Flop die Burg
Zwischenruf Dass auf Konzerten und Festivals Securities anwesend sind, um gegebenenfalls Ordnung zu schaffen, ist bekannt. Davon, wie diese ihre Stellung manchmal sinnlos ausnutzen, kann fast jeder RockTimer ein Liedchen singen.

Zwischenruf vom 10.09.2012


Nadja Feickert
Wer kennt es nicht – man freut sich wahnsinnig auf einen Abend mit Freunden und guter Live-Musik, doch dann stellt man fest, 'hey, ist ja gar nicht mal so super'. Und gar nicht mal so super ist noch harmlos ausgedrückt, wenn ich bedenke, was auf Rock im Wingert am 28. Juli 2012 und auf Rock die Burg, noch ganz aktuell am 1. September 2012, alles ablief – besonders von Seiten der Securities.
Rock die Burg und Rock im Wingert laufen mit noch einem dritten Festival über den Großveranstalter M³ (Motion Meets Music).
Rock im Wingert, Organisator: Rockwinzer e.V.
Der Höhepunkt des Abends war mit Abstand Hämatom. Die Menge tobte, die Stimmung war nicht zu toppen, alles war super, bis – tja, bis einige der Leute, mit denen ich da war, beschlossen, ich müsse unbedingt stage diven. Keine dreißig Sekunden wanderte ich auf Händen über die Menge, da war der Spaß auch schon wieder vorbei. Drei Securities waren alles andere als begeistert von der Idee und das bekam ich auch recht schnell zu spüren. Einer der drei packte mich am Arm, riss mich runter, sodass ich fast hinfiel, zog mich wieder hoch, hielt mich fester als nötig am Oberarm, drückte mir seine andere Hand in den Rücken und führte mich aus der Menge raus. »Wenn wir dich nochmal bei sowas sehen, fliegst du raus«, waren seine Worte, bevor er mich unnötigerweise dann zu allem Überfluss mit voller Wucht wegschubste. Wäre ich ein Zwei-Meter-Koloss, hätte ich seine Reaktion zwar genau so übertrieben gefunden, aber als gerade mal 1,62 m kleine junge Dame hätte man ruhig etwas liebevoller mit mir umgehen können…
Einem Mann, der das perfekte Beispiel für einen solchen, eben genannten, Zwei-Meter-Koloss darstellen könnte, fiel das Gleichgewichthalten aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum sichtlich schwer, und das schon recht früh am Abend. Ständig pöbelte er Leute an und begann während Hämatom spielte, alle Außenstehenden in der Gegend herumzuschubsen, obwohl davon wirklich keiner begeistert war. Das interessierte die lieben Sicherheitsmenschen aber scheinbar erst, nachdem ich 'zurechtgewiesen' wurde...
Rock die Burg, Organisator: Rock die Burg e.V.
Voller positiver Erwartungen fuhr ich mit meinen Leuten auf Rock die Burg. Letztes Jahr war das Event absolut klasse, super Bands, das Line-up war sehr abwechslungsreich gestaltet. Eigentlich gehöre ich zu denen, die sich von Bands, die sie nicht kennen, gerne überraschen lassen. Allerdings war Rockstah, die nach Radio Havanna spielten, nicht unbedingt die schönste Überraschung. Rock die Burg wird auf der offiziellen Website als 'alternatives Rockfestival' beschrieben. Dann frage ich mich, warum man auf ein solches Festival eine Rap-Gruppe einlädt. Die Reaktionen auf Rockstah waren sehr unterschiedlich, aus meiner Sicht hat die Band absolut nicht ins Programm gepasst und ich war nicht die Einzige, die sich über diesen Fehlgriff der Veranstalter ärgerte. Ich zitiere einen guten Freund, der auch dabei war: »Waren die etwa besoffen, als die denen zugesagt haben?!«
Ein anderer Freund von mir hatte die 'Ehre', sich schon nach kurzer Zeit das Festival nur noch von außerhalb des Geländes anhören zu dürfen. Warum? Tja, so ganz genau weiß das keiner, vermutlich nicht mal unsere 'besten Freunde', die Securities. Irgendwas scheint ihnen nicht in den Kram gepasst zu haben, denn einer von ihnen packte den besagten Besucher am Arm, zog ihn raus und verbot ihm, das Festivalgelände an diesem Tag nochmal zu betreten. Angeblich hätte er mitten auf den Konzertplatz uriniert.
