"Wis Wedder werd" ("Wie das Wetter wird")
Open Air Open Airs im Zeichen des Klimawandels



Zwischenruf vom 27.07.2007


Norbert Neugebauer
Tja, Freunde der Open Airs - in Zeiten des Klimawandels heißt es immer ein sicherndes Auge nach oben zu richten. Waren früher Ostfriesennerz und Basketballstiefel im Bedarfsfall als Wetterschutz ausreichend, sind heute vorsichtshalber komplette Profi-Outdoorausrüstungen, Watstiefel
(s. Hurricane-Festival 2006 und Roskilde 2007) und Survival Kit samt sicher gelagertem Ersatz-Equipment einzuplanen. Da ist auch jeder Veranstalter gut beraten, im Fünf-Minuten-Abstand den Wetterbericht anzuklicken, sichere Ausweichquartiere zu buchen und schon mal vorsorglich THW, Rettungsdienst und die Notunterkünfte zu alarmieren. Die Unfälle durch Unwetterattacken nehmen deutlich zu, so dass ernsthaft mal über Risikoabwägung nachgedacht werden muss.
Einen kleinen Vorgeschmack (glücklicherweise kein solches Desaster wie im letzten Jahr Kollege Olli) erlebten meine Frau und ich letztes Wochenende bei einem Freiluft-Konzert des fränkischen Liedermachers Wolfgang Buck samt Band, deren künftiges Album sinnigerweise "Wis Wedder werd" heißt. Das war in einem Amphitheater einer Tagungsstätte in Teuschnitz auf den Frankenwaldhöhen angekündigt. Nachdem es in den letzten Tagen wie in ganz Deutschland, auch bei uns zu Unwettern gekommen war, rechneten wir eigentlich damit, dass der Auftritt, wie vorgesehen in eine Turnhalle verlegt werden sollte. Als wir dann am Abend in das Nachbarstädtchen fuhren, zuckten bereits kräftig Blitze am zunehmend schwarzen Himmel und als wir eintrafen, goss es in Strömen. Aber kein Hinweis auf eine andere Lokalität! Vor Ort trafen wir auf ebenfalls entsprechend regenfest ausgerüstete Konzertbesucher, die sich wie wir erstmal unterstellten. Zum beabsichtigten Veranstaltungsbeginn klarte es auf und das Gewitter zog langsam vorbei. Trotzdem nahmen wir mit mulmigem Gefühl im Halbrund Platz, zumal die Band auch erst in letzter Minute erschien und mit dem abschließenden Soundcheck begann. Die Bühne war zwar überdacht, jedoch lief das Wasser über den Boden, also alles andere als eine trockene und sichere Angelegenheit für die Künstler. Als es dann endlich losging, war auch der Regen wieder zur Stelle.
Open AirDer hörte zwar zwischendurch auf, aber es wurde nun empfindlich kühl und in den trotz Schirm feucht gewordenen Klamotten ungemütlich. Nach einer knappen Stunde legte die Band eine kurze Pause ein, prompt kam auch das Gewitter wieder zurück - und zwar heftig! Über der Bergkuppe blitzte und krachte es. Rund um das Naturtheater und unmittelbar neben der Bühne standen hohe Bäume, die wie Antennen in den Nachthimmel wirkten. Angesichts dieser schon recht bedrohlichen Lage, verabschiedeten wir uns vorzeitig, wobei ich die Unglücksfälle bei Open Airs der letzten Jahre im Kopf hatte. Trotz aller Begeisterung für die Musik darf die Vernunft nicht völlig außen vor bleiben! Wie ich später erfuhr, brach kurz danach die Band ab und es passierte auch glücklicherweise nichts.
Das Risiko steigt, wie unschwer aus den nahezu täglichen Schadensberichten zu ersehen ist. Selbst wenn bei großen Veranstaltungen durch die professionellen und erfahrenen Veranstalter entsprechende Vorsorge getroffen wird, gegen die mit zunehmender Tendenz schweren Wettereinbrüche ist niemand gewappnet. Denn auch dabei waren schon jüngst Todesfälle bei Helfern zu verzeichnen. Und die noch immer wohl vorherrschende Hoffnung der kleineren Veranstalter von Freiluftveranstaltungen 'dass schon nichts passiert' ist eine äußerst trügerische. Da nützt im Endeffekt auch keine Haftpflichtversicherung was, zumal die selbst bei nachgewiesener Sorgfalt bestenfalls für materielle Schäden aufkommt.
Ich will hier natürlich nicht generell gegen Open Air-Veranstaltungen anschreiben, die Ausrichter haben sich selbst darüber ihre Gedanken zu machen. Aber Folks, überlegt euch mal, ob ihr im Zweifelsfall wirklich loszieht, wenn schon Wettervoralarm gegeben ist und der normale Menschenverstand nein sagen würde. Im Nachhinein hat mir dieses Konzert, auch ohne negative Folgen, viel zu denken gegeben. Keine noch so geile Mucke ist es wert, wenn uns dabei der Himmel auf den Kopf fällt! Ich geh jedenfalls nicht mehr ohne Sturzhelm und Grubenlampe, beim Donar
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