufgelöst, jedoch nach Kunden-Protesten wieder aufgenommen worden. Ich jedenfalls finde das sehr gut, denn dieses - sorgfältig gepflegte - Fach bietet bei regelmäßigem Besuch des Ladens einen guten Überblick über die ansonsten kaum überschaubare Vielfalt des Outputs der Plattenfirmen.
Bonner BandsIm hinteren Bereich des Ladens befindet sich die Bestell-Theke für nicht vorhandenes Material, wo man stets kompetent beraten wird. Auch die abstrusesten Veröffentlichungen werden hier ausfindig gemacht. Dazu gehört, dass der Laden ein großes Angebot an Import-CDs verfügbar macht. Ansonsten entdeckt man hier noch einen Sonderständer für Musik aus der Bonner Region. Auch das ist etwas Besonderes, da hier Bonner Bands bzw. Musiker ihre - oftmals selbst produzierten - CDs einem breiteren Publikum vorstellen können. Etwas anders ist hingegen ein im Laden befindlicher Sonderständer 'Live in Bonn' ausgerichtet; hier findet man CDs von Künstlern, die gerade eben oder alsbald live in Bonn auftreten werden, so dass man auch auf diesem Wege auf derartige Veranstaltungen aufmerksam gemacht oder daran erinnert wird.
VinylthekeWer im Uhrzeigersinn die CD-Regale bis Z durchgearbeitet hat, gelangt nun noch zu einigen Sonderthemen wie Französische bzw. Italienische Künstler, Filmmusik, Sampler, Fußball-CDs sowie - das muss im Rheinland einfach sein - Kölsche Musik! A propos Fußball: Der Inhaber von Mr. Music (zu ihm noch später mehr) ist begeisterter Anhänger des 1. FC Köln. Aus diesem Grund führt er in seinem Laden ein sehr großes Angebot an Fan-Artikeln des FC, wofür er vom Verein als offizieller Fan-Shop autorisiert ist (natürlich gibt es hier auch Eintrittskarten für die Spiele des FC, aber - so viel sportliche Fairness muss sein - auch für andere Spiele!).
Und schließlich gibt es seit ein paar Jahren einen zwar noch vergleichsweise kleinen, jedoch immer größer werdenden Regalbereich für die Anhänger des guten alten Vinyls.
Heavy MetalDoch die eigentlichen Perlen des Ladens - insbesondere für die RockTimes-Klientel - lassen sich im Kellergeschoss finden. Da wäre zunächst der große Hard&Heavy-Bereich, in dem die Musiker einerseits alphabetisch geordnet sind.FarbcodeAndererseits signalisieren farbige Reiter, auf denen der jeweilige Name abgedruckt ist, welche Stilrichtung damit bedient wird; das ist sehr hilfreich, wenn man sich Genre-mäßig umsehen will. Danach kommen die ebenfalls breiten Stellflächen für Welt-Musik und Jazz.
Last but not least: In der hinterletzten Ecke des Ladens befindet sich meine persönliche 'Insel', auf der ich nur allzu gerne auf musikalische Schatzsuche gehe: Die Blues-Ecke. BluesDeren Platzierung deutet allerdings ganz und gar nicht darauf hin, dass dieses Genre bei Mr. Music nur stiefmütterlich behandelt würde. Ganz im Gegenteil, ist doch der Chef ebenfalls begeisterter Blues-Fan. Ich jedenfalls genieße die Abgeschiedenheit dieses Bereichs und den daraus resultierenden geringen 'Durchgangsverkehr'. Und was man hier alles finden kann, darüber kann man - wie einleitend angesprochen - in zahlreichen meiner Reviews auf RockTimes lesen. Ab und zu hängt hier auch ein Ausdruck eines RockTimes-Reviews an der Wand, als Werbung für die besprochene CD wie auch für RockTimes selbst.
Wer aber steckt eigentlich hinter Mr. Music?Bernd GelhausenDer Laden ist - ungeachtet des darauf möglicherweise hindeutenden Firmennamens - nicht Teil einer größeren Kette, sondern wird betrieben von Bernd Gelhausen, einem in Ehren ergrauten 'Einzelkämpfer' in den 50ern, den man ungestraft als 'Musik-Verrückten' bezeichnen darf. Er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt, zunächst als Angestellter in einem Platten-Laden. Anschließend hat er quasi die Seiten gewechselt und viele Sparten des Musik-Business bearbeitet, so beispielsweise als hauptberuflicher Band-Manager, Konzert-Veranstalter und Plattenproduzent mit eigener Produktionsfirma, bis er schließlich - wie eingangs beschrieben - vor genau 20 Jahren Mr. Music gründete. Nebenbei tritt er nach wie vor als Veranstalter von Konzerten in der Bonner Harmonie in Erscheinung, so beispielsweise für Little Caesar, Bonafide oder die regelmäßigen Auftritte von Julian Sas (letztgenannter wird übrigens am 18. Oktober 2012 im Rahmen der 'Plattenladen-Woche' bei Mr. Music ein kleines Solo-Akustik-Set spielen).
MottoHatte ich soeben vom 'Einzelkämpfer' gesprochen? Das trifft zwar die rechtliche Situation von Bernie als Inhaber des Ladens, nicht aber für das Alltags-Geschäft zu. Hier wird Bernie durch einen Stamm fester Mitarbeiter (die teilweise bereits bis zu 17 Jahre mit dabei sind) sowie einigen Aushilfskräften an der Front zum Kunden tatkräftig unterstützt (während Bernie sich mehr im Back-Office aufhält und Kontakte zu den Plattenfirmen pflegt). Alle vereint die uneingeschränkte Begeisterung für die Musik, getreu dem Motto (für diejenigen, die das Kleingedruckte auf dem nebenstehenden Foto nicht lesen können): »Manchmal JECK - Meistens FREUNDLICH - Immer KOMPETENT«!
A propos Werbung: War dieser Beitrag jetzt Schleichwerbung? Ich meine: »Nein«! Schleichwerbung ist nach der früheren - leicht abgewandelten - Definition im Rundfunkstaatsvertrag die »unerlaubte, nicht gekennzeichnete verbale oder optische Darstellung eines Unternehmens innerhalb eines redaktionellen Artikels, die den Leser hinsichtlich ihres eigentlichen (Werbe-) Zwecks irreführen kann«. Die Irreführung über den Werbezweck war nicht meine Intention für diesen Beitrag. Vielmehr wollte ich ganz bewusst und - hoffentlich ausreichend deutlich - Werbung machen ganz allgemein für die kleinen, unabhängigen Plattenläden in Deutschland, die im harten Konkurrenzkampf mit den großen Medienhändlern (sowohl stationär wie auch insbesondere die Versender) und noch mehr mit den - legalen wie illegalen - Download-Möglichkeiten im Internet stehen und sich dennoch und hoffentlich erfolgreich bemühen, ihren Kunden ein attraktives und individuelles Angebot bieten zu können.
Und ganz konkret wollte ich Werbung machen für Mr. Music in Bonn, den Plattenladen meines Vertrauens - er hat es verdient! Und sollte das gesamte Team auch zukünftig den Laden entsprechend dem oben abgebildeten Motto betreiben, sollte es auch gelingen, noch weitere Jubiläen gemeinsam zu erleben.
In diesem Sinne: Bleibt weiter unbeugsam!

P.S.: Natürlich - und zum Glück - ist der Laden in der Regel nicht so leer, wie dies die Fotos andeuten könnten. Die Fotos entstanden zur Vermeidung rechtlicher Auseinandersetzungen mit darauf abgebildeten Personen außerhalb der üblichen Geschäftszeiten.
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