Mein 'Lieblingssecurity' von Rock im Wingert war natürlich auch wieder vor Ort und wie immer kräftig am Ordnung schaffen, wo man gar keine gebraucht hätte, beispielsweise beim Pogo bei Radio Havanna. Alle standen sie außenrum und passten auf, dass ja kein Außenstehender etwas abbekam. Als dann allerdings A Traitor Like Judas, laut Beschreibung eine Metalcore-Band, auf dem Programm stand, wurde eine ganze Horde Violent Dancer aktiv, die sich bis zum Geht-nicht-mehr die Köpfe einschlugen und eintraten. Wo waren die Menschen von der Sicherheit jetzt? Nichts genaues weiß man nicht. Nachdem ich einem dieser übermäßig aggressiven Tänzer, welcher direkt vor meiner Nase losgelegt hatte, einen Tritt in den Hintern verpasste, standen sie auf einmal da, drei oder vier, mein 'bester Freund' war natürlich auch wieder zur Stelle, ausgerüstet mit – haltet euch fest – Quarzsandhandschuhen. Klar, Violent-Dancer sind nicht ganz ohne, aber da Rock die Burg eine Veranstaltung ist, die hauptsächlich von Jugendlichen besucht wird, fand ich das mehr als übertrieben. Einer wurde des Festivals verwiesen, vielleicht auch noch zwei oder drei mehr. Vielleicht...
Auf Jugendschutz wurde mindestens genau so viel Wert gelegt wie auf Sicherheit. Ist ja so an sich nichts Verkehrtes, hätte man den Jugendschutz nicht auch noch den netten Sicherheitsmenschen überlassen. Es gab, genau wie letztes Jahr auch, einen abgegrenzten Raucherbereich, unter anderem, weil die Hardenburg, auf der das Festival stattfindet, mitten im Wald ist und das Waldbrandrisiko verringert werden soll. Am Raucherbereich hing ein riesiges Schild mit der Aufschrift 'Rauchen ab 18!!!', was dazu führte, dass ein Großteil der U-18-Raucher zum Rauchen in den Wald pilgerte – äußert kontraproduktiv was die Waldbrandgefahr angeht; wobei man dem Veranstalter diesbezüglich keine Vorwürfe machen sollte, sondern eher denen, die ganz unverantwortlich außerhalb des Festivalgeländes ihre Zigarettenstummel in den Wald warfen... Ob man schon 18 Jahre alt war, konnte man gut an den verschiedenfarbigen Papierbändchen erkennen. Mindestens 18 = grün, unter 18 = gelb, unter 16 = rot. Da hatte dann also ein Gelbbändchenträger wohl das Schild übersehen und sich eben doch in den Raucherbereich gestellt und schwupps, war ein Securitymann zur Stelle, um ihm einen Rausschmiss anzudrohen. Punkt 22 Uhr begannen dann die Bändchenkontrollen, um unter 16-jährige ohne Aufsichtsperson des Geländes zu verweisen. Auch hierbei gingen die inzwischen alles andere als gern gesehenen Sicherheitsleute nicht unbedingt human mit den Besuchern um: Manchmal schnappten sie sich einfach einen Arm, zogen den Ärmel hoch und leuchteten mit der Taschenlampe auf den Arm. Ist ja nicht so, dass man einfach mit den Leuten reden könnte, und selbst bei lauter Musik gibt es auch noch so etwas wie Gestik…
Wir sind dieses Jahr zur selben Zeit nach Hause gefahren wie letztes Jahr. Bloß gab es einen großen Unterschied: Letztes Jahr wäre ich liebend gerne noch länger geblieben, dieses Jahr war ich froh, mir das Spektakel nicht bis zum Schluss antun zu müssen. Wir verpassten zwar die letzte Band, aber um sich diese anzusehen, hatte keiner mehr die Nerven. Alles in allem kann ich sagen, dass ich es unter aller Sau finde, wie die Securities mit den Festivalbesuchern umgingen. Da muss sich keiner wundern, wenn von Jahr zu Jahr weniger Leute kommen. Rock die Burg? In diesem Jahr wohl leider eher Flop die Burg … Schade.
Externe Links: